US-Finanzminister Scott Bessent (Foto) greift an zwei Fronten durch: Washington stockt die Rückkäufe älterer US-Staatsanleihen deutlich auf und unterstützt Japan beim Kampf gegen die Yen-Schwäche. Die Botschaft ist martialisch. Die erste Reaktion der Anleger fällt allerdings ernüchternd aus.
Scott Bessent will die Finanzmärkte auf Linie bringen. Der US-Finanzminister kämpft gegen steigende Renditen langfristiger US-Anleihen und gegen die Schwäche des japanischen Yen.
Das US-Finanzministerium kündigte heute an, bei der nächsten Rückkaufaktion Staatsanleihen im Volumen von bis zu sechs Milliarden Dollar zurückzukaufen. Das ist dreimal so viel wie bisher. Künftige Operationen sollen mindestens vier Milliarden Dollar umfassen.
Gottlos hohe Renditen
Im Visier stehen zehn- und 20-jährige US-Anleihen. Deren Renditen sind zuletzt auf den höchsten Stand seit der Zeit vor der Finanzkrise gestiegen. Die Rendite zehnjähriger Papiere kletterte zeitweise auf 4,841 Prozent, bei den 20-jährigen Anleihen waren es 5,314 Prozent. Auch die Rendite 30-jähriger US-Anleihen übersprang die Marke von 5,3 Prozent.
Mit den Rückkäufen will Washington den Handel stabilisieren. Das Finanzministerium nimmt bereits ausgegebene Anleihen aus dem Markt. Das kann die Liquidität verbessern und die Renditen beeinflussen. Die US-Schulden verschwinden dadurch allerdings nicht. Angesichts von mehr als 40 Billionen Dollar Gesamtverschuldung bleibt das Volumen überschaubar.
Bessent macht Ansage an Spekulanten
Die Anleger überzeugt das zunächst nicht. Trotz der Ankündigung stiegen die Renditen am langen Ende weiter. „Hank Paulsons Bazooka ist das nicht“, sagte Mark Spindel, Investmentchef bei Potomac River Capital. Der Vergleich mit den Maßnahmen während der Finanzkrise sitzt.
Bessent selbst gibt sich kämpferisch. Mit Blick auf die Interventionen am Devisenmarkt sagte er: „Jetzt bin ich die Bank.“ Er wisse, was die US-Regierung und Japan planten. Wer gegen ihn spekuliere, könne das gerne tun.
Die zweite Front ist der Yen. Japan setzte zwischen Ende Juli und Ende August rund 96,4 Milliarden Dollar zur Stützung der eigenen Währung ein. Die USA beteiligten sich erstmals seit Jahrzehnten wieder an Yen-Käufen. Der Dollar fiel zuletzt auf rund 153,36 Yen. Händler spekulieren bereits auf einen Rückgang unter 150.
Die Verbindung zum US-Anleihemarkt: Japan gehört zu den größten ausländischen Haltern amerikanischer Staatsanleihen. Um den Yen zu stützen, können japanische Behörden US-Anleihen verkaufen. Das erhöht den Verkaufsdruck und treibt die Renditen nach oben.
Steigende langfristige Zinsen setzen vor allem hoch bewertete Wachstums- und Technologiewerte unter Druck. Künftige Gewinne sind bei höheren Diskontsätzen weniger wert. Ein stärkerer Yen kann zudem den Carry Trade belasten. Anleger, die sich in Japan günstig verschuldet und das Geld in riskantere Anlagen gesteckt haben, könnten Positionen schließen müssen. Bessent will Stärke zeigen. Doch die erste Marktreaktion spricht nicht für eine erfolgreiche Beruhigung. Solange Inflation, Staatsdefizit und Neuverschuldung hoch bleiben, dürften sechs Milliarden Dollar kaum reichen, um den gewaltigen US-Anleihemarkt zu bändigen. Für die Börsen heißt das: Bleiben die Renditen oben, bleibt der Druck auf teure Wachstumsaktien bestehen.
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