Wolfsburg setzt im Kampf um die digitale Vorherrschaft auf US-Technologie. Durch eine neue strategische Partnerschaft mit dem Chip-Riesen Qualcomm will Volkswagen die nächste Generation seiner Software-Architektur absichern. Während der Konzern technologisch aufrüstet, bleibt die Lage jedoch angespannt.
Volkswagen und Qualcomm haben eine weitreichende Absichtserklärung unterzeichnet, um die digitale Transformation des Wolfsburger Traditionskonzerns zu beschleunigen. Im Kern geht es um die Belieferung mit hochmodernen System-on-Chips (SoCs) der Snapdragon-Digital-Chassis-Serie. Diese sollen ab dem Jahr 2027 die Basis für das Infotainment und die Konnektivität in der neuen, zonalen Fahrzeugarchitektur bilden. Entwickelt wird dieses System maßgeblich durch das milliardenschwere Joint Venture mit dem US-Elektroauto-Pionier Rivian. Ziel ist es, das sogenannte „Software-Defined Vehicle“ (SDV) zur Realität werden zu lassen, bei dem Funktionen über zentrale Rechner gesteuert und per Funk aktualisiert werden können.
Karsten Schnake, Beschaffungsvorstand der Marke Volkswagen, betonte bei der Bekanntgabe, dass Infotainment-Lösungen und Assistenzsysteme heute einen immer größeren Anteil am Fahrzeugwert ausmachen. Durch die langfristige Vereinbarung mit Qualcomm sichert sich der Konzern den Zugriff auf essenzielle Halbleiter und KI-Technologien. Neben dem Infotainment wird die Zusammenarbeit auch auf das automatisierte Fahren ausgeweitet. In der Automated Driving Alliance (ADA), an der auch Bosch beteiligt ist, soll Qualcomms leistungsstarke Snapdragon-Ride-Elite-Plattform zum Einsatz kommen. Diese ermöglicht laut Volkswagen eine extrem schnelle Sensorverarbeitung und Echtzeit-Entscheidungen für hochautomatisiertes Fahren, was konzernweit über alle Marken und Preisklassen hinweg skaliert werden soll.
Trotz dieser technologisch beeindruckenden Roadmap bleibt die Stimmung unter den Anlegern frostig. Volkswagen blickt auf ein extrem schwieriges Jahr 2025 zurück, in dem die Prognosen mehrfach gesenkt werden mussten. Die operative Umsatzrendite sackte auf magere zwei bis drei Prozent ab, belastet durch Restrukturierungskosten, Absatzrückgänge in China und die Schwäche der Sportwagentochter Porsche. Zwar verspricht das Jahr 2026 eine leichte operative Erholung, doch die finanzielle Lücke ist mit einer erwarteten Cashflow-Belastung von mehreren Milliarden Euro gewaltig.
Technologisch stellt Volkswagen mit Qualcomm und Rivian die richtigen Weichen, doch an der Börse zählt die nackte Realität der Zahlen. Aufgrund den massiven Belastungen durch die Restrukturierung und des dramatischen Margenverfalls sollten Anleger eher an der Seitenlinie bleiben. DER AKTIONÄR favorisiert hingegen die Aktien von Mercedes-Benz und BMW.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz., Mercedes-Benz.
08.01.2026, 19:05