Endlich mal wieder ein grünes Vorzeichen mit Ausrufezeichen: Die Evotec-Aktie schießt am heutigen Freitag um mehr als sechs Prozent nach oben und ist damit der klare Top-Gewinner des Tages im SDAX. Sie reißt sich damit etwas von ihrem tristen Kursverlauf der vergangenen Wochen und Monate los. Nach einem nahezu Dauerabwärtstrend seit 2021 und einem frischen Zehnjahrestief atmen geplagte Anleger sichtlich auf. Doch reicht dies, um die Wende einzuläuten?
Ein wirklicher Auslöser für den heutigen Kursanstieg fehlt allerdings. Vielmehr summieren sich mehrere Faktoren zu der positiven Tagesentwicklung am heutigen Hexensabbat, der ohnehin bekannt für stärkere Kursausschläge ist. Zum einen war die Aktie zuletzt technisch heillos überverkauft: Erst am Dienstag markierte das Papier mit 2,77 Euro ein neues 52-Wochen- und Zehnjahrestief, nachdem es seit dem Jahreswechsel fast die Hälfte seines Wertes verloren hatte. Nach einem derart scharfen Ausverkauf reicht oft schon wenig Gegenwind, um Shortpositionen einzudecken – und genau das dürfte heute mit ins Spiel kommen. Der Leerverkaufsanteil bei Evotec gilt als überdurchschnittlich hoch, ein klassischer Nährboden für heftige Gegenbewegungen, sobald sich die Stimmung nur leicht aufhellt.
Zum anderen liefert das Unternehmen zuletzt tatsächlich wieder substanzielle Nachrichten. Erst vor wenigen Tagen meldete die Tochter Just – Evotec Biologics den Start einer klinischen Phase-1-Studie für ein Antikörperprogramm im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums gegen Orthopoxviren – ein Etappensieg, der die technologische Stärke der Biologics-Plattform unterstreicht. Ergänzend dazu hatte Evotec bereits Anfang September eine neue Forschungskooperation mit Plectonic Biotech bekanntgegeben, bei der die konzerneigene BiTco-Plattform mit der LOGIBODY-Technologie des Partners kombiniert werden soll, um T-Zell-aktivierende Therapien gegen solide Tumoren voranzutreiben. Hinzu kommt der Außenauftritt beim Morgan Stanley Healthcare Congress, wo das Management zuletzt aktiv um das Vertrauen institutioneller Investoren geworben hat.
Doch, um von einer Trendwende zu sprechen, ist es ganz klar zu früh. Das Unternehmen muss hierfür deutlich mehr liefern, um das Vertrauen der Anleger nachhaltig zurückzugewinnen. Der heutige Kurssprung ist deshalb zunächst als das zu werten, was er ist: ein technisches Aufatmen nach massivem Überverkauf, gestützt von einer Serie kleinerer positiver Meldungen. DER AKTIONÄR setzt im SDAX auf andere Favoriten. Aus dem Gesundheitssektor ist beispielsweise Schott Pharma interessant.
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