Coinbase spürt die Folgen des Kryptowinters. Die größte US-Handelsplattform für digitale Assets verbuchte im ersten Quartal einen Nettoverlust von 394,1 Millionen Dollar. Der Grund für das Minus ist vor allem in der eigenen Bilanz zu finden: Der massive Kursverfall am Kryptomarkt zwang das Unternehmen zu Abschreibungen in Höhe von 482 Millionen Dollar auf die eigenen Bestände. Damit schreibt Coinbase das zweite Quartal in Folge rote Zahlen.
Die Zahlen spiegeln die vergangene Abkühlung des Marktes wider. Der Gesamtumsatz sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31 Prozent auf 1,41 Milliarden Dollar. Besonders deutlich zeigt sich die Zurückhaltung der Anleger beim Blick auf die Transaktionseinnahmen. Diese brachen um 40 Prozent auf 756 Millionen Dollar ein. Während der Bitcoin im Januar noch über der Marke von 97.000 Dollar notierte, drückte ein heftiger Ausverkauf den Kurs im Februar zeitweise unter 63.000 Dollar. Entsprechend verhalten reagierten die Privatanleger, deren Handelsvolumen traditionell eng an die Preisentwicklung gekoppelt ist.
Weg vom reinen Handelsplatz
CEO Brian Armstrong lässt sich von der aktuellen Schwächephase nicht beirren. Er treibt den Umbau des Konzerns voran. Sein Plan: Coinbase soll die Abhängigkeit vom reinen Handel reduzieren. „Die gesamte Finanzwelt wird sich onchain bewegen“, gibt sich Armstrong kämpferisch. Künftig will Coinbase verstärkt an Derivaten, Futures und Prognosemärkten verdienen. Auch das Geschäft mit institutionellen Kunden soll ausgebaut werden, um die Schwankungen des Privatkundengeschäfts abzufedern.
Ein Lichtblick in der Bilanz ist das Segment der Abonnements und Dienstleistungen. Hier fiel der Rückgang mit 14 Prozent auf 584 Millionen Dollar moderat aus. Besonders die Erlöse mit Stablecoins stiegen gegen den Trend um elf Prozent auf 305 Millionen Dollar. Armstrong sieht hier großes Potenzial, insbesondere durch die Verknüpfung von künstlicher Intelligenz und automatisierten Zahlungen auf der Blockchain.
Anleger schicken Aktie auf Talfahrt
Trotz der strategischen Neuausrichtung und einem globalen Marktanteil von mittlerweile 8,6 Prozent reagierten die Investoren enttäuscht. Die Aktie verlor im nachbörslichen Handel rund sechs Prozent und sackte auf 182 Dollar ab.
Coinbase steckt in einer schmerzhaften Übergangsphase. Der Erfolg der Aktie hängt nun davon ab, wie schnell Armstrong Coinbase vom volatilen Broker zum breiten Finanzdienstleister der Krypto-Welt umbauen kann. Ein Einstieg drängt sich derzeit nicht auf.
Heute, 07:32