BYD will mitmischen. Der chinesische E-Auto-Gigant klopft offiziell an die Tür der European Automobile Manufacturers’ Association (ACEA). Es wäre ein historischer Schritt. Erstmals will ein Autobauer aus Fernost direkten Einfluss auf die Gesetzgebung in Brüssel nehmen – genau dort, wo erst kürzlich die Zölle gegen seine eigenen Fahrzeuge zementiert wurden.
Bisher ist die ACEA ein exklusiver Kreis. 17 Mitglieder zählt der Verband aktuell, darunter Schwergewichte wie Volkswagen, BMW und Stellantis. Zwar sind mit Ford und Honda auch Nicht-Europäer vertreten, doch ein chinesisches Unternehmen fehlte bislang auf der Mitgliederliste. BYD hat den Antrag auf Aufnahme bereits eingereicht, wie ein Sprecher des Verbands bestätigte. Eine finale Entscheidung steht noch aus. Der Grund für die Brisanz: Die Interessenlage in der Branche ist extrem gespannt. Während die EU versucht, den Markt mit Strafzöllen von bis zu 35,3 Prozent gegen subventionierte Importe abzuschirmen, will BYD diese Regeln künftig von innen heraus mitgestalten.
Expansion trotz Handelsbarrieren
Im Heimatmarkt China dominiert BYD derzeit den Sektor, während europäische Hersteller dort massiv unter Druck geraten. In Europa zeigt sich der Konzern von den neuen Zollhürden unbeeindruckt. Modelle wie der kompakte Dolphin gewinnen an Sichtbarkeit. Auch die Strategie hinter den Kulissen ist klar definiert. Mit dem Bau eines eigenen Werks in Ungarn transformiert sich BYD vom reinen Importeur zum lokalen Produzenten. Entsprechend logisch folgt nun der politische Vorstoß. Wer Milliarden in europäische Standorte investiert, will bei den Abgasnormen und Industriestandards der Zukunft kein bloßer Zuschauer sein.
Konkurrenz unter einem Dach
Die Reaktion der etablierten Hersteller dürfte wenig begeistert ausfallen. Auch wenn die ACEA offiziell die gesamte Industrie vertritt, diente sie bisher vor allem als Schutzschild für europäische Interessen. Ein Beitritt von BYD würde diese Einigkeit untergraben. Während VW und Stellantis mit hohen Fixkosten und schwächelnder Nachfrage kämpfen, bringt BYD eine hocheffiziente Lieferkette und enorme Cash-Reserven mit.
Der Vorstoß von BYD ist ein kalkulierter Schachzug im globalen Handelskrieg. Für die europäischen Hersteller ist die Aussicht auf den neuen Nachbarn am Verhandlungstisch ein Albtraum. Sie drohen, die Kontrolle über ihr wichtigstes Sprachrohr an den gefährlichsten Rivalen zu verlieren. BYD ist derzeit keine laufende Empfehlung des AKTIONÄR. Ebenso steht aktuell keiner der europäischen Autobauer auf der Empfehlungsliste.
Heute, 17:56