Der Kurs rutscht, die Stimmung ist im Keller. Doch für die Experten des Analysehauses Bernstein ist die Coinbase-Aktie aktuell kein Verkaufskandidat, sondern ein Schnäppchen. Trotz enttäuschender Quartalszahlen rufen die Analysten ein Kursziel von 440 Dollar aus. Das entspräche vom aktuellen Niveau aus einem Plus von rund 170 Prozent.
Die nackten Zahlen wirken auf den ersten Blick ernüchternd. Die Aktie schloss zuletzt bei 164,32 Dollar und damit nahe ihrem Jahrestief von 139,36 Dollar. Seit Beginn des Jahres hat das Papier bereits knapp 30 Prozent an Wert verloren. Damit hinkt Coinbase dem breiten Markt, gemessen am S&P 500, deutlich hinterher. Der Grund für den jüngsten Abverkauf: Die Ergebnisse für das vierte Quartal blieben hinter den hohen Erwartungen der Wall Street zurück.
Analyst Gautam Chhugani rät Anlegern dennoch zur Gelassenheit. Er bezeichnet die Aktie als „zu billig, um hier zu verkaufen“. Seine Begründung stützt sich auf die Bewertung. Coinbase werde derzeit lediglich mit dem Elffachen des für 2025 erwarteten Gewinns gehandelt. Angesichts der Marktstellung sei dies eine deutliche Unterbewertung. Die Analysten empfehlen, die Volatilität auszusitzen, anstatt nahe den Tiefstständen in Panik zu verfallen.
Rekordvolumen trotz flauer Kurse
Ein Blick auf das operative Geschäft stützt die optimistische These. Das gesamte Handelsvolumen auf der Plattform erreichte im vergangenen Jahr beeindruckende 5,2 Billionen Dollar. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 150 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch wenn das Geschäft mit Privatkunden zuletzt leicht schwächelte, zeigt sich im Profi-Segment eine andere Dynamik.
Das institutionelle Geschäft wuchs im Quartalsvergleich um 37 Prozent. Hier zahlt sich die Strategie der Diversifizierung aus. Besonders die Übernahme der Plattform Deribit im August hat das Geschäft mit Derivaten beflügelt. Während die sinkenden Krypto-Preise den Wert der verwalteten Vermögen auf 376 Milliarden Dollar drückten, bleibt die Ertragskraft der Plattform laut Bernstein intakt.
Weg zur „Alles-Börse“ für 2026
Die finanzielle Basis der Krypto-Börse ist stabil. Coinbase verfügt über Barmittel und digitale Vermögenswerte in Höhe von 5,4 Milliarden Dollar. Zwar belasteten Abschreibungen auf das eigene Krypto-Portfolio das Nettoergebnis, doch bereinigt blieb ein Gewinn von 178 Millionen Dollar hängen. Entscheidend für die Zukunft ist jedoch der Umbau des Konzerns.
Das Management verfolgt das Ziel, Coinbase zu einer „Alles-Börse“ zu entwickeln. Künftig sollen Kunden nicht mehr nur Bitcoin und Ether handeln. Die Plattform plant die Integration von rund 10.000 Aktientiteln und will im Bereich der Prognosemärkte Fuß fassen. Gleichzeitig treibt das Unternehmen die Nutzung von Stablecoins und die Integration von dezentralen Finanzanwendungen (DeFi) voran. Zwölf verschiedene Produkte erzielen laut den Analysten mittlerweile einen jährlichen Umsatz von jeweils über 100 Millionen Dollar.
Coinbase leidet zwar unter der aktuellen Schwäche des Krypto-Sektors, hat sich operativ jedoch deutlich breiter aufgestellt als in früheren Zyklen. Aufgrund des stark angeschlagenen Chartbildes drängt sich ein Einstieg derzeit trotzdem nicht auf.
Heute, 09:30