Monatelang nur Korrektur. Zäher Handel, wenig Fantasie. Heute dreht die Telekom-Aktie und springt über die 200-Tage-Linie. Parallel setzt der Konzern in München einen dicken Marker: über eine Milliarde Euro, Nvidia, SAP, Politik auf der Bühne. Aber reicht das, um den Chart auch morgen noch zu tragen?
In München nimmt die Deutsche Telekom ihre erste große KI-Fabrik in Betrieb – gemeinsam mit Nvidia und SAP. Investitionsvolumen: über eine Milliarde Euro. Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil nennt das Rechenzentrum einen Baustein für Deutschlands Zukunftsmodell. „Technologische Führung muss im Kern des künftigen Geschäftsmodells Deutschlands stehen.“ Und weiter: „Das ist ein wichtiger Pfeiler für das deutsche und europäische KI-Ökosystem. Das stärkt digitale Souveränität.“
Die Telekom trifft damit einen Nerv. In Deutschland wächst der Druck, bei sensiblen Daten nicht komplett von US-Konzernen abhängig zu sein.
Auch Konzernchef Tim Höttges setzt auf klare Ansagen. „Wir beweisen hier, dass Europa auch Künstliche Intelligenz kann“, sagt er zur Eröffnung. Für das Rechenzentrum wurden 10.000 Grafikprozessoren von Nvidia angeschafft. Die Kapazität soll vor allem KI-Anfragen aus Unternehmen in der Umgebung bedienen.
Dazu kommt der sogenannte Deutschland-Stack: Anwendungen, bei denen Daten besonders stark gesichert werden. Zu den ersten Kunden und Partnern gehören unter anderem Siemens sowie Agile Robots. Zudem kooperiert die Telekom mit Perplexity. Auch PhysicsX ist zum Start dabei.
Die KI-Fabrik ist laut Telekom mit den bisherigen Kunden bereits über ein Drittel ausgelastet.
Blick auf Risiken
Citi hatte zuletzt auf schärferen Wettbewerb in den USA, Dollarrisiken und rückläufige Netto-Neukundenzahlen im deutschen Breitbandgeschäft verwiesen. Gleichzeitig könnte die US-Tochter T-Mobile US beim Kapitalmarkttag am 11. Februar für die nächsten zwei Jahre robustes Wachstum in Aussicht stellen.
UBS sieht nach der Kursschwäche seit Mitte des Vorjahres eine mögliche Trendwende und bleibt bei „Kaufen“ mit Kursziel 35,70 Euro. Barclays bleibt ebenfalls bei „Kaufen“, senkt das Kursziel aber leicht auf 38,50 Euro.
Zwei Signale auf einmal: Industriewumms in München, technisches Signal an der Börse. Für AKTIONÄR-Leser bedeutet das endlich wieder Rückenwind für die laufende Empfehlung. Jetzt muss sich zeigen, dass aus dem Projekt mehr wird als Schlagzeilen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Deutsche Telekom.
Heute, 18:55