Gemini hat sich gewandelt. Die einstige reine Krypto-Börse der Winklevoss-Zwillinge meldet für das erste Quartal 2026 ein deutliches Umsatzplus von 42 Prozent auf 50,3 Millionen Dollar. Der Grund: Das Unternehmen verdient sein Geld immer weniger mit dem reinen Handel von Bitcoin und immer mehr mit klassischen Finanzdienstleistungen.
Besonders das Geschäft mit der hauseigenen Kreditkarte boomt. Der Umsatz in diesem Segment schoss um fast 300 Prozent auf 14,7 Millionen Dollar nach oben. Mittlerweile machen Dienstleistungen und Zinseinnahmen fast die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. Damit zahlt sich die Strategie aus dem Jahr 2021 aus, als Gemini begann, über das Krypto-Ökosystem hinauszuwachsen. Cameron Winklevoss, Präsident von Gemini, gibt sich entsprechend optimistisch: Die Dynamik bei der Diversifizierung der Einnahmen werde sich weiter beschleunigen.
Flaute im Kerngeschäft
Während das Finanzservice-Geschäft glänzt, schwächelt die Krypto-Sparte deutlich. Der Umsatz im Börsenhandel sank im Jahresvergleich um 27 Prozent auf 17,2 Millionen Dollar. Auch das Handelsvolumen brach ein: Von 13,5 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal auf nur noch 6,3 Milliarden Dollar. Gemini steht mit diesem Problem nicht allein da. Auch Wettbewerber wie Coinbase oder Kraken drängen massiv in neue Geschäftsfelder wie den Aktien-Handel oder den regulierten Derivatemarkt, um die Schwankungen der Krypto-Märkte abzufedern.
Wachstum hat seinen Preis
Die Expansion belastet jedoch die Bilanz massiv. Die operativen Ausgaben kletterten um 73 Prozent auf 144,5 Millionen Dollar. Vor allem Marketing, Personal und die Kosten für das Kreditkarten-Wachstum trieben die Ausgaben nach oben. Unter dem Strich steht ein bereinigter EBITDA-Verlust von knapp 60 Millionen Dollar. Um die Kassen zu füllen, griffen die Gründer zuletzt selbst ein: Winklevoss Capital investierte 100 Millionen Dollar – finanziert in Bitcoin – im Tausch gegen Firmenanteile.
Der Weg zum All-in-One-Marktplatz
Langfristig will Gemini mehr sein als ein Nischenanbieter. Mit neuen Lizenzen für den Handel und das Clearing von Derivaten festigt das Unternehmen seine Position als regulierter US-Marktplatz. Ziel ist ein vollständiges Angebot für Krypto-Trading, Optionen und Prognosemärkte aus einer Hand. Die Anleger feierten die Zahlen: Die Aktie legte am Donnerstag nachbörslich um bis zu 30 Prozent zu. Dennoch bleibt die Bilanz an der Börse mit einem Minus von rund 20 Prozent seit Jahresbeginn tiefrot.
Nachdem die Aktie seit dem IPO um bis zu 90 Prozent gefallen ist, ist diese Neuigkeit ein richtiger Befreiungsschlag. Sollte sich Gemini weiterhin eher in Richtung Finanzdienstleister statt Krypto-Börse entwickeln, könnte sich dies – vor allem mit der anstehenden regulatorischen Klarheit durch den Clarity Act – definitiv auszahlen. Aktuell drängt sich ein Einstieg allerdings noch nicht auf. Stattdessen favorisiert DER AKTIONÄR die in Ausgabe 19/26 empfohlenen Krypto-Aktien.
Heute, 09:30