Gestern startete die Wall Street einen Erholungsversuch, am Ende des Tages fehlte den Bullen jedoch die Kraft. Anleger erhoffen sich neue Erkenntnisse von der laufenden Berichtssaison und halten sich noch zurück. Denn die ganz großen Zahlen stehen erst noch bevor. Am Dienstagnachmittag sehen die Vorzeichen an den US-Börsen dennoch wieder stark aus. Die Futures auf den Dow Jones legen um 0,3 Prozent zu, der S&P 500 steht 0,4 Prozent höher, der Nasdaq 100 notiert vorbörslich sogar 1,3 Prozent im Plus.
Neben den Quartalszahlen von 3M, General Motors und Danaher, die am Dienstag vorbörslich für Kursbewegungen sorgen, bleibt der Krieg zwischen den USA und dem Iran das dominierende Thema an den Märkten. In der Nacht flog das US-Militär bereits den zehnten Angriff in Folge auf Ziele im Iran. Gleichzeitig wächst jedoch die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung. Medienberichten zufolge haben Katar, Ägypten und Pakistan beiden Konfliktparteien einen Vorschlag für eine zehntägige Waffenruhe unterbreitet. Ob daraus tatsächlich Verhandlungen entstehen, ist allerdings völlig offen.
Öl über 90 Dollar, Gold und Silber ziehen an
Entsprechend nervös bleibt der Ölmarkt. Die neuen Kampfhandlungen haben die Preise wieder nach oben getrieben. Nachdem Brent am Montag erstmals seit mehr als einem Monat wieder über die Marke von 90 Dollar je Barrel geklettert war, notiert die Nordsee-Sorte aktuell mit 90,33 Dollar erneut oberhalb dieser Schwelle. Die US-Sorte WTI verteuert sich ebenfalls um 0,6 Prozent auf 83,71 Dollar.
Durch die Straße von Hormus verkehren seit Monaten deutlich weniger Tanker als vor Beginn der Kämpfe. Laut Daten von Kpler passierten am vergangenen Wochenende lediglich rund 30 Schiffe die strategisch wichtige Meerenge. Vor Kriegsbeginn waren es täglich mehr als 100. Jetzt gibt es zusätzlichen Zündstoff: Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen drohen mit Angriffen auf Schiffe im Roten Meer. Eine weitere Eskalation könnte die globale Ölversorgung empfindlich treffen und den Inflationsdruck weiter erhöhen.
Das sorgt auch bei den Edelmetallen für Bewegung. Gold verteuert sich heute Nachmittag um 1,3 Prozent auf 4.060 Dollar je Feinunze. Silber zog mit einem Plus von 4,2 Prozent auf 58,85 Dollar sogar noch deutlicher an. Das Risiko bleibt aber bestehen: Die steigenden Ölpreise nähren die Inflationssorgen und am Markt wächst die Unsicherheit bezüglich des weiteren Zinspfads der US-Notenbank Fed. „Wir gehen davon aus, dass der Edelmetallmarkt die restriktiven Signale von Fed-Chef Kevin Warsh und die Erwartungen des Anleihenmarktes an höhere US-Leitzinsen nach wie vor verdaut“, schrieb die UBS am Montag in einer Mitteilung.
Anleger wägen derzeit zwischen der Nachfrage nach sicheren Häfen und der Aussicht auf länger hohe US-Zinsen ab. Letztere hatten die Edelmetalle in den vergangenen Monaten immer wieder unter Druck gesetzt. Trotz des heutigen Kurssprungs liegt der Goldpreis seit Jahresbeginn immer noch 6,4 Prozent im Minus, der Silberpreis verlor sogar 19,3 Prozent. Dem übergeordneten Abwärtstrend können weder Gold noch Silber bislang entkommen.
Schlechte Zeit für Aktionäre? JPMorgan-Chef schlägt Alarm
Jamie Dimon zufolge würden Anleger aktuell die geopolitischen Risiken unterschätzen. Die weltweit anhaltenden Krisenherde, steigenden Militärausgaben bei gleichzeitig hohen Haushaltsdefiziten könnten die Märkte stärker erschüttern als derzeit eingepreist, meint der Chef der JPMorgan. Bei den aktuellen Bewertungen würde Dimon weder den breiten Aktienmarkt noch langlaufende US-Staatsanleihen kaufen. Anhaltend hohe Defizite könnten die Renditen weiter nach oben treiben. Auch beim KI-Boom mahnt er zur Vorsicht: Die Investitionen dürften sich langfristig auszahlen, "aber definitiv nicht so, wie man es erwartet – und auch nicht im angepeilten Zeitrahmen".
Allerdings scheinen sich die Bullen daran bislang nicht zu stören. Gerade im Tech-Sektor ist die Stimmung glänzend – der Nasdaq 100 liegt seit Jahresbeginn 12,1 Prozent vorne. Wer wegen drohender Rückschläge in den letzten Wochen an der Seitenlinie stand, hat einen erheblichen Teil der Rally verpasst.
Novo Nordisk zerpflückt Eli Lillys Werbekampagne
Neue Schlagzeilen kommen am Dienstag aus dem Pharmasektor: Im boomenden Markt für Adipositas-Medikamente geht es heiß her. Novo Nordisk hat in den USA Klage gegen Eli Lilly eingereicht und wirft dem Rivalen irreführende Werbung für dessen GLP-1-Präparate vor. Konkret soll Lilly mit veralteten Studiendaten den Eindruck erwecken, die eigenen Medikamente seien den Präparaten des dänischen Konkurrenten überlegen. Novo fordert, die Werbekampagnen zu stoppen und korrigieren zu lassen.
Die Hintergründe und die möglichen Folgen für die beiden Pharma-Schwergewichte lesen Sie in unserem ausführlichen Artikel:
3M schraubt die Erwartungen hoch
Die Berichtssaison zum zweiten Quartal nimmt allmählich Fahrt auf. Der US-Industriekonzern 3M hat die Erwartungen der Wall Street übertroffen und gleichzeitig den Jahresausblick angehoben. Der Quartalsumsatz stieg um 2,5 Prozent auf 6,50 Milliarden Dollar. Mit einem Gewinn von 2,40 Dollar je Aktie lag das Ergebnis 15 Cent über dem, was die Analysten prognostiziert hatten. Im Gesamtjahr soll der Gewinn nun zwischen 8,80 Dollar und 8,95 Dollar je Aktie erreichen. Bislang lag die Guidance zwischen 8,50 Dollar und 8,70 Dollar. Auch bei Umsatzwachstum und operativem Cashflow zeigte sich das Management optimistischer. Die Aktie gewinnt vorbörslich rund sechs Prozent und zählt damit zu den stärksten Werten im Dow Jones.
General Motors legt nach
General Motors überzeugt ebenfalls mit seinen Quartalszahlen. Der Autobauer aus Detroit übertraf im zweiten Quartal sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn die Erwartungen der Wall Street und schraubte zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognose nach oben. Der Umsatz legte um rund zwei Prozent auf 48,0 Milliarden Dollar zu. Analysten hatten lediglich mit 46,6 Milliarden Dollar gerechnet. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte im Jahresvergleich von 2,53 Dollar auf 3,57 Dollar und lag damit knapp zwölf Prozent über der Konsensschätzung.
Für das Gesamtjahr stellt General Motors nun ein bereinigtes EBIT zwischen 14 und 16 Milliarden Dollar (Analystenschätzung: 14,4 Milliarden Dollar) sowie ein EPS in Höhe von 12 bis 14 Dollar (Analystenschätzung: 12,81 Dollar) in Aussicht. Rückenwind liefern stabile Fahrzeugpreise, sinkende Garantieaufwendungen sowie deutlich geringere Verluste im Elektroauto-Geschäft. Konzernchefin Mary Barra sprach von einer weiterhin robusten Nachfrage nach Pick-ups und SUVs in Nordamerika. Im vorbörslichen Handel gerät die GM-Aktie dennoch unter Druck.
Biotech-Branche unter Druck: Dämpfer von Danaher
Auch die Aktien von Danaher geraten kräftig unter Druck und sacken vor Handelsstart um 15 Prozent ab – und das, obwohl der Life-Sciences-Konzern eigentlich solide Q2-Zahlen vorgelegt hat. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,5 Prozent auf 6,27 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten leicht. Auch beim bereinigten Ergebnis je Aktie lag Danaher mit 1,94 Dollar zehn Cent über den Schätzungen. Für das Gesamtjahr hob der Konzern seine Gewinnprognose sogar leicht auf 8,45 bis 8,60 Dollar je Aktie an.
Für lange Gesichter sorgt jedoch der Ausblick auf das laufende Quartal: Danaher rechnet lediglich mit einem organischen Umsatzwachstum von zwei bis drei Prozent, während Analysten im Schnitt 3,6 Prozent erwartet hatten. Die vorsichtigen Signale belasten die gesamte Branche: Die US-Werte Thermo Fisher, Agilent und Repligen geben ebenfalls nach, in Deutschland wird unter anderem Sartorius in Sippenhaft genommen (DER AKTIONÄR berichtete).
Im weiteren Wochenverlauf stehen unter anderem die Quartalsberichte von Alphabet, IBM und Tesla als wichtiger Stimmungstest für den gesamten Tech-Sektor auf der Agenda.
Was die Analysten von den beiden Mag-7-Konzernen im Vorfeld erwarten, lesen Sie hier:
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