Christian Scheid zieht nach dem Start von Trading Journal Premium eine Zwischenbilanz. Im Interview verrät der Top-Trader, welche Branchen und Trends er im Börsenjahr 2026 besonders im Fokus hat.
Christian Scheid ist Trader aus Leidenschaft und seit fast 30 Jahren an der Börse aktiv. Mit seinem Börsenbrief Trading Journal Premium begleitet er ein aktiv gemanagtes Echtgeld-Depot und nutzt Chancen, die sich aus News, Momentum und Volatilität ergeben, long wie short, mit Aktien und ausgewählten Derivaten. Im Interview blickt Scheid auf den Start im Frühjahr 2025 zurück, spricht über seine besten Trades und den Umgang mit Rückschlägen. Darüber hinaus ordnet er das aktuelle Marktumfeld ein und verrät, bei welchen Branchen und Trends seiner Meinung nach im Börsenjahr 2026 die größten Chancen liegen.
DER AKTIONÄR: Wie fällt dein Fazit nach dem Start von Trading Journal Premium Ende April 2025 aus?
Christian Scheid: Der Startzeitpunkt war im Nachhinein betrachtet herausfordernd. Denn das Projekt war alles andere als ein Selbstläufer – das Marktumfeld war nervös, die Volatilität hoch, politische Schlagzeilen dominierten. In der Folge ist der Aktienmarkt beinahe zeitgleich mit dem Start des Trading Journal Premium am 29. April 2025 in eine Seitwärtsphase übergegangen. Das ist gut abzulesen am DAX, der zwischen Anfang Mai und Ende Dezember vergangenen Jahres, also immerhin 8 Monate, in einer Spanne zwischen rund 23.000 und 24.700 Punkten schwankte.
Was war in den ersten Monaten die größte Herausforderung beim Aufbau des Echtgelddepots in einem so volatilen Marktumfeld?
Angesichts dieser volatilen Seitwärtsphase musste ich reagieren, da Aktien kaufen und wenig später mit Gewinn wieder verkaufen nur eingeschränkt funktionierte. Stattdessen waren Produkte gefragt, mit denen sich auch in Seitwärtstrends Geld verdienen lässt. Der Zertifikate-Markt bot dafür passende Möglichkeiten, sodass sich schnell Erfolge einstellten. Schon nach wenigen Wochen lag das Echtgeld-Depot prozentual zweistellig im Plus. Vor allem Inline-Optionsscheine auf BioNTech und Rheinmetall lieferten attraktive Erträge.
Gab es einen Trade, der komplett gegen dich lief – und welche konkrete Lehre hast du daraus gezogen?
Klar, es gab auch negative Trades. Vor allem im Frühsommer folgten Rückschläge. Besonders die Turbos auf die Aktien von LVMH und Redcare Pharmacy erwiesen sich als Fehlgriff. Diese Phase zeigte, dass selbst gut begründete Ideen im falschen Timing belasten können. Entscheidend war, dass nicht hektisch reagiert wurde. Geduld und Ausdauer wurden belohnt.
„Große Chancen entstehen oft dann, wenn Märkte nervös sind und viele Anleger zögern.“
Was bedeutet das in Zahlen ausgedrückt?
Gegen Ende des Jahres 2025 hat das Echtgeld-Depot neue Höchststände erreicht und zwischenzeitlich sogar die Marke von 22 Prozent Plus übersprungen. Nach Steuern verblieben circa 18 Prozent Plus. Damit wurde der DAX, der vom 29. April bis zum Jahresende um circa 9,2 Prozent zugelegt hat, deutlich geschlagen.
Wie gehst du grundsätzlich mit Verlusttrades um – und ab wann ziehst du konsequent die Reißleine?
Ich scheue nicht davor zurück, Positionen mit Verlust glattzustellen. Dabei spielen Stoppkurse nur eine untergeordnete Rolle, da ich das Echtgelddepot aktiv manage. Sie gelten immer nur als Indikation. Wird ein Stoppkurs erreicht, stelle ich die Position auf den Prüfstand. Allerdings ziehe ich die Reißleine nur dann, wenn die ursprüngliche Idee, warum ich den Trade eingegangen bin, nicht mehr intakt ist.
Welche Trades waren seit Start deine größten Volltreffer?
Seit dem Start des Echtgelddepots konnte ich mehrere Verdoppler verzeichnen – also Trades, bei denen ein Gewinn von 100 Prozent oder mehr angefallen ist. Neben dem genannten Rheinmetall-Inliner lieferte ein weiterer Inline-Optionsschein auf Novo Nordisk eine Rendite von fast 130 Prozent. Ebenfalls gut aufgegangen ist ein Trade mit einem Commerzbank-Discount-Call mit einem Gewinn von rund 64,5 Prozent. Beide Trades stehen exemplarisch für den Ansatz des Jahres 2025: nicht jeder Bewegung hinterherjagen, sondern Marktmechanik nutzen. In diesem Stil möchte ich die Erfolgsstory fortsetzen.
Welche Marktphase erwartest du für 2026 – und welche Themen/Branchen willst du besonders aktiv spielen?
Gerade in den ersten Wochen des Jahres hat der DAX wieder Schwung nach oben aufgenommen. In Deutschland haben Zykliker die besten Chancen, etwa Maschinenbau, Industrie und spezialisierte Autozulieferer. International sehe ich Goldminen und Biotechnologie vorn. Goldminen sind fundamental deutlich günstiger bewertet als das Edelmetall selbst und sollten bei weiter steigenden Goldpreisen überproportional profitieren. Biotechnologie dürfte 2026 zudem durch M&A getrieben werden, da Big Pharma vor massiven Patentabläufen steht und gleichzeitig über volle Kriegskassen verfügt. Vor diesem Hintergrund habe ich Anfang 2026 gleich zwei spannende Übernahmekandidaten ins Echtgelddepot gekauft, von denen ich mir sehr viel erwarte.
Was sind deine konkreten Ziele und Pläne für 2026 – im Depot, in der Strategie und beim Service für deine Leser?
2026 wird stärker als 2025 unter der Frage stehen, ob wir uns in einer KI-Blase befinden. Das Jahr dürfte von großen Bewegungen geprägt sein, aber nicht zwingend von einem Trendbruch. Entscheidend wird sein, Hype und Realität zu unterscheiden und konsequent dort zu investieren, wo Bewertungen noch nicht völlig von der operativen Entwicklung losgelöst sind. In diesem Sinne möchte ich für meine Leser wieder eine deutlich positive Rendite erreichen, die idealerweise über dem liegt, was der Gesamtmarkt liefert, und diese mit dem richtigen Timing in gewinnbringende Trades umsetzen.
Dieser Artikel ist in DER AKTIONÄR Nr. 08/2026 erschienen, welches Sie hier als PDF gesamt herunterladen können.
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