Der DAX hat am Mittwoch einen weiteren Anlauf auf sein Rekordhoch bei 25.508 Punkten genommen, am Ende aber knapp den Rückwärtsgang eingelegt. Während die KI-Euphorie und fallende Ölpreise zeitweise für Rückenwind sorgten, verhinderten widersprüchliche Meldungen rund um den Iran-Konflikt den großen Befreiungsschlag. DER AKTIONÄR liefert den Überblick über die wichtigsten Kurstreiber des Tages.
Der deutsche Leitindex schloss minimal 0,03 Prozent tiefer bei 25.178 Punkten. "Der Pfad zu neuen Höchstständen bleibt schwierig, solange im Iran-Konflikt noch keine diplomatischen Rauchzeichen der Entspannung aufsteigen", kommentiert der Finanzmarktanalyst Timo Emden den Tag an der Frankfurter Börse. Der deutsche Mid-Cap-Index MDAX präsentierte sich dagegen deutlich stärker und gewann 0,95 Prozent auf 33.009 Zähler und erreichte ein neues Allzeithoch.
Ein deutlicher Rückgang beim Ölpreis hatte die Stimmung am Nachmittag aufgehellt. Berichte über ein mögliches Memorandum zwischen Washington und Teheran sowie die Hoffnung auf eine baldige Wiederöffnung der Straße von Hormus ließen den Brent-Preis zeitweise um fast fünf Prozent einbrechen. Damit rückten Inflationssorgen vorerst in den Hintergrund und Anleger griffen beherzt zu. Das Weiße Haus verpasste der Euphorie allerdings rasch einen Dämpfer: Die Berichte über ein mögliches Abkommen seien „vollständig erfunden“.
KI treibt Tech-Werte: Infineon verspielt 80-Euro-Chance
Großer Kurstreiber blieb heute vor allem das Thema KI. Die starke Rally der US-Techwerte schwappte erneut nach Europa über. Allerdings verlor die Wall-Street-Euphorie im Handelsverlauf etwas an Dynamik, was auch den DAX ausbremste. Die Aktie des Chip-Konzerns Infineon drehte nach einem Kursgewinn von drei Prozent im Tagesverlauf, mit dem sie sich erstmals seit dem Jahr 2000 wieder bis auf wenige Cent der 80-Euro-Marke genähert hatte, zum Handelsende ins Minus und belastete den Leitindex zusätzlich. Der Halbleiterausrüster Aixtron baute sein Kursplus hingegen auf 8,4 Prozent aus – beflügelt von einer Kurszielanhebung der Bank of America. Selbst nach der fulminanten Rally sehen die Analysten beim MDAX-Titel noch 38 Prozent Kurspotenzial und halten das Unternehmen für einen der aussichtsreichsten KI-Profiteuren im deutschen Technologiesektor.
Schaeffler greift nach den Sternen
Noch stärker gefragt waren im MDAX allerdings die Aktien von Schaeffler. Der Kurs zündete dank neu entfachter Weltraum-Fantasie den Turbo und ging mit einem Aufschlag von zehn Prozent als Tagessieger aus dem Handel. Der Autozulieferer produziert künftig sogenannte „Reaction Wheels“ für den Satellitenbetreiber Spire Global – ein Auftrag mit bis zu 250 Millionen Euro Umsatz in den nächsten fünf Jahren (DER AKTIONÄR berichtete). Anleger stellen bei Schaeffler zunehmend die Zukunftsstory im Bereich Space, Robotik und Defence in den Vordergrund.
Die Wall Street liefert die Vorlage für die Space-Rally – ausgelöst durch den bevorstehenden Mega-Börsengang von Elon Musks SpaceX. Rocket Lab, Redwire, AST SpaceMobile und andere Weltraum-Aktien haben in kurzer Zeit massive Kursgewinne verbucht. Diese Euphorie färbt nun auch auf europäische Titel ab.
Adidas: Sprint an die DAX-Spitze
Adidas setzte den Erholungslauf heute schwungvoll fort und lieferte einen echten technischen Befreiungsschlag: Erstmals seit über einem Jahr springt die Aktie wieder über die 200-Tage-Linie. Mit einem Tagesgewinn von 6,3 Prozent steht Adidas zum Handelsschluss an der DAX-Spitze.
Dem Fußballchef Sam Handy zufolge erwarten die Herzogenauracher allein durch die Fußball-WM 2026 über eine Milliarde Euro zusätzlichen Umsatz. Die Nachfrage nach den Nationaltrikots soll bereits jetzt alle Erwartungen gesprengt haben.
Mit dem auf Basis der 2026er-Schätzungen KGV von 18 wirkt Adidas im Peergroup-Vergleich überraschend günstig. DER AKTIONÄR rät weiterhin zum Kauf.
Energie-Highflyer: Anleger machen Kasse
Außergewöhnlich schwach performten heute die Aktien deutscher Energiekonzerne. Siemens Energy (minus 3,8 Prozent), RWE (minus 3,2 Prozent) und Nordex (minus 3,0 Prozent) reihen sich nach weiteren Gewinnmitnahmen heute am Ende des DAX beziehungsweise MDAX ein. Die Aktien der führenden europäischen Akteure bei der Energiewende waren zuletzt stark gelaufen. Mit den fallenden Ölpreisen verlagert sich das Anlegerinteresse kurzfristig allerdings wieder hin zu anderen Sektoren.
Unter den deutschen Nebenwerten geriet Siltronic mit minus 4,0 Prozent am stärksten unter Druck. Großaktionär Wacker Chemie nutzte den guten Lauf der Aktie, um seine Beteiligung an dem Waferhersteller zu reduzieren und warf ein Aktienpaket im Wert von 188 Millionen Euro (2,1 Millionen Aktien) auf den Markt.
Heute, 18:45