Die Wall Street erhält von einer Generation, die glaubt, nichts mehr zu verlieren, einen Neuanstrich. Da Immobilien für junge Menschen faktisch unbezahlbar geworden sind, wird der Finanzmarkt für sie zum Casino. Was Experten als riskant einstufen, bezeichnet beispielsweise CoinFund-Manager David Pakman als „ökonomischen Nihilismus“. Es ist die Flucht in 100-Billionen-Dollar-Märkte aus Derivaten und Memecoins, getrieben von der Erkenntnis, dass sich ehrliches Sparen für die Gen Z schlicht nicht mehr auszahlt.
Der Kern des Problems liegt im Immobilienmarkt. Während die Generation der Boomer und die Generation X ein Haus noch für das 4,5-fache ihres Jahresgehalts kaufen konnten, müssen junge Erwachsene heute das 7,5-fache auf den Tisch legen. Der Grund: Die Preise sind den Löhnen schlichtweg davongelaufen. In der Folge besitzen nur noch 13 Prozent der 25-Jährigen Wohneigentum. Wenn die traditionelle Säule des Vermögensaufbaus wegbricht, suchen sich die Menschen Alternativen. Mehr als die Hälfte der jungen Investoren hält laut Pakman bereits Kryptowährungen.
Die Flucht in hochriskante Derivate, Memecoins und gehebelte Wetten ist für Pakman kein Zeichen von Unwissenheit. Es ist eine Strategie. Wenn der langsame Aufbau von Wohlstand durch Arbeit und Sparen faktisch unmöglich geworden ist, wird die kleine Chance auf den großen Gewinn attraktiver als die Sicherheit eines langsamen Abstiegs. Während die Eltern in Bausparverträge investierten, nutzt die Gen Z Produkte wie „Perpetual Futures“ oder Wetten auf Ereignisse. Dass dies hochgradig spekulativ ist, nehmen sie bewusst in Kauf.
Ein Markt im Billionen-Rausch
Die Dimensionen dieses Wandels sind gewaltig. Im vergangenen Jahr erreichten Krypto-Terminkontrakte ohne Ablaufdatum (Perpetual Futures) ein Handelsvolumen von 100 Billionen Dollar. Auch sogenannte Prognosemärkte verzeichneten ein explosives Wachstum. Innerhalb von nur drei Jahren kletterte das Volumen dort von 100 Millionen auf 44 Milliarden Dollar. Ein Großteil dieser Wetten entfällt auf den Sportbereich. Das zeigt deutlich: Die Grenze zwischen Finanzmarkt und Sportwette verschwimmt zusehends, da die junge Generation das Risiko dort sucht, wo sie noch eine Chance auf Rendite sieht.
Transparenz als neues Gebot
Für die Krypto-Branche bedeutet dieser Trend eine große Verantwortung. Pakman fordert die Entwickler auf, Werkzeuge zu schaffen, die fairer und transparenter sind. Es brauche Plattformen mit niedrigen Gebühren und klarer Offenlegung von Risiken. Nur so könne der „finanzielle Nihilismus“ in geregelte Bahnen gelenkt werden. Ziel müsse es sein, das Risiko für die Anleger berechenbarer zu machen, auch wenn die Volatilität der Kern des Geschäfts bleibt.
So dystopisch es klingen mag: Wenn der normale Weg zum Wohlstand versperrt ist, wird das Casino für Einige oft zur einzigen Hoffnung. Dies ist wiederum langfristig natürlich positiv für Kryptowährungen wie Bitcoin.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Heute, 09:50