Der deutsche Aktienmarkt steht weiter unter Druck. Grund für die erneuten Kursverluste sind weiterhin die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten. Der DAX rutschte tief in die roten Zahlen und schloss mit einem heftigen Minus von 2,82 Prozent bei 22.839 Punkte. Damit ist nicht nur die psychologisch wichtige 23.000er-Marke gefallen – der Leitindex markierte zeitweise ein 52-Wochen-Tief.
Der Hauptbelastungsfaktor bleibt der hohe Ölpreis. Die Nordsee-Sorte Brent schoss zeitweise über die Marke von 119 Dollar. Auslöser war die Nachricht über israelische Angriffe auf das iranische Gasfeld „South Pars“. Marktanalyst Jochen Stanzl trifft den Nagel auf den Kopf: Jeder Angriff auf kritische Energieinfrastruktur zerstört die Hoffnung auf eine schnelle Normalisierung.
Die Folge: Die Inflationsangst ist zurück, und die EZB warnt bereits vor massiven Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum. Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar hat der DAX nun fast zehn Prozent an Wert eingebüßt.
Immobilien unter Druck: Vonovia stürzt ab
Besonders hart traf es heute Vonovia. Trotz eigentlich solider operativer Zahlen und gestiegener Mieteinnahmen sackte die Aktie um 12,1 Prozent weg. Das Problem: Die Kombination aus hoher Inflation und steigenden Anleiherenditen ist pures Gift für die hochverschuldete Immobilienbranche. Solange die Zinswende nicht nachhaltig eingepreist ist, bleibt der Sektor ein unter Druck.
Lanxess und Salzgitter: Zykliker im freien Fall
Noch schlimmer erwischte es die Chemie- und Stahlwerte. Lanxess brach um 11,5 Prozent ein, nachdem die Ziele für 2026 die Erwartungen der Analysten massiv verfehlten. Ein schwacher Cashflow und die hohe Verschuldung drücken auf die Stimmung. Auch Salzgitter (minus 12,6 Prozent) wurde am Ende des SDAX brutal durchgereicht – die hohen Energiekosten fressen hier die Margen auf.
Lichtblick im Tech-Sektor: Ionos mit dem Befreiungsschlag
Trotzdem gab es auch einige Gewinner in einem insgesamt tiefroten Markt. Die United-Internet-Tochter Ionos lieferte „beruhigende Quartalszahlen“ (Goldman Sachs) und glänzte mit einem starken Neukundenwachstum. Die Belohnung: Ein Kurssprung von satten 11,0 Prozent im MDAX. Auch die Mutter United Internet (+2,8 Prozent) und 1&1 (+2,7 Prozent) konnten sich dem Abwärtssog entziehen. Hier zeigt sich: Qualität und krisenresistente Geschäftsmodelle werden in diesem Umfeld gesucht.
Auch der Kalidüngerhersteller K+S stand unter Beschuss: Berichte über eine mögliche Aufhebung der Kali-Sanktionen gegen Belarus durch die USA ließ den Aktienkurs um sechs Prozent nach unten.
Der Iran-Krieg belastet weiterhin die Kursentwicklung an den Märkten. Dennoch sollten Anleger nicht vorschnell aufgeben: Langfristig hat die Börse bislang jede Krise überstanden.
Heute, 19:15