Die Wall Street hat heute einen Teil der anfänglichen Einbußen wettgemacht. Zwischenzeitlich schaffte der Dow Jones sogar den Sprung in die Gewinnzone, nachdem sich die Lage am Ölmarkt etwas beruhigt hatte. Im weiteren Verlauf rutschte der US-Leitindex jedoch wieder ins Minus und stand zuletzt 0,14 Prozent tiefer bei 52.499 Punkten.
Der S&P 500 gab um 0,21 Prozent auf 7.641 Punkte nach. Beim Nasdaq 100 fiel der Verlust mit 0,37 Prozent auf 29.260 Zähler etwas stärker aus. Der technologieorientierte Index litt insbesondere unter der anhaltenden Diskussion über mögliche Sicherheitsrisiken künstlicher Intelligenz. Besonders hart traf die Verkaufswelle Unternehmen aus der Halbleiterbranche.
Für zusätzliche Nervosität sorgten Warnungen führender Vertreter des KI-Sektors. Dario Amodei, Vorstandschef des Entwicklers Anthropic, verwies auf die jüngsten Fälle autonomer KI-gestützter Hackerangriffe. Er fürchtet, dass ein Verbund solcher Systeme bereits in sechs bis zwölf Monaten das gesamte Internet übernehmen und Schäden von potenziell mehreren hundert Milliarden US-Dollar anrichten könnte. Amodei plädierte deshalb dafür, die Entwicklung besonders leistungsfähiger KI-Modelle zu verlangsamen.
Schon in Asien hatten Diskussionen über eine mögliche schärfere Regulierung der Technologie die Stimmung gegenüber Technologiewerten belastet. Der stark von Technologieunternehmen geprägte Kospi in Südkorea gab deutlich nach. Auch an den europäischen Börsen hielten sich Anleger bei Tech-Aktien zurück.
Unterdessen kamen die Ölnotierungen von ihren jüngsten Höchstständen zurück. Auslöser war eine Äußerung von Donald Trump, wonach Russland und die Ukraine künftig auf Angriffe gegen Energieanlagen des jeweils anderen verzichten wollten. Weitere Einzelheiten nannte der US-Präsident auf Truth Social zunächst nicht. Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj schrieb auf X, eine Deeskalation bei kritischer Infrastruktur könne "ein erster Schritt in Richtung Frieden" sein. Zugleich erklärte er: "Der Krieg muss beendet werden." Eine Stellungnahme aus Moskau lag zunächst nicht vor.
Am deutlichsten verloren erneut Aktien von Chipherstellern und Ausrüstern. ARM Holdings, Applied Materials, Marvell Technology und Micron büßten zwischen 5,1 und 8,6 Prozent ein. Nvidia verlor 2,7 Prozent.
UBS-Analyst Timothy Arcuri bezeichnete die Entwicklung als "neuen, erheblichen Risikofaktor" für die Perspektiven der Halbleiterindustrie. Eine grundlegende und starke Abschwächung der Nachfrage erwartet er zwar nicht. Schließlich hätten mehrere führende KI-Unternehmen erst vor Kurzem umfangreiche Investitionen in die notwendige Infrastruktur angekündigt. Um die derzeitigen Bewertungen zu rechtfertigen, sei allerdings "von einem ausgesprochen positiven Szenario für den Infrastrukturausbau auszugehen".
Cybersecurity-Aktien entwickelten sich dagegen sehr positiv. Anleger setzten offenbar darauf, dass die wachsenden Gefahren durch leistungsfähigere KI-Systeme den Bedarf an Schutzlösungen erhöhen. CrowdStrike, Palo Alto Networks und Okta verteuerten sich zwischen 12,6 und 15,4 Prozent.
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