Tyler Winklevoss gibt den Zweckoptimisten. Während die Stimmung am Krypto-Markt einen Tiefpunkt erreicht hat, zeigt sich der Mitgründer der Börse Gemini zuversichtlich. Die internen Daten und personellen Veränderungen zeichnen jedoch ein anderes Bild. Die Krypto-Börse steckt in einer tiefgreifenden Umstrukturierung, die von einem massiven Management-Exodus begleitet wird.
Innerhalb von nur zwei Wochen verlor das Unternehmen einige seiner wichtigsten Führungskräfte. Der operative Chef (COO), der Finanzvorstand (CFO) und der Chefjurist haben Gemini verlassen. Der Grund für die Unruhe an der Spitze dürfte in der operativen Entwicklung liegen. Cameron Winklevoss muss nun wesentliche Aufgaben des Tagesgeschäfts selbst übernehmen, während Interims-Manager die vakanten Positionen besetzen.
Kosten laufen den Einnahmen davon
Gemini erwartet für das Jahr 2025 einen Nettoumsatz zwischen 165 Millionen und 175 Millionen Dollar. Das wäre zwar eine Steigerung gegenüber den 141 Millionen Dollar im Vorjahr, reicht aber bei weitem nicht aus, um die Kosten zu decken.
Die Betriebsausgaben sind massiv gestiegen. Diese kletterten auf schätzungsweise 520 Millionen bis 530 Millionen Dollar an. Im Jahr zuvor lagen sie noch bei 308 Millionen Dollar. Während die Nutzerbasis um 17 Prozent auf 600.000 monatlich aktive Kunden wuchs, hielt die Umsatzentwicklung nicht mit dem Ausgabenwachstum Schritt. Diese Diskrepanz zwingt das Unternehmen nun zu harten Einschnitten.
Rückzug aus globalen Märkten
Die Konsequenz aus der Schieflage ist ein radikaler Schrumpfkurs. Gemini entlässt rund ein Viertel seiner Mitarbeiter. Parallel dazu gibt das Unternehmen wichtige internationale Standorte auf. Die Börse zieht sich aus der Europäischen Union, Großbritannien und Australien zurück, um sich auf die Kernmärkte USA und Singapur zu konzentrieren.
Auch die Relevanz am Markt schwindet. Laut Daten von Bloomberg sank der Marktanteil von Gemini im weltweiten Spot-Handel von 0,6 Prozent im Juni 2025 auf nur noch 0,1 Prozent im Januar. Der Marktwert des Unternehmens, der einst mit fast 4 Milliarden Dollar beziffert wurde, liegt nun bei unter 700 Millionen Dollar. Um gegenzusteuern, plant Gemini eine Neuausrichtung hin zu regulierten Prognosemärkten sowie Verwahr- und Kreditkartendiensten.
Winklevoss-Bestände unter der Lupe
Während Tyler Winklevoss öffentlich Zuversicht predigt, agiert seine Investmentfirma Winklevoss Capital defensiv. Onchain-Daten zeigen, dass das Unternehmen seine Bitcoin-Bestände im letzten Jahr kontinuierlich reduziert hat. Von rund 23.000 Bitcoin im Februar 2025 sank der Bestand auf unter 11.000 Bitcoin im Februar 2026.
Gemini befindet sich in einer kritischen Phase der Selbstfindung. Das personelle Vakuum an der Spitze und die explodierenden Betriebskosten belasten die Glaubwürdigkeit der Wachstumsversprechen. Der Rückzug aus globalen Märkten und der sinkende Marktanteil deuten darauf hin, dass die Börse derzeit eher mit Schadensbegrenzung als mit Expansion beschäftigt ist. Anleger meiden die Aktie.
Heute, 12:11