01.07.2017 Jochen Kauper

Experte: "Nur Aktien bezwingen das Zins-Monster Inflation"

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DAX
Trendthema

Viele Sparer haben kaum eine Vorstellung davon, wie sehr die Inflation an ihrem Vermögen nagt. In Niedrigzins-Zeiten ist dies eine fatale Entwicklung. Hier gilt: Aktien und ein langer Atem schützen vor realem Geldverlust.

"Es ist ein Dilemma: Die Zinsen sind niedrig, werden von der Inflationsrate regelrecht aufgefressen – und die deutschen Sparer setzen weiterhin auf Produkte des Geldmarktes, die nur eine Mini-Rendite abwerfen. Noch immer gehört das Sparbuch zu den beliebtesten Anlageformen, gefolgt vom Tagesgeldkonto. Nimmt man die Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionskassen sowie Bargeldbestände hinzu, sind rund 80 Prozent des Ersparten in niedrig bis kaum verzinste Anlageformen investiert, wie Statistiken der Deutschen Bundesbank zeigen. Die Deutschen wirtschaften also einen Großteil ihres Vermögens ins Minus  – und das über Jahre!", sagt Lutz Neumann, Leiter der Vermögensberatung der Sutor Bank.

Warum keine Aktien?

Die Gründe für dieses Verlustgeschäft sind bekannt. "Berührungsängste gegenüber dem Aktienmarkt oder die Angst vor einem massiven Kursrückgang, wie wir ihn 2008 während der Finanzkrise erlebten. Noch immer ist die Verunsicherung groß und zu viele Sparer zögern, erstmals oder erneut in Aktien zu investieren. Was diese Auf-Nummer-Sicher-Strategie allerdings langfristig anrichten kann, zeigt eine Untersuchung der Sutor Bank. So macht ein Vergleich der Renditen von Spar-, Sicht- und Termineinlagen gegenüber dem Aktienmarkt (DAX) der vergangenen 30 Jahre – der auch die Inflation berücksichtigt – deutlich: Wer zu einem beliebigen Zeitpunkt ab Anfang 1987 am Geldmarkt anlegte und bis Ende Dezember 2016 investiert blieb, erlitt stets einen Verlust – auf 30 Jahre beispielsweise ein Minus von 0,2 Prozent pro Jahr. Zwar lagen die Renditen am Geldmarkt in einigen Jahren im Plus – zuletzt 2008 mit 2,2 Prozent –, doch auf lange Sicht machen sich Niedrigzinspolitik und Inflationsrate bei der Rendite negativ bemerkbar, sagt Neumann.

Schwankungen inklusive

Zugegeben, auch am Aktienmarkt gab es immer wieder Phasen mit hohen Kursverlusten. Die längste Phase dauerte von Anfang 2000 bis Ende 2015, mit einem jährlichen inflationsbereinigten Verlust von 0,2 Prozent. "Wer sein Geld allerdings nur ein Jahr vor dem Zusammenbruch des Neuen Marktes, also 1999, in den DAX investiert hatte, bewegte sich Ende 2006 schon wieder leicht im Plus. Auf lange Sicht erweisen sich Aktien als kontinuierlicher Ertragslieferant: Für 30 Jahre (Stichtag: 31.12.2016) lag die inflationsbereinigte Rendite des DAX pro Jahr bei 3,3 Prozent, für 20 Jahre bei 4,2 Prozent und für zehn Jahre bei 2,8 Prozent. Selbst die Banken- und Finanzkrise, die 2008 ihren Lauf nahm, konnte das Ergebnis nicht nachhaltig negativ beeinflussen", ergänzt der Marktexperte.

Brexit-Angst und „Trumponomics“

Das gleiche gilt für die aktuellen Krisenszenarien dieser Welt, die so manchen Anleger zu panischen Sofort-Verkäufen getrieben haben. "Brexit-Angst, „Trumponomics“, sinkende Wachstumsraten in China – den DAX irritiert das nicht: Deutlich über 1.000 Punkte legte er seit Beginn des Jahres zu. Auf dem Geldmarkt hat sich 2017 hingegen nichts Positives getan. Mit einer sinkenden Inflationsrate oder steigenden Zinsen ist in absehbarer Zeit nicht zu rechnen. Und es kann sogar noch schlimmer kommen: Eine Handvoll Banken gibt die Negativzinsen in Höhe von 0,4 Prozent, die sie für „geparkte“ Gelder bei der Europäischen Zentralbank (EZB) bezahlen müssen, bereits an ihre Kunden weiter. Bei einem solchen Strafzins und einer Inflationsrate von mehr als einem Prozent liegt eine positive Rendite am Geldmarkt damit in weiter Ferne. Eine Anlage auf dem Geldmarkt kann somit nur eine Übergangslösung sein, um Vermögen kurzzeitig zwischenzuparken. Langfristig führt an einem Investment in Aktien – zum Beispiel über Indexfonds – kein Weg vorbei", lautet das Fazit von Lutz Neumann.