21.01.2019 Jochen Kauper

Macht die US-Wirtschaft eine Vollbremsung?

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Die FED und der damit zusammenhängende schwächere US-Dollar könnten dem US-Aktienmarkt Erholungspotential bringen. Doch damit wäre die Delle in der globalen Konjunktur nicht sofort ausgebeult, womit das zuletzt starke Wachstum in den USA ebenfalls eine Vollbremsung hinlegen könnte. "Mehrere US-Konjunkturdaten deuten derzeit darauf hin, dass es in den USA so langsam in eine Delle übergeht. Auf diese Daten scheint die US-Notenbank nun mit einer dovishen Haltung zu reagieren. Noch kurz vor Weihnachten leistete sich der FED Präsident, Jerome Powell, entweder einen Kommunikations-Fauxpas oder wollte zum Ausdruck bringen, dass man dem Aktienmarkt, anders als seine Vorgänger, mehr Luft zum Ausatmen gewähren würde, um eine harsche aber notwendige Anpassung der Bewertungen herbeizuführen", sagt David Iusow von IG Markets.

Nachdem der Aktienmarkt eingebrochen war, schien man sich jedoch wieder auf die Stützung zu besinnen. "Zum einen ließ man Marktteilnehmer wissen, dass es weniger Zinsschritte in 2019 geben wird, als noch im letzten Statement prognostiziert. Dort waren es nämlich, im Median, drei Zinsschritte. Im Zuge mehrerer folgender Reden waren es nicht mal mehr zwei. Im Rahmen der letzten Rede, die am Donnerstag stattfand, positionierte sich Jerome Powell nochmals dovisher. Man würde aufgrund der aktuellen Daten abwarten wollen und sehe keine Eile für weitere Zinsschritte", sagt Iusow.

US-Dollar muss schwach bleiben

Infolge der dovishen FED und den Erwartungen des Marktes an weniger oder sogar keine Zinsschritte mehr in diesem Jahr, war der US-Dollar bereits zuvor eingebrochen und bleibt auch aktuell im Abwärtstrend. "Dies dürfte einen positiven Effekt auf die Erwartungen der Unternehmensgewinne haben sowie das BIP-Wachstum generell. Die Handelsbilanzdaten zeigten, dass die USA zuletzt deutlich weniger exportierten. Unter anderem auch in die wichtigsten Exportländer Kanada, Mexiko und China. Per drittes Quartal zehrte das Handelsbilanzdefizit zirka 0,2 % vom gesamten BIP-Wachstum des Landes. Die jüngsten Prognoserevisionen von Unternehmen wie Apple, deuten darauf hin, dass sich dieser negative Trend auch im vierten Quartal fortgesetzt hat", so Iusow.

Da der US-Dollar im Jahr 2017 eingebrochen war und sich in 2018 von einer recht tiefen Basis erholte, schlugen die Auswirkungen eines steigenden US-Dollars im vergangenen Jahr kaum ins Gewicht. Im Jahr 2019 würde ein steigender Greenback hingegen deutlich negativere Auswirkungen auf die Ergebnisse von international agierenden US Unternehmen haben. Es ist daher für dieses Jahr wichtig, dass der US-Dollar zur Schwäche neigt. "Ob allerdings ein schwächerer US-Dollar ausreichen wird, um die Erwartungen, zumindest für die ersten beiden Quartale des Jahres, zu übertreffen, ist fraglich. Sollte die Konjunktur in den übrigen wichtigen Ländern weiterhin die globale Konjunktur belasten, dann werden sich dem auch die USA mittels einem schwächeren US-Dollar nicht gänzlich entziehen können. Die aktuelle fundamentale Lage spricht nicht gerade dafür, dass es für US Aktien, oder Aktien generell, in den nächsten Quartalen mit starker Dynamik auf neue Hochs gehen wird", sagt Iusow.

Aktuelle Erwartungen an die Unternehmensgewinne

Die Erwartungen an das vierte Quartal scheinen aus langfristiger Sicht robust zu sein. Gemäß FactSet könnte ein Gewinnwachstum der im S&P 500 Index notierten Unternehmen von über 15 % erreicht werden. Damit wäre es das erste Mal seit dem dritten Quartal 2017, dass das Wachstum unter 20 % liegen würde. "Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass positive Steuereffekte das Wachstum in den vorhergehenden Quartalen stark beeinflussten, wäre ein Wachstum von über 15 % eigentlich solide. Dennoch, während des vierten Quartals wurde die aggregierte, durchschnittliche EPS (Earnings per Share) Prognose für alle Unternehmen um 3,8 % auf 40,93 USD reduziert. Die Revision liegt damit über dem Fünf-Jahre-Durchschnitt. Die stärksten Revisionen gingen auf die Bau- Energie- und Versorgersektoren zurück. Inwiefern US- Aktienindizes in der Lage sein werden, die aktuelle Erholung fortzusetzen, wird womöglich davon abhängen, ob diese Erwartungen übertroffen werden oder eben nicht. Auch die Erwartungen an das erste Quartal 2019 werden teilweise daran geknüpft werden", lautet das Fazit von David Iusow von IG Markets.