Thyssenkrupp rückt vorerst von einem Verkauf der Stahlsparte an den indischen Konzern Jindal ab. Wie beide Seiten am Wochenende mitteilten, werden die seit September laufenden Gespräche pausiert. Stattdessen soll der Umbau des Stahlbereichs nun aus eigener Kraft weiter vorangetrieben werden. Ziel bleibt, das Geschäft nachhaltig profitabel aufzustellen. An einer mittelfristigen Trennung hält der Konzern jedoch fest.
Ausschlaggebend für den Kurswechsel sind verbesserte Rahmenbedingungen in Europa sowie Fortschritte bei der Restrukturierung. Rückenwind kommt insbesondere aus Brüssel: Die EU betont die strategische Bedeutung der Stahlproduktion für stabile Lieferketten und signalisiert stärkeren Schutz vor globalen Überkapazitäten und Dumping. Gleichzeitig soll der Wandel hin zu klimafreundlicher Produktion forciert werden.
Konzernchef Miguel López sieht Thyssenkrupp Steel auf einem guten Weg. Nach Einigungen innerhalb des Unternehmens, mit Arbeitnehmervertretern und der Politik seien die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft so günstig wie lange nicht mehr.
„Wir haben immer gesagt: Stahl ist Zukunft. Und ein zukunftsfähiges Geschäft ist ein werthaltiges Geschäft“, erklärte López. „Nachdem wir uns im eigenen Unternehmen, mit den Tarifpartnern und mit der Politik in Deutschland und Europa im Grundsatz geeinigt haben, sind die Voraussetzungen für eine profitable Fortführung von Thyssenkrupp Steel so gut wie lange nicht mehr.“
Langfristig strebt Thyssenkrupp eine Verselbstständigung der Stahlsparte an, möglicherweise mit einer Minderheitsbeteiligung. Jindal habe sich in den Gesprächen zwar konstruktiv gezeigt, dennoch habe man sich gemeinsam entschieden, die Verhandlungen vorerst zu stoppen.
Die Aktie von Thyssenkrupp hat sich zuletzt stark gezeigt. Am Donnerstag ging sie mit einem Plus von fünf Prozent aus dem regulären Handel. Unterstützung erhielt das Papier von der Meldung, dass der finnische Aufzugshersteller Kone TK Elevator kauft. Die Bewertung ist auch für die ehemalige Mutter Thyssenkrupp sehr erfreulich. Charttechnisch stehen die Ampeln nun auf grün, nachdem zuletzt auch der Sprung über die 50-Tage-Linie gelang. Allerdings dürfte sie heute zunächst schwächer in den Handel starten. Ohnehin gilt: Trotz des jüngsten Kurssprungs gibt es attraktivere Investments als Thyssenkrupp.
Heute, 07:23