Mutares: „Die Gelegenheiten für Investitionen bieten sich jetzt“

Mutares: „Die Gelegenheiten für Investitionen bieten sich jetzt“
Foto: Börse Frankfurt
Mutares SE & Co. KGaA -%
Jochen Kauper Heute, 14:26 Jochen Kauper

Mit frischem Kapital, wachsender US-Präsenz und einer gut gefüllten Deal-Pipeline richtet sich der SDAX-Konzern Mutares auf die nächste Wertschöpfungsphase aus. Mutares-CIO Johannes Laumann erläutert im Interview mit DER AKTIONÄR, warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um frisches Kapital einzuwerben und warum der US-Markt für die Münchner Private-Equity-Holding von besonderer Bedeutung ist.


DER AKTIONÄR: Herr Laumann, der Zeitpunkt für eine Kapitalmaßnahme erscheint mit Nahost-Krise und Druck auf die weltweiten Aktienmärkte nicht optimal. Warum schreckt Sie das aktuelle Umfeld nicht ab? Was ist aus Investorensicht die zentrale Logik hinter der laufenden Kapitalerhöhung?

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Mutares-CIO Johannes Laumann

Johannes Laumann: Hierfür gibt es zwei Gründe: Erstens in einem Umfeld wie dem jetzigen gibt es kaum bessere Werte als Mutares, um zu investieren. Unsicherheit und Krisen befeuern unsere Pipeline – davon werden wir profitieren. Und zweitens geht es für uns um Renditeoptimierung durch Timing. Wir sehen aktuell durch unsere Expansion in die USA ein Umfeld mit attraktiven Einstiegschancen bei gleichzeitig guten Exit-Perspektiven in den kommenden Jahren. Indem wir jetzt die auf dem Tisch legenden Gelegenheiten nutzen und investieren, legen wir die Basis für zukünftige Wertrealisierungen. Die Kapitalerhöhung erhöht also direkt unser zukünftiges Ertragspotenzial.

Es geht also im Wesentlichen um Geschwindigkeit?

Johannes Laumann: Ja, mit mehr Kapital im Rücken können wir über unsere umfangreiche US-Pipeline attraktive Transaktionen zügig umsetzen und schneller skalieren und müssen nicht erst auf größere Exiterlöse wie zum Beispiel durch NEM, Efacec oder Magirus warten. Das führt perspektivisch zu einem stärkeren Ergebnishebel – sowohl operativ als auch bei Exits. Die Gelegenheiten für Investitionen bieten sich jetzt – wenn wir darauf warten bis die USA oder der Iran sich einigen, verpassen wir lukrative Chancen. Das entspricht nicht unserer DNA.

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Quelle: mutares.com
Auszug aus dem Beteiligungsportfolio von Mutares

Wie konkret ist die Pipeline in den USA und wann wird sie ergebniswirksam?

Johannes Laumann: Die Pipeline ist sehr konkret und umfasst eine Vielzahl an Projekten in fortgeschrittenen Stadien. Das kumulierte Umsatzvolumen unserer Hotlist liegt bei etwa 4,8 Milliarden Euro. Erste Effekte sehen Sie bereits kurzfristig mit den jüngsten Zukäufen von Magna. Der größere Ergebnisbeitrag entsteht dann typischerweise über die kommenden zwei bis vier Jahre durch operative Verbesserungen und Exits.


Wofür werden die frischen Mittel vor allem verwendet – Kaufpreiszahlungen, Working Capital in potenziellen US-Targets oder auch eine teilweise Rückzahlung der Anleihe? Wie ist hier die Verteilung?

Johannes Laumann: Der ganz wesentliche Teil ist für die Expansion in den USA verplant. Hier geht es zum einen um die räumliche Expansion mit weiteren Büros, wie zum Beispiel in Texas, Florida oder auch New York, aber auch, um den markttypischen Gegebenheiten gerecht zu werden. So ist es in den USA üblich, dass man selbst für schlechtlaufende Firmen einen Kaufpreis bezahlt, sofern im Übermaß Eigenkapital vorhanden ist. Wir bleiben uns hier dennoch treu und werden ausschließlich Transaktionen mit hohem Badwill, bei denen der Kaufpreis signifikant unter dem erworbenen Eigenkapital liegt, tätigen – aber man muss eben ein paar Euro Eigenkapital bei jedem Kauf mitbringen.

Mutares (WKN: A2NB65)

Können Sie etwas genauer aufschlüsseln, welche Größenordnung die anvisierten US-Targets haben und aus welchen Branchen diese kommen?

Mutares, Laumann
Mutares-CIO Johannes Laumann

Johannes Laumann: Wir reden hier über Targets aus den Branchen Energie, Chemie, verarbeitendes Gewerbe, Infrastruktur und Automobil mit Fokus auf kommerzielle Fahrzeuge und Lkws. Aktuell schauen wir uns in den USA rund 15 Targets im Detail an, die jeweils eine Größenordnung zwischen 100 Millionen Euro und 1,5 Milliarden Euro Umsatz aufweisen. 

Wie würden Sie das Wettbewerbsumfeld für Mutares im Rennen um attraktive Assets in den USA bezeichnen?

Johannes Laumann: Das kann ich noch nicht abschließend beurteilen, da wir ja erst seit 15 Monaten im Markt aktiv sind. Aber was ich bereits jetzt sagen kann: Der Markt ist riesig und hat nicht auf uns gewartet. Dennoch konnten wir bereits erste Duftmarken setzen und ich bin überzeugt, dass wir künftig dort bei Corporate-Carve-outs von defizitären Firmen eine wichtige Rolle spielen werden.

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Quelle: mutares.com

Welche Rolle spielen dabei große Plattformtransaktionen wie zuletzt SABIC?

Johannes Laumann: Derartige Transaktionen sind zentrale Werttreiber. Sie schaffen Skaleneffekte und erhöhen unsere Visibilität – gerade auch in den USA, wo das ETP-Geschäft von SABIC den Großteil der Erlöse erzielt. Solche Deals spiegeln unser Standing im Markt wider und eröffnen zusätzliche Opportunitäten; ein wie ich gerne sage „Rockstar-Event“.


Die Vorabplatzierung der Kapitalerhöhung war deutlich überzeichnet. Wie interpretieren Sie das Signal des Kapitalmarkts?

Johannes Laumann: Das zeigt, dass Investoren unser Modell nicht nur verstehen und Vertrauen in unsere Fähigkeit haben, Kapital effizient zu allokieren, sondern auch das Verständnis, dass wir als Mutares ein Profiteur der aktuellen Situation sind. Besonders relevant ist die starke internationale Nachfrage, sie unterstreicht unsere zunehmende Positionierung als globaler Investor.

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Quelle: mutares.com


Ein häufiger Kritikpunkt ist die Dividendenpolitik von Mutares: Einerseits hohe Mindestdividenden ausschütten, zumal ein Viertel davon an den Großaktionär fließt, und andererseits frisches Kapital aufnehmen. Warum halten Sie dennoch daran fest?

Johannes Laumann: Weil die Dividende ein wichtiger Teil unseres Investment Cases ist. Wir bieten Investoren eine Kombination aus einer attraktiven laufenden Rendite und langfristigem Wertwachstum. Wichtig ist: Unsere Dividende erwirtschaften wir im operativen Geschäft, sie basiert auf realisierten Gewinnen und operativen Cashflows, nicht auf Substanzverzehr. Parallel investieren wir gezielt in neue Werttreiber, dafür nutzen wir den Kapitalmarkt, ansonsten würde eine Börsennotiz wenig Sinn ergeben. Und wie schon angesprochen, die Gelegenheiten bieten sich jetzt, nicht irgendwann.


Sind weitere Finanzierungsaktivitäten in diesem Jahr geplant, etwa eine Aufstockung der 2029er-Anleihe?

Johannes Laumann: Wir schauen uns den Kapitalmarkt genau an und halten uns diverse Optionen offen. So haben wir ja auch bereits angekündigt, dass wir einen Teil der 2027er-Anleihe frühzeitig zurückführen möchten. Und es wäre eine logische Option, den verbleibenden Rest der 2027er-Anleihe in die 2029er-Anleihe zu rollen. Wir sind dazu in Gesprächen, aber auch für alles andere offen.


Wo sehen Sie aktuell die größten Werthebel im Portfolio?

Johannes Laumann: In den Bereichen Energy, Defense und Infrastruktur. Hier treffen strukturelle Wachstumstrends auf unsere operative Expertise. Steigende Auftragseingänge und verbesserte Margen führen dazu, dass sich der Wert dieser Beteiligungen deutlich erhöht – und damit auch unser Exit-Potenzial. Im Harvesting profitieren wir bei den eingeleiteten Verkaufsprozessen von einem attraktiven Marktumfeld und einer gesunden Nachfrage in diesen Bereichen.


Wie kommen Sie exitseitig voran?

Johannes Laumann: Wir haben eine breite Exit-Pipeline, konkret sind wir bei einem vergleichsweise großen Asset frisch in die finale Phase mit einem Käufer eingetreten. Hier geht es um Erlöse im dreistelligen Millionenbereich. Einige Namen wie NEM, Efacec, Magirus oder Donges kursieren bereits in einschlägigen M&A-Outlets, dazu möchte ich aktuell aber keinen Kommentar abgeben. Lassen Sie es mich so sagen: Wir sind mit den Verkäufen von Kalzip, inTime und Conexus bereits gut ins Jahr gestartet und die Exit-Aktivitäten in den nächsten Monaten werden zeigen, welche Power unser Geschäftsmodell hat.

Mutares (WKN: A2NB65)

Der durch die aktuell laufende Kapitalerhöhung ausgelöste Kursrückgang eröffnet spekulativen Anlegern eine interessante Einstiegsmöglichkeit bei Mutares. Wird die Platzierung ein Erfolg und bleibt der Exit-Newsflow positiv, dürfte die Aktie auf Sicht die 30-Euro-Marke wieder ins Visier nehmen. Unterstützend wirkt die Mindestdividende von 2,00 Euro. Ein Stopp bei 19 Euro sichert die Position ab.

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