06.05.2020 Nikolas Kessler

Wirecard: Großaktionär fordert Konsequenzen

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Wirecard

Es sollte der große Befreiungsschlag werden, doch stattdessen hat sich die Veröffentlichung des KPMG-Berichts zur Bilanz-Sonderprüfung zum Desaster für die Wirecard-Aktie entwickelt. Jetzt übt auch Großaktionär Union Investment öffentlich Kritik – und wählt dabei einen durchaus beachtlichen Weg.

Andreas Mark, Fondsmanager bei Union Investment, hat das Management von Wirecard aufgefordert, die „Schönfärberei“ der Probleme zu beenden. „Die Zeit für Ausflüchte ist vorbei“, sagte er gegenüber der Financial Times (FT). „Das Unternehmen hat zu lange versucht, Probleme zu beschönigen. Jetzt sind Taten wichtiger als Worte.“

Ideen, wie diese Taten aussehen könnten, liefert er gleich mit: Das Unternehmen brauche nun eine „organisatorische und personelle Erneuerung“. Aufsichtsratschef Thomas Eichelmann und sein Gremium müssten nun „unbefangene, externe Manager“ in den Vorstand berufen. Ob er dabei auch einen Wechsel an der Spitze des Vorstands im Sinn hat, geht aus dem Artikel nicht explizit hervor.

Den FT-Artikel im englischsprachigen Original finden Sie hier (Paywall).

In der Vorwoche hatte es aber bereits eine öffentliche Rücktrittsforderung gegen CEO Markus Braun von Shortseller Christopher Hohn gegeben (DER AKTIONÄR berichtete). Im Gegensatz zu Hohn und seinem TCI Fonds hat Union Investment aber kein Interesse an größtmöglicher Unsicherheit bei Wirecard – im Gegenteil: Die Fondsgesellschaft kontrolliert rund 4,1 Prozent der Stimmrechte und zählt damit zu den zehn größten Anteilseignern des DAX-Konzerns.

Noch beachtlicher als die öffentliche Kritik an Wirecard-Management ist vor diesem Hintergrund die Tatsache, dass Mark sie ausgerechnet gegenüber der Financial Times äußert. Autoren des Blattes hatte die Zweifel an der Bilanzierung des DAX-Konzerns mit einer Serie von Negativartikeln vor über einem Jahr losgetreten und sehen sich seitdem mit dem Vorwurf konfrontiert, mit Shortsellern unter einer Decke zu stecken. 

Wirecard (WKN: 747206)

Aktie weiter unter Druck

Der KPMG-Bericht hat aus Sicht von Anlegern und Analysten nicht die erhoffte Entlastung gebracht und stattdessen neue Fragen aufgeworfen. Die Aktie ist daraufhin eingebrochen und konnte sich seitdem noch nicht erholen. Mit einem Minus von über drei Prozent rutscht sie am Mittwochnachmittag sogar wieder unter die Marke von 85 Euro. Derzeit sollten allenfalls Trader auf eine technische Gegenbewegung wetten.

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