Kurz vor der Veröffentlichung der Jahreszahlen am Donnerstag nach Börsenschluss schlug die Citigroup am Mittwoch Alarm. Analyst Peter Christiansen stufte die Aktie von „Neutral“ auf „Sell“ herunter und drittelte das Kursziel nahezu: Statt 13 Dollar sieht er den Wert der Aktie nun bei lediglich 5,50 Dollar.
Die Reaktion des Marktes folgte prompt. Bereits vor Handelsbeginn rutschten die Anteile um 5,1 Prozent ab. Damit setzte sich der negative Trend des laufenden Jahres fort, in dem die Aktie bereits 28 Prozent ihres Wertes eingebüßt hat. Doch erst zum Handelsschluss zeigte sich das Ausmaß der Analystenstimme. Ein Minus von über 16 Prozent.
Wachstumsmodell am Limit
Der Grund für den Pessimismus: Das Geschäftsmodell von Gemini leidet massiv unter der Abkühlung am Kryptomarkt. Seit dem Börsendebüt im vergangenen September ist der Bitcoin-Kurs um rund 40 Prozent eingebrochen. Weniger Krypto-Euphorie bedeutet weniger Handelsvolumen – und das ist das Herzstück der Gemini-Bilanz.
Die Prognosen zur Profitabilität verschieben sich derweil in die Ferne. Während die Citi zuvor davon ausging, dass Gemini bis 2028 ein positives EBITDA erreichen könnte, wurde dieser Zeitplan nun auf 2029 oder später korrigiert. Für das laufende Jahr rechnet Christiansen mit einem operativen Verlust von 263 Millionen Dollar. „Wir haben zunehmend Bedenken, dass das Unternehmen die Profitabilität in einem für Aktienanleger akzeptablen Zeitrahmen erreichen kann“, so der Analyst.
Nutzerschwund bei Gemini
Besonders kritisch sind die Daten zur Nutzerbindung. Die Zahl der monatlich aktiven Besucher sinkt seit dem IPO kontinuierlich. Besonders alarmierend: Im Februar verzeichnete die App lediglich 41.000 Downloads. Zum Vergleich: In den neun Monaten zuvor lag dieser Wert konstant bei über 100.000. Ohne neue Impulse am Gesamtmarkt dürfte es für die Plattform schwer werden, diesen Negativtrend zu stoppen.
Personalabgänge und Sparzwang
Das Management unter den Winklevoss-Zwillingen versucht gegenzusteuern. Zuletzt verkündete Gemini einen Stellenabbau von 25 Prozent und den Rückzug aus den Märkten in Großbritannien, Europa und Australien. Gleichzeitig verließen mit dem COO, dem CFO und dem Chef-Justitiar drei Schlüsselpersonen das Unternehmen. Die Gründer rechtfertigten den Rückzug mit einer zu hohen operativen Komplexität, die das Unternehmen ausbremse.
Die Sparmaßnahmen von Gemini wirken bislang lediglich wie ein Versuch, die Zeit bis zur Zahlungsunfähigkeit zu verlängern, statt das Geschäftsmodell nachhaltig zu sanieren. Der Markt wartet nun gespannt auf die Zahlen. Anleger meiden die Aktie.
Heute, 15:58