29.04.2017 Jochen Kauper

"Börsenerfolg ist eine Mentalitätsfrage"

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DAX
Trendthema

Einundzwanzig Billionen Dollar beträgt die aktuelle und damit höchste jemals gemessene Marktkapitalisierung des amerikanischen S&P 500-Index. „Würde man diese Summe in einhundert Dollar Scheinen stapeln, so ergibt sich ein Turm von über 20.000 Kilometern Höhe. Das europäische Pendant, der STOXX Europe 600, bringt es trotz einhundert Titeln mehr mit knapp 10 Billionen Euro nur knapp auf die Hälfte der Kapitalisierung des S&P 500. Man gewinnt den Eindruck es sei nur eine Frage der Zeit, wann Apple mit seiner aktuellen Marktkapitalisierung von über 680 Milliarden Euro mehr wert ist als der gesamte DAX (aktuell 1.150 Milliarden Euro). Noch dramatischer sieht es bei einem Vergleich des Pro-Kopf-Geldvermögens aus. Hier besitzen die Amerikaner mit 160.000 Euro pro Kopf mehr als das dreifache Vermögen der Deutschen. Kurz um: Beim Thema Geldanlage scheinen uns die Amerikaner weit voraus. Die Börse wird in den Staaten als Möglichkeit gesehen, an der wirtschaftlichen Entwicklung teilzuhaben. Getreu dem Motto „hinfallen, aufstehen, weitermachen“ versetzt auch ein Börsencrash die Anleger in den USA nicht in Lethargie - denn es kommen bestimmt auch wieder bessere Zeiten“, sagt Matthias Hüppe von der HSBC.

Risken realistisch bewerten

Ganz anders verhält es sich hierzulande. Das Platzen der Blase am Neuen Markt und die Finanzkrise haben sich in das Gedächtnis vieler Privatanleger eingebrannt und sind auch nach Jahren omnipräsent. „Das heutige Handeln wird so weiterhin beeinflusst. Ein Beispiel: Als Google 2004 einen furiosen Börsengang in den USA hinlegte, haben Marktteilnehmer in Deutschland in der Folge mehrheitlich auf einen fallenden Kurs der Google-Aktie gesetzt. Obwohl hierzulande selbst das Wort „googlen“ schon zum Zeitpunkt des Börsengang seinen Weg in den Duden gefunden hatte, setzten Anleger auf ein erneutes Platzen einer Blase wie sie es vom Neuen Markt kannten und überließen die mittlerweile über 1400% Wertsteigerung den mehrheitlich amerikanischen Investoren. Während diesseits des Atlantiks in erster Linie auf die Risiken geschaut wird, schaut der Amerikaner eher auf die Chancen. Dabei muss es gar nicht falsch sein, die Risiken höher zu bewerten als die Chancen. Entscheidend ist aber eine realistische Bewertung der Risiken.

Krise ist längst verdaut

Hier neigen deutsche Anleger gerne zur Annahme des „Worst Case“ also der schlimmsten jemals gemachten Erfahrung aus der Vergangenheit. Aber dieser wiederholt sich glücklicherweise statistisch selten. Es ist erforderlich eine realistischere Einstellung zum Risiko zu gewinnen. Häufig kann schon der Blick auf einen Langfristchart helfen. Viele Krisen und so mancher Crash sind im heutigen Chartbild nur noch durch einen kleinen Zacken zu identifizieren. Das Gros der Aktienindizes hat die jüngste Krise längst verdaut und neue Höchststände erklommen. Anleger sollten daher auch den Chancen eine Chance geben und Sie sich nicht von den allgegenwärtigen Crashpropheten beeinflussen lassen. Denn Angst war noch nie ein guter Ratgeber und Aktienkurse haben kein Gedächtnis“, sagt Matthias Hüppe, Leiter Derivative bei der HSBC.

 

Buchtipp: Kurzfriststrategien für Anleger

Bekannt wurde er mit Langfriststrategien. Doch in seinem neuen Buch widmet sich Börsenexperte Thomas Gebert nun Kurzfriststrategien: Wie bekommt man die kurzfristigen Bewegungen der Aktienkurse in den Griff? Der Schlüssel liegt einerseits in einer speziellen Deutung der Candlestick-Charts, mit denen sich relative Stimmungsextreme diagnostizieren lassen, und andererseits in einem bestimmten Rhythmus, in dem die Kurse schwingen. Die Kombination, auf den emotionalen Umschwung zu warten und ihn zum richtigen Zeitpunkt zu erkennen, macht es möglich, die unmittelbare Richtung des DAX einzuschätzen. Gebert erklärt zudem, wie er zu seiner überaus treffsicheren 2-Wochen-Prognose in seinem beliebten „GebertBrief“ kommt.

Autoren: Gebert, Thomas
Seitenanzahl: 272
Erscheinungstermin: 05.12.2019
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-655-4