Die Wall Street geht auf Distanz zur größten US-Kryptobörse. Nachdem Coinbase die Erwartungen für das vierte Quartal verfehlt hat, strichen namhafte Analysehäuser ihre Kursziele zusammen. Die Aktie steht unter Druck, während der gesamte Kryptosektor mit Gegenwind kämpft.
Die Investmentbank JPMorgan reagierte prompt auf die jüngsten Geschäftszahlen. Die Analysten senkten ihr Kursziel für das Papier von 290 auf 252 Dollar. Der Grund: Ein schwieriges Marktumfeld und ein spürbarer Rückgang der Handelsaktivitäten belasteten das Volumen sowie die Gebühreneinnahmen. Trotz der Korrektur hält die Bank an ihrer Einstufung „Overweight“ fest.
Steigende Kosten fressen Gewinne
Ein zentrales Problem bleibt die Kostenstruktur. Die operativen Ausgaben stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent. Gleichzeitig verlagert sich das Geschäft der Nutzer immer mehr zu kostengünstigen Angeboten wie dem „Advanced Trading“ oder dem Abo-Modell „Coinbase One“.
Während diese Dienste die Kundenbindung stärken, drücken sie kurzfristig die sogenannte Take-Rate – also den Prozentsatz des Handelsvolumens, den Coinbase als Umsatz einbehält. Entsprechend vorsichtiger kalkuliert JPMorgan nun die künftigen Margen des Unternehmens.
Hoffnungsschimmer durch Diversifizierung
Etwas optimistischer, wenn auch mit deutlich reduziertem Ziel, zeigt sich das Analysehaus Canaccord. Die Experten senkten ihr Kursziel von 400 auf 300 Dollar, bestätigten jedoch ihre Kaufempfehlung. Trotz der aktuellen Marktschwäche bleibe Coinbase profitabel und gewinne Marktanteile hinzu.
Die Analysten verweisen auf die Strategie der „Everything Exchange“. Das Unternehmen expandiert erfolgreich in neue Bereiche für den Stablecoin USDC und dezentrale Finanzanwendungen (DeFi) auf Basis der eigenen Base-Blockchain. Auch die Übernahme der Derivatebörse Deribit wird positiv gewertet. Sie ermögliche es Coinbase, außerhalb der USA verstärkt im lukrativen Terminhandel Fuß zu fassen. Im Vergleich zum Vorjahr ist das globale Handelsvolumen der Plattform bereits um fast 100 Prozent gestiegen.
Coinbase steckt in der Zwickmühle zwischen hohen Betriebskosten und einem volatilen Marktumfeld. Die drastischen Kurszielsenkungen der Analysten zeigen, dass die Bäume vorerst nicht in den Himmel wachsen. Anleger bleiben daher vorerst weiter an der Seitenlinie. Wo sich hingegen ein Einstieg lohnt, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe. Diese finden Sie hier.
Heute, 14:31