10.05.2016 Werner Sperber

Wirecard: Danke, Shortie Zatarra, für die Einstiegschance

-%
Wirecard

Die Fachleute von Focus Money erklären, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erlaubt es, negativ über ein Unternehmen zu schreiben und gleichzeitig die Aktien dieser angegriffenen Firma leer zu verkaufen, also auszuleihen und zu veräußern, mit dem Ziel, sie günstiger wieder zu erwerben. Das gilt, wenn der Schreiber seine Shortposition, also seinen Interessenkonflikt, an prominenter Stelle ganz klar macht und solange die Angaben zu dem angegriffenen Konzern richtig und eindeutig sind.

Solche Shortseller, wie jüngst Zatarra Research im Fall der Wirecard AG, suchen sich Unternehmen, die stark wachsen, viele Firmen gekauft haben und deren Aktienkurs stark gestiegen ist. Entsprechend dürften viele Anleger hohe Buchgewinne haben. Bei negativen Studien, so zweifelhaft sie auch sein mögen, steigen viele Investoren aus oder verkaufen Stoppkurs bedingt. Im Fall von Wirecard haften noch immer die nie bewiesenen Anschuldigungen der Bilanzmanipulation aus dem Jahr 2008 an dem Unternehmen. Unternehmenskommunikation, insbesondere das Führen von Zwiegesprächen mit den Investoren, wird immer mehr zu einem strategischen Wert. Dabei zählt Offenheit, denn beispielsweise Fragen zur Bilanz gibt es immer. Das macht viele Unternehmen, insbesondere viele deutsche Nebenwerte, so anfällig für Attacken – auch wegen ihres Erfolgs.

Wirecard ist sehr erfolgreich. Im ersten Quartal des laufenden Jahres stieg der Umsatz um 32 Prozent. Das operative Ergebnis legte im Jahresvergleich um ebenfalls 32 Prozent auf 62 Millionen Euro. Der Vorstand gibt als Ziel für das Gesamtjahr ein operatives Ergebnis von 290 bis 310 Millionen Euro an. Der Kursrückgang nach dem jüngsten Angriff hat vor allem eins bewirkt: die Möglichkeit, die Aktie eines gut laufenden Unternehmens günstig zu kaufen. Der Stoppkurs sollte allerdings eng gesetzt werden, falls es weitere oder neue Angriffe gibt. Im Übrigen sind die Analysten weiter zuversichtlich. Das Kursziel für die mit einem KGV von 22 für dieses Jahr bewertete Aktie beträgt 50,80 Euro und der Stop-Loss sollte bei 33,38 Euro gesetzt werden.

Buchtipp: Die Geschichte der Spekulationsblasen

Eigentlich sind wir alle ziemlich schlau. Nur das mit dem Geld klappt nicht so recht … und manchmal geht es sogar richtig schief. Doch warum nur? Mit „Die Geschichte der Spekulationsblasen“ macht sich John Kenneth Galbraith, einer der ganz großen Ökonomen des 20. Jahrhunderts, auf die Suche nach der Antwort. Und er sucht an den richtigen Stellen – den Finanz­katas­trophen der letzten vier Jahrhunderte: der Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts, der Südseeblase im 18. Jahrhundert, den Hochrisiko-Anleihen im 20. Jahrhundert. Mit Geist und Witz erklärt Gal­braith die psychologischen Mechanismen hinter diesen Blasen … damit der Leser sie durchschaut und sich dagegen wappnen kann. Dieses Meisterwerk zum Thema Finanzpsychologie war vergriffen und wird nun im Börsenbuchverlag wieder aufgelegt.

Autoren: Galbraith, John Kenneth
Seitenanzahl: 128
Erscheinungstermin: 19.03.2020
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-677-6