02.08.2019 Benedikt Kaufmann

Infineon: Trotz solider Q3-Zahlen kochen jetzt Konjunkturängste hoch

-%
Infineon Technologies
Trendthema

Infineon schlägt sich trotz des schwachen Gesamtmarktes gut und hat im dritten Quartal die Erwartungen übertroffen. Jetzt hängt alles davon ab, ob eine Nachfrageerholung tatsächlich kommt. Nach der Erhöhung der US-Zölle und verhaltenen Aussagen des Managements sehen Anleger dies deutlich pessimistischer. Die Aktie verliert im frühen Handel über drei Prozent.

Zahlen im Überblick

Im Vergleich zum Vorjahr konnte Infineon im dritten Quartal die Erlöse um vier Prozent auf rund 2,02 Milliarden Euro steigern. Zum Vorquartal verzeichnete der Chiphersteller immerhin noch ein Plus von zwei Prozent und lag damit im Rahmen der eigenen Erwartungen. Infineon profitierte dabei auch vom stärkeren US-Dollar.

Das operative Ergebnis ging im Jahresvergleich jedoch um elf Prozent auf 317 Millionen Euro zurück. Zum Vorquartal stand ein Minus von fünf Prozent zu Buche, auch weil Infineon Kosten für frühere Übernahmen, unter anderem des US-Konzerns International Rectifier, verbuchen musste. Analysten hatten mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet.

Unter dem Strich verdiente Infineon im dritten Quartal 224 Millionen Euro. Der Überschuss sank damit im Jahresvergleich um 17 Prozent und zum Vorquartal um drei Prozent. Aufgrund der teils starken Schwankungen werden Geschäftszahlen in der volatilen Chipbranche jedoch üblicherweise mit dem Vorquartal verglichen.

Zugpferde Automotive & IPC

In der Sparte mit Chips für die Autoindustrie (ATV), die fast die Hälfte des Gesamtumsatzes ausmacht, verzeichnete Infineon mit einem Zuwachs von sechs Prozent zum Vorjahr das größte Wachstum. Allerdings fiel die Steigerung zum Vorquartal mit nur einem Prozent gering aus.

„Auch wir haben ein deutlich geringeres Wachstum zu verzeichnen“, sagte Vorstandschef Ploss. Infineons Vorteil sei jedoch, dass der Halbleiteranteil im Auto sehr stark steige. Mit Technik für assistiertes und elektrisches Fahren bediene das Unternehmen zudem Felder, die andere Wettbewerber so nicht bedienen könnten.

In der Sparte IPC, die Chips für die Industrie liefert, erwies sich die deutlich gestiegene Nachfrage in den Bereichen Fotovoltaik und Wind als Treiber. Der Umsatzanstieg in der PMM-Sparte lag laut Mitteilung an der saisonal steigenden Nachfrage nach Chips für mobile Endgeräte. In der PMM-Sparte ist unter anderem das Geschäft mit Chips für die Stromversorgung sowie mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets gebündelt.

Prognose bestätigt

Obwohl die Flaute an den Automärkten und das schwächere Wachstum in China auch am DAX-Konzern nicht spurlos vorbeigehen, zeigte sich Vorstandschef Reinhard Ploss zufrieden. Der Manager bestätigte die im März gekappte Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2018/2019 (per Ende September).

„Die strukturellen Treiber in unseren Zukunftsmärkten sind intakt und die langfristige Wachstumsperspektive ist weiterhin gut“, erklärte Ploss. Infineon plant deshalb weiter Investitionen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro, unter anderem für den Ausbau der Fertigungskapazitäten.

Bedenklich stimmen dagegen die Aussagen des Managements, dass die Konjunkturschwäche im Halbleitermarkt nicht 2019, sondern erst 2020 beendet sein soll. Erst dann erwarte man erste Anzeichen einer Erholung.

Infineon bleibt stark konjunkturabhängig, kann jedoch von einem starken Dollar profitieren. Mit der Einführung von US-Strafzöllen von zehn Prozent auf chinesische Einfuhren von 300 Milliarden Dollar wird die Konjunktur geschwächt und der Dollar gestärkt.

Die Sorgen vor einer durch den Handelskonflikt ausgelösten wirtschaftlichen Abkühlung ist am Markt jedoch die klar vorherrschende Angst. Die Erwartungen an eine Nachfrageerholung im zweiten Halbjahr sind nach den neuen Zöllen und den verhaltenen Aussichten der Unternehmensführung wieder niedriger.

Langfristig bleibt Infineon aufgrund seiner führenden Rolle auf zahlreichen Zukunftsmärkten jedoch eine solide Investition.

Infineon Technologies (WKN: 623100)

Mit Material von dpaAFX.


Hinweis nach §34 WPHG zur Begründung möglicher Interessenkonflikte: Akien oder Derivate, die in diesem Artikel besprochen / genannt werden, befinden sich im "Real-Depot" von DER AKTIONÄR.