US‑Aktien: „Technisch überverkauft“? Höchste Job‑Streichungen seit 16 Jahren

US‑Aktien: „Technisch überverkauft“? Höchste Job‑Streichungen seit 16 Jahren
Foto: newscom/John Angelillo/picture alliance/dpa
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Lars Friedrich Heute, 15:42 Lars Friedrich

Es darf weiter gezittert werden: Kurz vor der Handelseröffnung in den USA zeigen die Märkte auch am heutigen Donnerstag klare Risikosignale. Schwache Arbeitsmarktdaten, die höchste Zahl angekündigter Stellenstreichungen seit 2009 und neue Zweifel an der Tech-Rally belasten die Stimmung. Futures geben nach, Renditen fallen, der Dollar verliert an Boden.

Futures im Minus, Renditen fallen: An den Terminmärkten dominieren die Verkäufer. S&P-500-Futures liegen rund 0,5 Prozent im Minus, der Nasdaq 100 verliert etwa 0,6 Prozent. Auch der Dow Jones startet schwächer in den Tag. Auslöser ist ein Datenmix, der nicht zu einem stabilen Konjunkturbild passt.

US-Unternehmen haben im Januar so viele Stellenstreichungen angekündigt wie seit 2009 nicht mehr. Gleichzeitig steigen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe deutlich stärker als erwartet. Der Markt reagiert sensibel und defensiv.

Einzige Hoffnung: Vielleicht kommt es im Laufe des Tages zu einer Gegenbewegung nach den Verkäufen der letzten Tage.

Infront Nasdaq 100 (WKN: A0AE1X)

Arbeitsmarkt sendet Warnsignal

Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums kletterten die Erstanträge in der letzten Januarwoche um 22.000 auf 231.000. Damit lagen sie über sämtlichen Schätzungen einer Bloomberg-Umfrage. Auch die fortlaufenden Anträge zogen an. Sie gelten als Indikator dafür, wie viele Menschen tatsächlich Leistungen beziehen.

Zwar spielte extremes Winterwetter eine Rolle. Doch die Richtung ist eindeutig. Der Arbeitsmarkt verliert an Schwung.

Infront S&P 500 (WKN: A0AET0)

Alphabet belastet Tech-Sektor

Zusätzlicher Druck kommt aus dem Technologiesektor. Alphabet hat die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn zwar übertroffen. Der Ausblick sorgt jedoch für Unruhe. Der Google-Konzern will seine Investitionen in künstliche Intelligenz massiv ausweiten. Für 2026 stellt das Management einen Kapitalaufwand von 175 bis 185 Milliarden Dollar in Aussicht – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Ein Großteil des Geldes soll in Rechenleistung für DeepMind fließen. Die Aktie verliert vorbörslich rund fünf Prozent. Anleger reagieren sensibel auf steigende Kosten und kurzfristig sinkende Margen.

Barclays verweist darauf, dass vor allem Infrastruktur-, DeepMind- und Waymo-Kosten die Profitabilität belasten. Analysten der Deutschen Bank sprechen von einem Schockmoment für den Markt. Ob der Kapazitätsausbau langfristig Früchte trägt, bleibt offen.

Software unter Druck, Rotation nimmt Fahrt auf

Ohnehin steht derzeit der Software-Sektor unter Druck. „Drei Viertel aller Software-Aktien sind technisch überverkauft“, sagt Andrea Gabellone vom belgischen Finanzunternehmen KBC Securities. Die Momentum-Strategie des Vorjahres stehe massiv unter Druck. Eine Erholung sei möglich, aber selektiv.

Infront DowJones (WKN: 969420)

Parallel dazu nimmt die Rotation Fahrt auf. Mittelzuflüsse in defensive Konsumwerte erreichen laut Bank of America den höchsten Stand seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2008. Anleger suchen Stabilität, nicht Wachstum.

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