Waymo fährt seit gestern in 14 US-Städten, Zoox testet künftig in zwölf Märkten, und am Donnerstag steht Tesla in Austin auf der Bühne. Drei Meldungen, drei Reifegrade – und eine klare Rangordnung, wenn man weiß, worauf man schaut.
Am 3. September zeigt Tesla in Austin den Cybercab, einen Zweisitzer ohne Lenkrad und Pedale, gebaut seit Februar in der Gigafactory Texas. Zwei Tage zuvor hat Waymo Denver, San Diego und Tampa auf bezahlten Betrieb umgestellt, Amazons Tochter Zoox kündigte Tests in Houston und San Diego an. Für Anleger zählt weniger, wer die schönste Technik zeigt, als wo in der Wertschöpfungskette das Geld verdient wird.
Waymo: Der Maßstab, an dem alles gemessen wird
Waymo fährt in 14 US-Städten, hält mehr als 4.000 Fahrzeuge im Einsatz und kommt auf rund 500.000 bezahlte Fahrten pro Woche. Bis Jahresende soll sich dieser Wert verdoppeln. Bis Ende März 2026 weist der Alphabet-Ableger über 220 Millionen autonome Meilen aus, mit 94 Prozent weniger Unfällen mit schweren oder tödlichen Verletzungen als menschliche Fahrer im selben Umfeld. Im Februar kamen 16 Milliarden Dollar frisches Kapital dazu, bei einer Bewertung von 126 Milliarden Dollar. Das ist der Maßstab für Donnerstag.
Tesla: Drei Zahlen, auf die es beim Cybercab ankommt
Tesla kassiert bereits in sechs US-Städten für Fahrten und hat die Zone in Dallas zuletzt um die Hälfte ausgeweitet. Am 31. August standen 45 Cybercabs im texanischen Fahrzeugregister. Drei Größen entscheiden über die Substanz: die zugelassene Flotte, der Fahrzeugpreis, gemessen an der Zusage von unter 30.000 Dollar aus dem Jahr 2024, und ob der Sicherheitsbegleiter aussteigt. Fehlt eine davon, ist es eine Produktvorstellung, keine Betriebsmeldung.
Uber: Die Ebene, die im Trubel untergeht
Die Wertschöpfung verteilt sich auf drei Ebenen: Technik, Betrieb und Nachfrage. Uber sitzt auf der dritten Ebene und muss nicht wissen, welche Technik gewinnt – die Plattform vermittelt Waymo, Zoox, Wayve, Baidu, Pony und WeRide gleichermaßen und hält den Kundenzugang. Die Kehrseite: Autonome Fahrten machen bislang einen verschwindenden Anteil aus, und die Partner bauen zugleich eigene Apps.
Volkswagen: Der europäische Teil derselben Woche
Waymos Ankündigung für München im August gehört in dieselbe Bewegung: Start Ende 2027, eine Testgenehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts liegt bislang nicht vor. Schon in den kommenden Wochen sollen erste Fahrten das Straßennetz digital kartieren, parallel bildet Waymo lokale Fachleute aus und passt die Software an den Münchner Verkehr an. Operativ vorn ist in Europa ein anderer. Die VW-Tochter MOIA fährt seit Juli in Hamburg mit autonomen ID.-Buzz-Bussen und testet in Los Angeles mit Uber.
Gemessen an den Bewertungen der Beteiligten ist der Markt winzig. Goldman Sachs Research veranschlagt das US-Volumen für 2027 auf rund drei Milliarden Dollar, für 2030 auf 19 Milliarden Dollar und für 2035 auf 48 Milliarden Dollar. Bei Alphabet und Tesla bewegt das auf Jahre keine Gewinnreihe, sondern eine Erzählung. Gewerkschaften warnen vor Arbeitsplatzverlusten, Sicherheitsverbände fordern offengelegte Unfalldaten, und bei Unwetter oder Baustellen blockieren die Fahrzeuge weiterhin den Verkehr.
Diese Woche verschiebt keine Gewinnreihe, sie verschiebt die Rangordnung. Wer am Donnerstag zuhört, achtet auf drei Dinge: die Flottenzahl gegen Waymos mehr als 4.000 Fahrzeuge, den Fahrzeugpreis gegen die Zusage von unter 30.000 Dollar und die Frage, ob im Cybercab noch ein Mensch mitfährt. Alles andere ist Bühne.
DER AKTIONÄR bleibt für Alphabet und Uber zuversichtlich. Die Aktie von Alphabet bleibt ein Basisinvestment, mit Langfristhebel durch Waymo. Für Uber könnte das aktuelle Kursniveau eine interessante Einstiegsgelegenheit für spekulativ ausgerichtete Anleger mit Weitblick bieten. Ein Stopp bei 56,50 Euro sichert ab.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Tesla.
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