Die italienische Großbank UniCredit hat am Montagmorgen die Vorlage eines Übernahmeangebots für die Commerzbank angekündigt. Während der Zeitpunkt überrascht, kommt die bevorstehende Offerte an sich jedoch nicht von ungefähr: UniCredit ist seit Längerem der größte Einzelaktionär bei Deutschlands zweitgrößter Bank. Doch im Management und in der Politik regt sich weiter Widerstand gegen die Pläne der Italiener.
Wie DER AKTIONÄR berichtete, will die UniCredit im Rahmen eines freiwilligen Tauschangebots für jede Commerzbank-Aktie je 0,485 neue UniCredit-Papiere bieten. Eine Commerzbank-Aktie wird demnach mit 30,80 Euro bewertet. Gegenüber dem Schlusskurs von vergangenen Freitag entspricht dies einem Aufschlag von mageren vier Prozent. Die Übernahmepläne, die sich auch auf die Derivate auswirken, treiben den Kurs am Montagnachmittag um rund sieben Prozent auf 31,75 Euro nach oben. Damit notiert das Papier bereits jetzt über dem Preis des Tauschangebots.
Durch den Schritt will die italienische Großbank ihre Anteile auf insgesamt 30 Prozent ausbauen. Ab dieser Schwelle wäre die UniCredit zur Vorlage eines Übernahmeangebots verpflichtet. Bisher kontrollieren die Italiener inklusive Finanzinstrumenten 29,9 Prozent und sind damit größter Einzelaktionär des DAX-Konzerns. Laut einer Unternehmensmitteilung soll das Angebot im Mai offiziell vorgelegt werden.
Widerstand regt sich
Weniger begeistert ist derweil das Top-Management um Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp. Die Bankerin kritisierte, dass die UniCredit offen lasse, wie die Transaktion einen Mehrwert bieten solle. Zudem beinhalte das angekündigte Angebot „faktisch keine Prämie für unsere Aktionäre“. Zudem sagte Orlopp: „Unsere oberste Priorität ist es, nachhaltigen Wert für unsere Aktionäre und alle Stakeholder der Commerzbank zu schaffen. Wir sind überzeugt von der Stärke und dem Potenzial unserer Strategie, die auf Eigenständigkeit und profitables Wachstum setzt.“
Trotzdem werden Vorstand und Aufsichtsrat das angekündigte freiwillige Übernahmeangebot nach dessen Veröffentlichung durch die UniCredit sorgfältig und im besten Interesse der Gesellschaft, ihrer Aktionäre, Mitarbeitenden und Kunden prüfen.
Auch vom Bund gibt es Kritik: „Der Bund unterstützt die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank. Eine feindliche Übernahme wäre insbesondere mit Blick darauf, dass die Commerzbank eine systemrelevante Bank ist, nicht akzeptabel“, teilte ein Sprecher des Finanzministeriums in Berlin mit. Allerdings gäbe es bisher noch kein förmliches Angebot, sondern lediglich die Ankündigung dafür. Der Bund hält rund zwölf Prozent an der Commerzbank, der zweitgrößten deutschen Privatbank. Die Beteiligung geht auf die Finanzkrise 2008/2009 zurück, als der Staat das Institut mit Milliardenhilfen stabilisieren musste.
Bis das Angebot der UniCredit offiziell vorliegt, wird noch etwas Zeit verstreichen. In der Zwischenzeit bleiben Anleger an Bord, beachten jedoch den Stoppkurs des AKTIONÄR. Mehr zu den Hintergründen der Commerzbank-Übernahme durch die UniCredit lesen Sie auch in der neuen Ausgabe des AKTIONÄR, die am Mittwochabend um 19 Uhr hier erscheint.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
Heute, 14:45