Commerzbank: Orcel meldet sich zurück – Übernahme weiter auf dem Tisch

Commerzbank: Orcel meldet sich zurück – Übernahme weiter auf dem Tisch
Foto: Bloomberg/Getty Images
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Michael Herrmann Heute, 15:17 Michael Herrmann

Zuletzt war es ruhiger geworden um Andrea Orcel und seine Pläne, die Commerzbank zu übernehmen. Doch eine Woche vor der Vorlage der Commerzbank-Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 meldet sich der UniCredit-Chef nun zu dem Thema zurück. Orcel glaubt weiter an eine erfolgreiche Übernahme des Frankfurter Bankhauses.

Im Podcast In Good Company bezeichnete Orcel den Einstieg bei der zweitgrößten deutschen Privatbank als vollen Erfolg. Die Beteiligung bringe UniCredit jährlich rund 800 Millionen Euro nach Steuern ein – mit weiterem Aufwärtspotenzial, sofern die Commerzbank ihre Wachstumsstrategie konsequent umsetze.

Zugleich machte Orcel klar, dass er weiterhin an eine Übernahme glaubt. „Vielleicht ergibt sich in unbestimmter Zeit die Möglichkeit, die Beteiligung in eine Kombination umzuwandeln“, sagte er im Gespräch mit Podcast-Host Nicolai Tangen, der zugleich CEO der Norges Bank Investment Management ist, die den norwegischen Staatsfonds verwaltet.

Ein Zusammenschluss von UniCredit und Commerzbank würde laut Orcel eine „wirklich paneuropäische Bank“ schaffen. UniCredit wäre dann östlich von Turin flächendeckend präsent und würde in Deutschland, Italien, Österreich sowie Mittel- und Osteuropa zu den führenden Instituten zählen.

Der Einstieg mit zunächst fünf Prozent der Commerzbank-Anteile im September 2024 habe „perfekt zur Strategie“ gepasst, so Orcel. Neben Deutschland spiele insbesondere Polen eine zentrale Rolle. Die Commerzbank ist dort über ihre Tochter mBank stark positioniert.

Auch auf Kundenseite sieht Orcel große Überschneidungen: Kleine und mittlere Unternehmen sowie wohlhabende Privatkunden seien das Kerngeschäft von UniCredit in ganz Europa. Zudem habe man damals den Eindruck gehabt, „die implizite Unterstützung der Regierung und der damaligen Commerzbank-Führung“ zu besitzen.

Als sich Widerstand gegen die Übernahmepläne abzeichnete, habe UniCredit drei Optionen gehabt: den Plan aufzugeben, die Beteiligung unverändert zu halten – oder den Anteil weiter zu erhöhen. Letzteres wählte die Bank.

Aktuell hält UniCredit knapp 30 Prozent der Commerzbank-Aktien, direkt oder über Derivate, und ist damit größter Aktionär. Ab 30 Prozent wäre ein Pflichtübernahmeangebot fällig.

Die damalige Ablehnung erklärt Orcel mit der Uneinigkeit innerhalb der Ampelkoalition. Während ein Teil der Regierung marktoffen gewesen sei, habe ein anderer Teil deutlich gebremst.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Dass Andrea Orcel die Commerzbank-Übernahme weiter anstrebt, kommt nicht überraschend. Der Aktie können die Aussagen daher keine neuen Impulse verleihen. Bei den am kommenden Mittwoch (11. Februar) anstehenden Zahlen könnte das schon anders aussehen. Im Vorfeld halten Anleger die Füße still und an der Commerzbank-Aktie fest.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.

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