Siemens sieht weiterhin große Chancen bei der KI. Personalvorständin Judith Wiese sieht allerdings auch die Gefahr, dass Unternehmen im Zuge des KI-Einsatzes künftig weniger Einstiegsstellen schaffen. Gerade dort, wo KI zunehmend einfache Tätigkeiten übernimmt, müssten Berufseinsteiger weiterhin praktische Erfahrungen sammeln können.
Fehle ihnen die Möglichkeit, wichtige Lern- und Entwicklungsschritte zu durchlaufen, könnten Fähigkeiten verloren gehen, auf die sie später angewiesen sind. Das zeige sich etwa bei der Softwareentwicklung. "Unsere Entwickler können simplen und zunehmend auch komplexeren Code immer häufiger von der KI und von Agenten schreiben lassen, anstatt ihn eigenhändig zu programmieren", sagt Wiese. Damit werde es umso wichtiger, die erzeugten Ergebnisse fachkundig beurteilen zu können. Sie erklärte: "Die entscheidende Frage ist dann immer: Was muss ich gemacht, geprüft und gesehen haben, damit ich der KI nicht aufsitze?"
Wiese sieht die Unternehmen in der Pflicht, jungen Mitarbeitenden geeignete Lerngelegenheiten zu bieten. Sie sollten Aufgaben eigenständig übernehmen und die nötigen Erfahrungen sammeln können. Nur so entwickelten sie das Wissen, mit dem sie KI-Ergebnisse kritisch prüfen und bewerten können.
Siemens wolle deshalb auch künftig gezielt Nachwuchskräfte einstellen und fördern. "Letztlich muss sich jede Firma diese Frage stellen: Was muss ich tun, damit junge Talente diese Erfahrungs- und Lernkurve machen können?" Zugleich könne KI beim Lernen unterstützen und dabei helfen, neue Fähigkeiten schneller und effizienter zu vermitteln.
Wiese erwartet, dass Unternehmen in den kommenden Jahren auch von Nachwuchskräften lernen werden, die bereits während ihrer Ausbildung mit KI gearbeitet haben. "Sehr bald werden Menschen aus dem Bildungssystem kommen, die schon ganz anders mit KI gearbeitet haben. Davon können dann auch die erfahreneren Kollegen viel lernen."
Welche Folgen KI für die Beschäftigung haben wird, lasse sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Als Beispiel nennt Wiese die rund 30.000 Softwareingenieure im Konzern. "Man kann zusätzliche Produktivität nutzen, entweder um das Gleiche mit weniger Menschen zu machen oder mit der gleichen Anzahl an Mitarbeitenden mehr zu machen. Und im Moment sind wir sehr froh, dass wir an vielen Stellen deutlich schneller sind, mehr Dinge ausprobieren und zusätzliche Projekte starten können, die andernfalls nicht möglich gewesen wären."
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