Das ist Ihre Erfolgsstrategie für schwache Börsen
03.08.2020 Fabian Strebin

Commerzbank: Endet die Woche im Chaos?

-%
Commerzbank

Nach dem Doppelrücktritt von CEO Martin Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann vor knapp vier Wochen drängt langsam die Zeit bei der Commerzbank. Bisher gibt es einen Favoriten für den Vorsitz des Kontrollgremiums, aber von Großaktionären hagelt es bereits Kritik. Für weitere Spannung dürften die Zahlen am Mittwoch sorgen.

Vergangene Woche war durchgesickert, dass Hans-Jörg Vetter bisher der Favorit für die Nachfolge von Schmittmann ist. Vetter führte von 2009 bis 2016 die Landesbank LBBW und sanierte dabei das Finanzinstitut. DER AKTIONÄR berichtete. Ein Großanleger, der auch an der Commerzbank beteiligt ist, sagt gegenüber dem Handelsblatt: „Vetter wäre ein veritabler Aufsichtsratschef. Es ist gut, dass er sich mit Restrukturierungen auskennt. Er hat bei der LBBW einen guten Job gemacht und die Bank auf gesunde Füße gestellt.“

Zu wenig Erfahrung

Allerdings gibt es auch negative Töne zu der Personalie. Aus dem Kreis der Großaktionäre heißt es, alleine Vetters Alter mit 68 Jahren spreche gegen ihn. Somit könne er allenfalls ein Übergangskandidat sein, da er außerdem seit drei Jahren aus dem Geschäft sei und noch nie eine börsennotierte Großbank geführt habe. Zudem fehle ihm Expertise im Privatkundengeschäft und bei der Digitalisierung.

Kommt ein eigener Cerberus-Kandidat?

Unter den Kritikern dürfte sich der zweitgrößte Aktionär Cerberus befinden. Die Amerikaner sollen maßgeblich für den Doppelrückritt an der Commerzbank-Führungsspitze verantwortlich sein. Bei der heutigen Aufsichtsratssitzung könnte eigentlich eine Einigung über einen neuen Chefaufseher fallen. Doch selbst wenn man sich auf Vetter festlegen würde, bliebe das Führungsvakuum weitere zwei Wochen bestehen. Denn solange dauert es, bis Vetter von einem Gericht bestellt werden könnte. Das ist notwendig, da er bisher nicht im Aufsichtsrat sitzt. In dieser Zeit könnten andere Stakeholder, zum Beispiel Cerberus, einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken.

Cerberus schreibt laut dpa in einem Brief an den Commerzbank-Aufsichtsrat: "Wir haben ernsthafte Zweifel, dass Hans-Jörg Vetter die richtige Person für diese Aufgabe ist und über die richtige Erfahrung hierfür verfügt". Zudem habe man mindestens zwei Kandidaten identifiziert, die geeignet wären die Rolle des Vorsitzenden einzunehmen und aller Vermutung nach auch das Vertrauen alle wichtigen Interessengruppen genießen würden. Namen wurden jedoch nicht genannt.

Diese Woche wird es also aus mehrfacher Sicht spannend bei der Commerzbank. Denn am Mittwoch werden auch noch die Zahlen zum zweiten Quartal veröffentlicht. Analysten erwarten einen kleinen Gewinn. Aber Rückstellungen für erwartete Kreditausfälle und Abschreibungen auf das an Wirecard vergebene Darlehen sind zwei schwer kalkulierbare Größen. DER AKTIONÄR hat deshalb den Stoppkurs auf vier Euro nachgezogen und rät von Zukäufen vor den Zahlen ab.


Hinweis auf Interessenkonflikte:

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Commerzbank.

Hinweis auf Interessenkonflikte gemäß §34b WpHG:

Aktien von Commerzbank befinden sich im AKTIONÄR-Depot

Behandelte Werte

Name Wert Veränderung
Heute in %
Commerzbank - €

Buchtipp: Stock-Picking mit Nebenwerten

Jeder Anleger kennt die Werte aus den großen Indizes. Außerhalb von DAX, MDAX und TecDAX nimmt die Coverage jedoch drastisch ab. Schon im SDAX werden nicht alle Titel regel­mäßig analysiert und wenn, dann nur von wenigen Experten. In ihrem zeitlosen, nun unverändert neu aufgelegten Klassiker „Stock-Picking mit Nebenwerten“ zeigt die im September 2020 verstorbene Börsenexpertin Beate Sander, wie Anleger erfolgreich auf die Suche nach interessanten Nebenwerten gehen können. Die Small-Cap-Indizes einfach durch Zertifikate nachzubilden dürfte angesichts der vergangenen Kurssteiger­ungen nicht mehr lohnend sein. Die gezielte Auswahl aussichtsreicher und unterbewerteter Papiere wird aber lukrativ bleiben. Dafür liefert Beate Sander gewohnt eloquent und kompetent das nötige Rüstzeug.
Stock-Picking mit Nebenwerten

Autoren: Sander, Beate
Seitenanzahl: 304
Erscheinungstermin: 15.07.2021
Format: Softcover
ISBN: 978-3-86470-785-8