An der Börse wandert traditionell das Geld von schwachen Händen in starke. Von den hektischen Anlegern zu den hartgesottenen. Von denen in Panik zu denen mit Nerven. Sehen wir aktuell eine solche Situation? Meine Gedanken dazu.
Es ist Krieg. Am Golf. Im Iran. In Israel. Es sagt viel über unsere Zeit aus, dass diese Nachricht per se niemanden hinter dem Ofen hervorlocken würde. Die US-Streitkräfte marschierten seit Wochen massiv vor dem Iran auf. Präsident Donald Trump drohte öffentlich, unmissverständlich, wiederholt. Auch das konnte niemanden erschrecken. Auch Anleger nicht. Ob man solche Szenarien schon gewohnt war oder das Ganze für Verhandlungsdonner hielt, egal. In jedem Fall blieben die Börsen ruhig. Viel größere Sorgen machte den Investoren die Kernschmelze bei Softwareaktien und Co. Disruptions-Monster KI ließ grüßen.
Und jetzt das: so ähnlich – und doch so anders.
Es ist Krieg. Am Golf. Im Iran. In Israel. In Dubai. In Katar. In der Nähe deutscher Touristen. Man realisiert, dass die glitzernde Influencer-Metropole am Persischen Golf nur durch ein paar wenige Kilometer Wasser vom Regime in Teheran getrennt ist. Dass man Menschen kennt, die an Bord eines Kreuzfahrtschiffes, in der Wartehalle des Flughafens oder im Hotel festsitzen. Die nach Hause wollen. Aber auf einmal nicht mehr können. Auf einmal ist dieser Krieg ganz nah. Dementsprechend auch medial präsent. Wenn das ikonische Burj Al Arab beschossen wird, wenn es eine Explosion auf der Palmeninsel gibt, wenn eine US-Botschaft brennt – das sind Bilder, die ungewohnt sind und die Angst machen.
So weit das persönliche Empfinden. Dann die Wirtschaft. Weltweit nach wie vor abhängig vom Erdöl. Dieses muss durch die Straße von Hormus. Eine schmale Meerenge zwischen der arabischen Halbinsel und dem Kontinent Asien. An der engsten Stelle gerade einmal 38 Kilometer breit. Ein Katzensprung. Für moderne Waffen keine relevante Distanz. Aktuell mehr oder weniger blockiert. Der Ölpreis ist schon nach oben geschossen. Dauert die Blockade länger, dann rechnen Experten mit Preisen über 100 Dollar. Was dann geschieht, ist allen Beteiligten klar: Inflation, Wirtschaftskrise, Zinsanhebungen, Rezession. Keine einzige dieser Vokabeln hört die Börse gern. Dementsprechend reagiert sie aktuell.
Doch bleiben wir sachlich. Gemessen am negativen Potenzial, das die Geschehnisse im Nahen Osten eigentlich hätten, reagiert die Börse derzeit vollkommen rational. Anleger sind aus Luftfahrt, Tourismus und Chemie ausgestiegen und haben sich Öl, Rüstung und sichere Häfen wie Gold näher betrachtet. Börse handelt Zukunft. Börse hasst Unsicherheit und liebt Tatsachen. Der Krieg jetzt ist eine Tatsache. Dauer und Auswirkung sind noch unsicher. Die aktuellen Kurse bedeuten für mich, dass der Markt mit einem zügigen Ende des Konflikts rechnet und kein Worst-Case-Szenario einpreist. Davon gehe ich auch aus.
Wenn wir unterstellen, dass Geschichte sich zwar nicht wiederholt, aber sich ähnelt, dann sagt uns die Vergangenheit, dass Zeitpunkte wie der aktuelle schon oft Gelegenheiten für Mutige boten. Wie mein Freund André Kostolany sagte: „Kaufe, wenn die Kanonen donnern!“ Börse handelt Zukunft. Hellsehen kann sie aber auch nicht. Daher gibt es auf die Frage „Und wenn es doch schlimmer wird?“ keine sichere Antwort. Aber es gibt Erfahrungswerte. Ich habe in den letzten 40 Jahren diverse Kriege, Krisen und Konflikte als Anleger miterlebt. Mein Rat daraus für die Mutigen: Steigen Sie jetzt mit einem Drittel Ihres Budgets ein und warten Sie ab. Für die Vorsichtigen: Halten Sie einfach Ihre aktuellen Positionen und verkaufen Sie nicht. Ich glaube, die Börse wird schneller wieder zur Ruhe kommen, als die meisten denken.
05.03.2026, 08:22