31.05.2019 Nikolas Kessler

Wirecard: Hier droht neuer Ärger

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Wirecard
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Kaum schienen die Bilanz-Vorwürfe der Financial Times gegen Wirecard in Singapur ausgestanden, schon droht dem Zahlungsabwickler neuer Ärger. Laut einem Medienbericht soll das Unternehmen an betrügerischen Trading-Websites mitverdient haben. Mehrere Staatsanwaltschaften hätten demnach bereits Ermittlungen eingeleitet.

Die Betreiber hinter betrügerischen Online-Trading-Websites wie „Option888“ haben von über 100.000 Anlegern in ganz Europa mindestens 100 Millionen Euro pro Jahr erbeutet. Im Zuge der Ermittlungen gegen die Cyberkriminellen rücken nun auch deren Zahlungsabwickler ins Visier der Behörden. Laut Handelsblatt-Recherchen taucht dabei der Name Wirecard gehäuft in den Ermittlungsakten auf.

Den kompletten Handelsblatt-Artikel finden Sie hier.

Der Vorwurf: Banken und Finanzdienstleister wie Wirecard sollen bei fragwürdigen Transaktionen aktiv weggeschaut oder zumindest nicht mit ausreichender Sorgfalt geprüft und damit das kriminelle System am Laufen gehalten haben. Gegenüber dem Handelsblatt hätten „mehrere Staatsanwaltschaften die Rolle des Zahlungsabwicklers für betrügerische Trading-Seiten“ bestätigt.

Im Fokus der Ermittler

„Es gibt ein Problem mit Zahlungsdienstleistern. Bei ihnen verquickt sich Legales mit Illegalem“, zitiert das Blatt etwa einen österreichischen Staatsanwalt. Die zentrale Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft in Wien ermittle „wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs und Geldwäscherei“ gegen rund zehn Beschuldigte. Wirecard sei jedoch nicht darunter.

Im Rahmen der Ermittlungen hierzulande habe man mehrere Zahlungsdienstleister aufgefordert, Kontoverkehre offenzulegen, so die Victoria Hänel von der Staatsanwaltschaft Saarbrücken. „Darunter auch die Wirecard Bank“.

Das sagt Wirecard zu den Vorwürfen

Wirecard widerspricht den Vorwürfen: Man führe ausschließlich Geschäftsbeziehungen, „die alle regulatorischen Vorschriften erfüllen.“ Jeder Kunde werde einer Risikoprüfung nach dem Geldwäschegesetz (GwG) unterzogen und anschließend fortlaufen überwacht. Zu konkreten Geschäftsbeziehungen mache man wegen des Bankgeheimnisses keine näheren Angaben, so Wirecard gegenüber dem Handelsblatt.

Aktie erneut unter Druck

Für die Wirecard-Aktie kommen die Vorwürfe zur Unzeit: Zu Wochenbeginn war sie drauf und dran, die Kursverluste durch die FT-Attacken vom Jahresanfang vollständig auszugleichen. Zwischenzeitliche Gewinnmitnahmen haben den Kurs am Mittwoch jedoch zurückgeworfen (DER AKTIONÄR berichtete). Nun droht ein weiterer Rückschlag – im vorbörslichen Handel verliert die Aktie am Freitagmorgen erneut rund 4,5 Prozent.

Angesichts der positiven operativen Aussichten hält DER AKTIONÄR jedoch an seiner Empfehlung fest. Der Stoppkurs für die Wirecard-Aktie wurde in der aktuellen Ausgabe (22/2019) auf 110 Euro angehoben.