Der Krypto-Broker Coinbase zieht die Reißleine. Rund 14 Prozent der Belegschaft müssen das Unternehmen verlassen. Die Plattform reagiert damit auf die anhaltende Volatilität an den digitalen Märkten und den rasanten Fortschritt bei Künstlicher Intelligenz. Die Anleger reagierten prompt und positiv auf die Sparmaßnahmen: Im vorbörslichen Handel kletterte die Aktie um bis zu 8 Prozent.
Der Grund für den massiven Stellenabbau ist zweigeteilt. Einerseits belastet die zyklische Schwäche im Kryptosektor das operative Geschäft. Während Coinbase langfristig auf Stablecoins und Tokenisierung setzt, zwingt die aktuelle Marktlage den Konzern zu einer schlankeren Kostenstruktur. Andererseits verändert KI die Arbeitsweise bei dem US-Unternehmen fundamental.
Laut Vorstandschef Brian Armstrong erledigen Ingenieure mithilfe von KI heute Aufgaben in wenigen Tagen, für die früher ganze Teams Wochen benötigten. Auch Teams ohne technischen Hintergrund schreiben mittlerweile produktiven Code. Entsprechend will Coinbase künftig verstärkt auf Talente setzen, die den Umgang mit KI-Agenten beherrschen. Das Ziel: Ein „KI-natives“ Unternehmen werden, das schneller und kostengünstiger agiert.
Radikaler Umbau der Hierarchie
Coinbase baut jedoch nicht nur Stellen ab, sondern verändert die gesamte Organisationsstruktur. Das Unternehmen flacht die Hierarchien drastisch ab. Künftig soll es maximal fünf Management-Ebenen unterhalb der Führungsspitze geben.
Ein entscheidender Punkt: Reine Manager wird es bei Coinbase nicht mehr geben. Führungskräfte müssen künftig als „Player-Coaches“ fungieren und aktiv im Tagesgeschäft mitarbeiten. Das soll die Entscheidungsprozesse beschleunigen und die sogenannten Koordinationskosten senken. Kleine, hochspezialisierte Teams sollen künftig die Schlagkraft erhöhen. In manchen Bereichen experimentiert das Unternehmen sogar mit „Ein-Personen-Teams“, in denen eine einzelne Fachkraft Rollen von Design, Produktmanagement und Engineering übernimmt.
Coinbase nutzt den technologischen Wandel, um sich operativ neu zu erfinden. Ein Einstieg drängt sich derzeit allerdings noch nicht auf.
Heute, 13:43