Der KI-Boom bekommt den nächsten Dämpfer: Die südkoreanische Elice Group ist am Dienstag mit einem deutlichen Kursverlust an der Börse gestartet. Trotz einer enormen Nachfrage beim Börsengang brach die Aktie zeitweise um mehr als 30 Prozent ein. Der Fall zeigt, dass Anleger bei KI-Infrastruktur zunehmend genauer auf Bewertungen und Renditeaussichten schauen.
Elice hatte die Aktien zu jeweils 90.500 Won ausgegeben. Zum Handelsstart notierten sie mit 75.700 Won bereits deutlich darunter. Zuletzt kosteten die Papiere 65.300 Won – ein Minus von 27,8 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis. Das Unternehmen nahm mit dem Börsengang umgerechnet rund 150 Millionen Dollar ein.
Dabei hatte die Platzierung zunächst auf ein enormes Interesse der Anleger hingedeutet. Institutionelle Investoren fragten rund das 389-Fache der verfügbaren Aktien nach, bei Privatanlegern lag die Überzeichnung sogar beim 408-Fachen. Insgesamt flossen mehr als zehn Billionen Won an Zeichnungsgeldern.
KI-Infrastruktur wird zum Risiko
Elice hat sich von einer Plattform für KI-Schulungen zu einem Anbieter von Cloud-Diensten, GPU-Rechenzentren und KI-Lösungen für Unternehmen entwickelt. Einen Großteil der IPO-Erlöse will das Unternehmen in den Ausbau seiner Infrastruktur in Südkorea sowie in die Expansion in die USA, nach Japan und Singapur investieren.
Operativ hat sich das Geschäft zuletzt verbessert. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Elice einen Umsatz von 34,4 Milliarden Won und einen operativen Gewinn von 10,3 Milliarden Won. Im Gesamtjahr 2025 waren es 39,5 Milliarden Won Umsatz und 5,2 Milliarden Won operativer Gewinn.
Der schwache Börsenstart verdeutlicht dennoch, dass hohe Wachstumsraten allein nicht mehr ausreichen. Rechenzentren erfordern enorme Investitionen, während hohe Finanzierungskosten und die Unsicherheit über künftige Erträge die Kalkulation erschweren.
Weitere Warnsignale für den KI-Boom
Elice ist kein Einzelfall. Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass das Nvidia-unterstützte australische Unternehmen Firmus seinen geplanten Börsengang im Volumen von fünf Milliarden Dollar auf Eis gelegt hat. Auch der US-Rechenzentrumsanbieter CoreWeave steht unter Druck. Anleger hinterfragen zunehmend die Risiken der schuldenfinanzierten Expansion. Spannend wird nun wie der Börsengang von DayOne verläuft. Die Roadshow des Rechenzentren-Betreibers, der ein Listing von fünf Milliarden Dollar anstrebt, soll am 21. Oktober starten.
Der KI-Boom bleibt ein langfristiger Wachstumstreiber. Doch der Börsenstart von Elice zeigt, dass Anleger stärker zwischen Wachstumspotenzial und wirtschaftlicher Rentabilität unterscheiden. DER AKTIONÄR empfiehlt daher, auf die etablierten KI-Player Micron, Nvidia und Infineon zu setzen. Alle drei Aktien sind übrigens auch Teil des AKTIONÄR-Depots.
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Aktien der Infineon, Nvidia, Micron Technology befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
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