Die Cloud-Anbieter werden als Gewinner des KI-Booms vom Markt noch immer unterschätzt. Zu diesem Schluss kommt am Freitag das Analystenhaus Truist Securities. Angesichts der milliardenhohen Auftragsbestände haben die Experten ihre Kursziele für beide Tech-Giganten angehoben. Wie viel Potenzial steckt bei Alphabet und Amazon noch drin?
Für Amazon steigt das Kursziel auf 320 Dollar, für Alphabet auf 430 Dollar. Damit sehen die Analysten ein moderates zweistelliges Aufwärtspotenzial innerhalb der nächsten 52 Wochen. Das obere Ende der Kurszielspanne liegt laut dem Analystenkonsens bei Bloomberg hingegen für Amazon bei 370 Dollar und für Alphabet bei 515 Dollar.
Entscheidend für die Kurszielanhebung von Truist Securities ist die Einschätzung, dass der Markt die Wachstumsdynamik von AWS und Google Cloud noch immer zu konservativ bewertet. Analyst Youssef Squali verweist auf die prall gefüllten Auftragsbücher und zahlreiche neue Deals. Die Konsensschätzungen für die künftigen Umsätze lägen deshalb deutlich zu niedrig. Beide Firmen dürften „schneller und länger wachsen als bislang erwartet“. Die höheren Investitionsausgaben von Amazon und Alphabet seien deshalb "zunehmend mit geringeren Risiken" behaftet, heißt es in seiner aktuellen Studie.
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Volle Auftragsbücher bei AWS und Google Cloud
Besonders bullish ist Truist für das Wachstum von Google Cloud. Nach 63 Prozent Umsatzplus im ersten Quartal könnte die Sparte bis Jahresende sogar Wachstumsraten im mittleren 80-Prozent-Bereich erreichen. Damit würde sich der drittgrößte Cloud-Anbieter zunehmend als Alternative zu Amazons AWS (Platz 1) und Microsofts Azure (Platz 2) etablieren.
Für AWS sieht auch die UBS erhebliches Potenzial. Die Schweizer Bank geht davon aus, dass AWS im Bereich Künstliche Intelligenz deutlich stärker wächst als bislang eingepreist. Allein die KI-Plattform Bedrock soll inzwischen über einen Auftragsbestand von rund 35 Milliarden Dollar verfügen – ein Plus von rund 300 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Laut der am Mittwoch veröffentlichten Studie erwartet der UBS-Analyst Stephen Ju für AWS 2026 ein Umsatzwachstum von 36 Prozent auf 176 Milliarden Dollar. Damit liegt er weit über dem Konsens der Wall Street, wonach das Cloud-Wachstum auf 30 Prozent geschätzt wird.
Außerdem hat Amazon einen Trumpf in der Hand: Der Konzernchef Andy Jassy fährt nämlich eine Doppelstrategie. Einerseits bietet Amazon seine Cloud-Plattform auf Basis von Nvidia-Chips an und profitiert hier von einer immensen Nachfrage. Andererseits baut Amazon mit den hauseigenen Trainium-Prozessoren ein eigenes KI-Ökosystem für preisbewusste Kunden auf. Die Chipsparte wuchs im ersten Quartal um fast 40 Prozent und generiert inzwischen einen annualisierten Umsatz von mehr als 20 Milliarden Dollar. Die Zusagen für Trainium-basierte KI-Projekte summieren sich sogar auf über 225 Milliarden Dollar – der Großteil davon stammt von Anthropic und OpenAI.
Die Aufträge bei Cloud-Giganten explodieren – das tatsächliche Ertragspotenzial dürfte höher liegen als bisher angenommen. Alphabet und Amazon zählen weiter zu den laufenden Empfehlungen des AKTIONÄR. Die starke Verfassung der Mag-7-Aktien zeigt sich auch bei Apple: Der Kurs klettert im Zuge der laufenden Tech-Rally am Freitag auf ein neues Rekordhoch bei 315 Dollar.
Wer nicht auf einzelne Gewinner setzen möchte, kann mit dem Magnificent 7 Index des AKTIONÄR breit gestreut an der Entwicklung der sieben dominierenden Technologiekonzerne partizipieren. Alle Informationen zum Index sowie den verschiedenen Investitionsmöglichkeiten von konservativ bis spekulativ finden Sie hier.
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Heute, 20:38