24.07.2019 Martin Mrowka

Boeing mit Mega-Verlust – Airbus profitiert

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Boeing
Trendthema

Der US-Luftfahrtkonzern Boeing hat seinen Bericht für das zweite Quartal vorgelegt. Der befürchtete Gewinneinbruch nach den Flugverboten der so wichtigen 737-Max-Maschinen ist eingetreten. Die ohnehin pessimistischen Umsatzprognosen wurden sogar noch unterschritten. Airbus kann hingegen von dem Boeing-Dilemma profitieren.

Der US-Luftfahrtkonzern Boeing hat seinen Bericht für das zweite Quartal vorgelegt. Die Krise um die nach zwei Abstürzen mit Flugverboten belegte Baureihe 737 Max hat den Flugzeugbauer Boeing tief in die roten Zahlen gerissen. Unter dem Strich stand ein Verlust von mehr als 2,9 Milliarden US-Dollar (2,6 Mrd. Euro) bzw. -5,21 Dollar pro Aktie nach einem Gewinn von 2,2 Milliarden Dollar (+3,73 Dollar pro Aktie) ein Jahr zuvor, wie der Airbus-Rivale mitteilte.

Analysten hatten allerdings im Schnitt mit einem noch größeren Fehlbetrag gerechnet. Denn Boeing hatte wegen des Flugverbots schon vor einigen Tagen eine Sonderbelastung von 4,9 Milliarden Dollar nach Steuern für das zweite Quartal angekündigt.

Weil Boeing seinen meistbestellten Flugzeugtyp seit Mitte März nicht mehr ausliefern kann, brach auch der Umsatz ein - um 35 Prozent auf 15,75 Milliarden Dollar. Analysten hatten hier 20,44 Milliarden Dollar erwartet.

Keine Geschäftsprognose für 2019

Ursprünglich wollte Boeing in diesem Jahr insgesamt rund 900 Passagier- und Frachtmaschinen ausliefern. Allerdings ist immer noch offen, wann die technischen Fragen bei der Max-Reihe gelöst sind und das Flugverbot aufgehoben wird. Boeing hatte seine Jahresziele für Auslieferungen, Umsatz und Gewinn bereits gestrichen. Einen neuen Geschäftsausblick wagte Boeing-Chef Dennis Muilenburg wegen der hohen Ungewissheit hinsichtlich einer Wiederzulassung der Maschinen nun nicht.

Die Ratingagentur Fitch hatte angesichts der Boeing-Schwierigkeiten den Ausblick für Boeings Kreditwürdigkeit von "stabil" auf "negativ" gesenkt, da die Probleme den Konzern noch länger verfolgen dürften. Bis zu einer möglichen Wiederzulassung der 737 Max binde die fortschreitende Produktion der Jets viel Kapital, warnten die Bonitätsprüfer. Boeing selbst hatte bereits mitgeteilt, dass die Fertigungskosten des gesamten 737-Programms im zweiten Quartal um 1,7 Milliarden Dollar gestiegen sein dürften und die Gewinnspannen auch künftig unter der geringeren Produktionsrate leiden dürften.

Den Analysten von Fitch zufolge drohen Boeing außerdem andauernde Risiken durch Klagen und Ermittlungen sowie höhere Entschädigungen an Fluggesellschaften. Das Unternehmen steht im Verdacht, die 737 Max wegen des harten Konkurrenzkampfs überstürzt auf den Markt gebracht und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Boeing bestreitet dies zwar, hat aber Pannen eingeräumt. Untersuchungsberichte deuteten auf eine fehlerhafte Steuerungs-Software als Absturzursache hin.

Ob und wann Boeings 737-Max-Serie wieder abheben darf, ist weiterhin unklar. Zuletzt hatten Aufseher noch weitere Probleme festgestellt, wodurch eine Wiederzulassung länger dauern könnte. Boeing bringt die Zwangspause auch wegen zahlreicher Vorbestellungen in die Bredouille. Wie auch Airbus ist der Flugzeugbauer über Jahre ausgebucht. Die Boeing-Aktie hat sich von ihrem Zwischentief bei 330 Dollar erholt und kämpfte zuletzt mit einem technischen Widerstand bei 380 Dollar.

Boeing (WKN: 850471)

Profiteur des Boeing-Dilemmas ist Erz-Konkurrent Airbus. Zwar betonte Airbus-Verkaufschef Christian Scherer Ende Mai, dass es seit den Boeing-Max-Abstürzen keine zusätzlichen Bestellungen aus der Konkurrenz-Familie A320 gebe. Doch vor drei Wochen hat Boeing den ersten Kunden an Airbus verloren. Der saudi-arabische Billigflieger Flyadeal will nun zwischen 30 und 50 Maschinen vom Typ Airbus A320neo ordern.

Vor zwei Wochen hat zudem Air China nochmals 20 Langstrecken-Airbus A350 geordert. Beim Mittelstrecken-Typ A321neo sind kürzlich allerdings ebenfalls technische Probleme aufgetaucht. Die Airbus-Aktie markierte am vergangenen Freitag einen neue historischen Höchststand bei 133,82 Euro. Airbus legt am 31. Juli seine Quartalszahlen vor.

Mit Material von dpa-AFX

Nicht nur aufgrund der Probleme mit der 737 Max favorisiert DER AKTIONÄR unter den beiden großen Flugzeugbauern weiterhin die Papiere von Airbus. Wer bei Boeing engagiert ist, sollte den Stopp bei 290,00 Euro knapp unterhalb des Juni-Tiefs ziehen.