Die italienische UniCredit macht Ernst: In den kommenden Tagen wird ein finales Umtauschangebot erwartet. Für Anleger mit Commerzbank-Derivaten im Depot könnte das erhebliche Konsequenzen haben. DER AKTIONÄR zeigt, was bei ihnen nun gemacht werden muss.
Für die meisten Derivate dürfte die Situation eher nachteilig sein. Der Grund liegt in der impliziten Volatilität – also der erwarteten Schwankungsbreite. Diese liegt bei der Commerzbank aktuell bei den Juni-Optionen bei rund 44 Prozent, bei UniCredit hingegen nur bei etwa 38 Prozent. Eine geringere Volatilität macht Optionen grundsätzlich weniger wertvoll.
Hinzu kommt die höhere Dividendenrendite von UniCredit. Sie wirkt sich – unabhängig davon, ob es sich um amerikanische Optionen (während der gesamten Laufzeit ausübbar) oder europäische Optionen (nur am Laufzeitende ausübbar) handelt – ebenfalls auf die Bewertung aus: Sie drückt den Preis von Calls und wirkt wertsteigernd bei Puts. Besonders betroffen sind Optionsscheine mit langer Laufzeit und Basispreisen deutlich über dem aktuellen Kurs von rund 31 Euro. Solche Scheine können erheblich an Wert verlieren.
Chancen mit Discount-Calls
Eine Sonderrolle spielen Discount-Calls. Diese bestehen aus einem gekauften Call mit niedrigerem Basispreis und einem verkauften Call mit höherem Basispreis (Cap). Sie sind günstiger als klassische Calls, bieten allerdings auch nur einen begrenzten Gewinn.
Im Unterschied zu herkömmlichen Calls können Discount-Calls bis zu einem bestimmten Bereich – meist bis zu einem Basispreis in Höhe des aktuellen Aktienkurses – sogar von sinkender Volatilität profitieren. Steigt die Aktie jedoch deutlich darüber hinaus, verlieren auch Discount-Calls an Wert, wenn auch weniger stark.
Ein weiterer Produkttyp, um von sinkender Volatilität zu profitieren, sind Korridor-Optionsscheine („Inliner“). Bei diesen Produkten erhält der Anleger einen festen Betrag von meist zehn Euro, sofern während der Laufzeit weder die obere noch die untere Korridorgrenze (Barriere) verletzt wird. Sinkt die erwartete Schwankungsbreite, reduziert sich die Wahrscheinlichkeit eines Barrierebruchs – und der Preis des Optionsscheins kann steigen.
Jetzt die Weichen stellen
Für Anleger mit Optionsscheinen auf die Commerzbank ist das Risiko derzeit hoch. Besonders klassische Calls könnten in beiden Szenarien deutlich an Wert verlieren. Ein Verkauf und der Wechsel in Turbos kann daher eine Überlegung wert sein – allerdings nur mit ausreichend Abstand zur Barriere, um das Risiko eines Totalverlusts zu begrenzen.
Erfahrene Anleger können alternativ auf Discount-Calls oder Inliner setzen, um gezielt auf stabile Kurse und sinkende Volatilität zu spekulieren.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
Heute, 13:00