06.11.2019 Nicola Hahn

Deutsche Bank: „Größte Herausforderung für die europäische Finanzindustrie“

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Deutsche Bank
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Keine Strafzinsen für die Mehrheit der Privatkunden der Deutschen Bank. Dies bekräftigte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Karl von Rohr am Mittwoch auf einer Konferenz der Nachrichtenagentur Bloomberg. Damit steht das Bankhaus vorerst zu seinen Versprechungen. 

Das bedeutet aber auch, dass die Deutsche Bank somit einer aussterbenden Art angehört, denn in Deutschland gibt es bereits rund 134 Bankhäuser, die Strafzinsen von ihren Privatkunden verlangen – Tendenz steigend. 

Wie von Rohr bereits am Sonntag gegenüber der FAZ bekundete, sollen Negativzinsen vorerst nur für sehr Vermögende und Unternehmen eingeführt werden. Zudem stellte er sich der Frage, wie man es in Zeiten von Nullzinsen überhaupt schaffen könnte, eine schleichende Vermögensvernichtung der Kundengelder zu verhindern.

„Das anhaltende Zinstief ist die größte Herausforderung für die europäische Finanzindustrie. […] Negative Zinssätze stellen eine Belastung für das Finanzsystem dar, da sie langjährige Gewissheiten auf den Kopf stellen“, so von Rohr auf der heutigen Konferenz.

Damit schließt er sich Vorstandschef Christian Sewing an, der bereits im September einen deutlichen Warnschuss an die EZB abgegeben hatte. Diese Kritik hatte sich besonders an Mario Draghi gerichtet, der bei seiner letzten wichtigen Entscheidung als EZB-Chef den Einlagenzins von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent gesenkt hatte.

Im Gegensatz zum Euroraum erhalten die US-amerikanischen Banken immer noch Zinsen auf ihre Einlagen, was für die Deutsche Bank, Commerzbank und Co natürlich einem großen Wettbewerbsnachteil gleicht. Ein Staffelzins war dabei nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch auch in den USA regt sich Widerstand. David Solomon, CEO von Goldman Sachs, sagte am vergangenen Dienstag, dass man in ferner Zukunft nicht sehr positiv auf das „Experiment negative Zinsen“ zurückblicken wird.

Große Hoffnungen auf eine baldige Wende dürften sich die Vorstandschefs der europäischen Bankhäuser allerdings nicht machen, denn mit Christine Lagarde wird die ultralockere Geldpolitik wohl vorerst weitergeführt werden. Seit November fließen bereits wieder 20 Milliarden Euro monatlich in Anleihekäufe.

Immerhin ist der Aktie der Deutschen Bank mit dem Sprung über die 100- und 50-Tage-Linie ein kleiner charttechnischer Erfolg gelungen. Nun wartet allerdings schon mit dem GD200 der nächste Widerstand bei 7,06 Euro. Die Aktie bleibt ein Spielball für erfahrene Trader. Wer dennoch langfristig in den Bankensektor investieren möchte, der ist besser beraten, sich bei den US-amerikanischen Titeln wie beispielsweise JPMorgan umzuschauen.

Deutsche Bank (WKN: 514000)