Mit seiner interaktiven Audioplattform erobert Tonies die Kinderzimmer. Nach der Einführung der Toniebox 2 hat das Unternehmen noch einige margenstarke Pfeile im Köcher, um den Wachstumskurs bei steigender Profitabilität fortzusetzen. Dazu zählen auch interessante Partnerschaften und die internationale Expansion.
Über das Konzept von Tonies hat DER AKTIONÄR schon mehrfach berichtet. Damit verfolgt die Gesellschaft die Vision, Kindern eine spielerische und intuitive Möglichkeit zu bieten, Geschichten und Musik schon früh selbstständig zu erleben – und das ganz ohne Bildschirm. Viele Eltern wissen das in Zeiten von Smartphone, Tablet und Co zu schätzen. Das Kerngeschäft von Tonies basiert auf dem Verkauf der bunten, quadratischen Boxen und der dazugehörigen Figuren.
Im ersten Halbjahr 2026 steigerte Tonies den Umsatz dank der starken Nachfrage nach der Toniebox 2 zwar deutlich, verdiente operativ allerdings weniger. Anders ausgedrückt: Die Nachfrage nach den Tonieboxen und den dazugehörigen Figuren entwickelt sich weiterhin stark. US-Zölle und ein höherer Anteil von Tonieboxen mit geringeren Margen drücken vorübergehend auf die Profitabilität. Diese Entwicklung kommt nicht wirklich überraschend und dürfte sich in den kommenden Quartalen wieder umkehren.
Der Erlös kletterte im ersten Halbjahr um 38 Prozent auf rund 243 Millionen Euro. Analysten hatten mit weniger gerechnet. Bereinigt um Währungseffekte lag das Wachstum bei 41 Prozent. In Nordamerika, dem größten Markt und wichtigsten Wachstumstreiber von Tonies, stieg der Umsatz um 48 Prozent. In der DACH-Region legte er um mehr als ein Viertel zu. Auch in den übrigen Ländern stiegen die Erlöse.
Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank dagegen um mehr als die Hälfte auf 1,8 Millionen Euro. Die entsprechende bereinigte EBITDA-Marge fiel von 2,1 auf 0,7 Prozent. Hier wirkten sich neue US-Zölle sowie das überproportionale Wachstum bei den Tonieboxen aus. Letzteres bringt zwar vorübergehend eine geringere Bruttomarge mit sich, vergrößert jedoch langfristig die Zahl der installierten Geräte. Die größere installierte Basis generiert im Laufe der Zeit margenstarke Umsätze.
„Während der Verkauf von mehr Tonieboxen vorübergehend zu einer niedrigeren Bruttomarge führt, fördert die wachsende installierte Basis langfristig margenstarke Attach-Umsätze. Strukturell ist das genau das richtige Signal. Wir gehen mit Überzeugung in die zweite Jahreshälfte“, so Finanzvorstand Hansjörg Müller.
Mit Blick auf die Segmente zeigt sich zunehmend die operative Effizienz von Tonies: Die EBITDA-Marge in DACH verbesserte sich im Vorjahresvergleich um 7,9 Prozentpunkte auf 24,4 Prozent. In Nordamerika blieb sie trotz eines ungünstigen Produktmixes mit 1,3 Prozent stabil – ein Zeichen für die operative Reife des wichtigsten Wachstumsmarktes. Im Segment „Rest der Welt“ erhöhte sich die EBITDA-Marge um 3,7 Prozentpunkte.
„Das erste Halbjahr 2026 war stark – in jedem Segment, über alle Kategorien hinweg, und mit unterm Strich 41 Prozent Wachstum“, so Konzernchef Tobias Wann. „Der anhaltende Erfolg der Toniebox 2 zeigt, dass wir zum richtigen Zeitpunkt das richtige Produkt eingeführt haben. Wir konnten unsere installierte Basis erneut deutlich ausbauen. Dies ist eine wichtige Grundlage, um auch künftig stark zu wachsen und Tonies zu einer globalen Ikone zu entwickeln. Mit der Toniebox Lite haben wir international nun erstmals ein zweites Gerät auf dem Markt und erreichen so noch mehr Familien.“
Lizenzpartnerschaft mit dem FC Bayern Müchen
Ganz neu ist dagegen eine Lizenzpartnerschaft mit dem FC Bayern München. Im Rahmen dieser Partnerschaft kommt der Pocket Tonie „Die Welt des FC Bayern“ auf den Markt, der Kindern Einblicke in den Verein und den FC Bayern Campus gibt. Nach jedem Heimspiel sollen regelmäßig neue Inhalte für die Toniebox erscheinen. Die Reihe ist das erste serielle Format in der DACH-Region und kann bei Erfolg ausgeweitet werden.
„Die Lizenzpartnerschaft mit dem FC Bayern ist ein weiterer Beleg dafür, dass Sport für Tonies ein strategisch relevanter Wachstumsbereich ist – mit internationalem Potenzial, das wir gerade erst zu erschließen beginnen“, so Tonies-Vorstand Tobias Wann. Für den Firmenchef ist es eine großartige Formatinnovation auf der Toniebox, mit der das Unternehmen den hohen Ambitionen des deutschen Rekordmeisters gerecht werden will.
Mit Pokémon wurden zudem erstmals Hörbuchinhalte von Pikachu und Co auf die Toniebox gebracht. Außerdem wurde das Portfolio prominenter Partner durch eine Kooperation mit dem US-Rapper Snoop Dogg gestärkt. Inhalte aus dessen Kinderserie „Doggyland“ wurden ebenfalls auf die Toniebox gebracht.
Prognose steht
Für das Gesamtjahr erwartet der Finanzvorstand weiterhin ein währungsbereinigtes Umsatzplus von mehr als 20 Prozent. Die bereinigte EBITDA-Marge soll zwischen neun und elf Prozent liegen. Im Vorjahr hatte sie bei 8,6 Prozent gelegen. Bei einem Umsatz von 765 Millionen Euro und einer bereinigten EBITDA-Marge von 10,8 Prozent könnte am Ende ein Gewinn je Aktie von 0,35 Euro zu Buche stehen.
Fakt ist: Eine wachsende installierte Basis und engere Kundenbeziehungen generieren wiederkehrende und planbare Umsätze. Die starke Dynamik bei den Boxverkäufen im ersten Halbjahr sollte also die Grundlage für eine Beschleunigung der margensteigernden Folgeumsätze im zweiten Halbjahr, insbesondere im entscheidenden vierten Quartal, bilden.
Dabei verfolgt Tonies eine Omnichannel-Strategie, um die Umsätze diversifiziert zu steigern. Der Ausbau der Handelspräsenz ist dabei ein zentraler Hebel: Seit 2019 hat das Unternehmen die Zahl der Verkaufsstellen mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von mehr als 30 Prozent auf heute mehr als 25.000 weltweit gesteigert. Für 2027 sind mindestens zwei weitere Markteintritte geplant. Bis 2030 soll die Marke in allen wichtigen Weltregionen präsent sein. Dann strebt der Vorstand einen Umsatz von mehr als 1,4 Milliarden Euro an; die bereinigte EBITDA-Marge soll auf 16 bis 18 Prozent steigen.
Einige Investoren bemängelten bei den jüngsten Zahlen die schwächere Entwicklung bei Marge und Cashflow – die allerdings nur vorübergehend sein dürfte. Die Aktie arbeitet daher nach einer wohlverdienten Verschnaufpause bereits an der Fortsetzung ihres Aufwärtstrends. DER AKTIONÄR setzt im Real-Depot bereits seit einigen Monaten mit einer Position auf steigende Kurse. Die Position liegt aktuell rund 72 Prozent im Plus. Bei 13,60 Euro würde es den nächsten „Hundertprozenter“ im Depot geben.
Hinweis auf Interessenkonflikte: Aktien von Tonies befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Heute, 13:14
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