Die Stimmung an der Wall Street dreht sich. Innerhalb einer Woche erhält der US-Marktführer Coinbase die zweite gewichtige Kaufempfehlung. Die Botschaft ist eindeutig: Der Ausverkauf ist überzogen, die Transformation zur „Everything Exchange“ läuft auf Hochtouren.
Nach Goldman Sachs zieht nun die Bank of America (BofA) nach. In einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse stufen die Experten die Coinbase-Aktie von „Neutral“ auf „Buy“ hoch. Das Kursziel: ambitionierte 340 Dollar. Vom aktuellen Niveau bei rund 246 Dollar entspricht dies einem Aufwärtspotenzial von satten 38 Prozent.
Der Grund für den Optimismus liegt in der Diskrepanz zwischen Kurs und Fundamentaldaten. „Während die Aktie rund 40 Prozent unter ihren Juli-Hochs notiert, hat sich die Produktgeschwindigkeit unter der Oberfläche der Krypto-Korrektur im vierten Quartal 2025 massiv beschleunigt“, so die Analysten. Auch der technische Druck lässt nach: Die steuerlich motivierten Verkäufe (Tax-Loss Harvesting), die den Kurs zum Jahresende belasteten, laufen aus.
Mehr als nur eine Börse
Coinbase erfindet sich neu. Weg vom reinen Handelsplatz für Bitcoin und Co, hin zur zentralen Infrastruktur für das Finanzsystem der Zukunft. Die BofA hebt besonders die Expansion in die Tokenisierung realer Vermögenswerte (RWA) wie Aktien und ETFs sowie den Einstieg in Prognosemärkte hervor. Diese Strategie verbreitert nicht nur den adressierbaren Gesamtmarkt, sondern ermöglicht massives Cross-Selling an Neukunden.
Ein potenzieller Gamechanger wird im Bericht explizit genannt: Ein eigener Token für das Ethereum-Layer-2-Netzwerk „Base“. Ein solcher Schritt könnte Milliarden in die Kassen spülen und Entwickler wie Nutzer noch stärker an das On-Chain-Ökosystem binden.
Der Trump-Faktor und die Konkurrenz
Rückenwind kommt auch aus Washington. Mit drei verbleibenden Jahren unter der Trump-Administration sieht die BofA ein politisches Umfeld, das die Vision der USA als „Krypto-Hauptstadt der Welt“ aktiv fördert. Als vertrauenswürdiger Partner mit der Marktführerschaft in den USA ist Coinbase prädestiniert, die Brücke zur traditionellen Finanzwelt zu schlagen.
Ganz ohne Risiken ist der Einstieg nicht. Eine potenzielle Rückkehr von Binance auf den US-Markt oder weitere Preisrücksetzer am breiten Krypto-Markt bleiben laut BofA Stolpersteine für 2026. Doch die Bewertung ist attraktiv, die Short-Interessen gehen zurück und die strategische Ausrichtung stimmt.
Fundamental sieht die Coinbase-Story bereits seit längerem sehr attraktiv aus. Allerdings spiegelt sich das noch nicht im Aktienkurs wider. Anleger sollten daher weiterhin vorerst an der Seitenlinie bleiben.
09.01.2026, 09:50