Nach dem schwachen Wochenauftakt zeichnet sich für den DAX am Dienstag zunächst keine kräftige Gegenbewegung ab. Im Gegenteil: Der Broker IG taxiert das Börsenbarometer am Morgen rund 0,2 Prozent tiefer bei 26.215 Zählern. Belastend wirkt dabei erneut der Konflikt im Nahen Osten, der die Ölpreise bereits wieder antreibt.
Zum Wochenauftakt hatte der DAX 1,2 Prozent auf 26.258 Punkte verloren und sich damit doch spürbar von seiner erst am Freitag aufgestellten Bestmarke von 26.618 Zählern entfernt. Aufgrund der politischen Unsicherheit im Nahen Osten rückt die Marke von 26.000 Punkten nun wieder in den Mittelpunkt. Sie bildet nach dem jüngsten Rekordlauf die erste wichtige Unterstützung. Hält sie, könnte der DAX im Tagesverlauf einen Stabilisierungsversuch starten. Fällt sie, dürfte sich die Korrektur zunächst ausweiten.
Der Auslöser für die Nervosität ist bekannt: Die militärische Eskalation zwischen den USA und Iran hat die Märkte am Montag auf dem falschen Fuß erwischt. Gleichzeitig sind die Renditen an den Anleihemärkten deutlich gestiegen. Für Aktien ist das eine ungünstige Kombination.
Schwache Vorgaben von der Wall Street
Auch an der Wall Street haben Anleger am Montag Gewinne mitgenommen. Der Dow Jones verlor 0,70 Prozent. Der S&P 500 gab 0,33 Prozent ab, der Nasdaq Composite 0,12 Prozent. Damit fiel die Reaktion zwar überschaubar aus. Für den Monatsauftakt reichte es dennoch für rote Vorzeichen.
Der Blick auf den August fällt dagegen deutlich besser aus. Alle drei großen US-Indizes konnten den Monat mit Gewinnen beenden. Besonders stark zeigte sich der Technologiesektor. Die KI-Fantasie bleibt damit intakt.
Am Montag war allerdings ein anderes Thema wichtiger: der Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sprang zeitweise über 4,75 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Januar 2025.
Für die Wall Street ist das ein Warnsignal. Noch wichtiger ist die Kombination mit dem Ölpreis. Steigende Energiepreise könnten die Inflation wieder anheizen und damit die Notenbanken zu einer härteren Gangart zwingen.
Gegenwind aus Asien
Die Vorgaben aus Asien fallen am Dienstagmorgen überwiegend schwach aus. Der MSCI Asia Pacific Index gibt nach. Japan und Südkorea stehen unter Druck, auch die Hongkonger Börse tendiert schwächer. Der Hang Seng liegt am Morgen rund 0,4 Prozent im Minus, der Topix gibt etwa 0,3 Prozent ab.
Auch der Nikkei zeigt sich zum Handelsstart schwach. In Hongkong sorgen zusätzlich die jüngsten Nachrichten rund um den Börsengang von Shein für Unruhe. Der chinesische Aktienmarkt hält sich dagegen besser.
Ölpreis wird zum Problem
Der größte Risikofaktor bleibt der Ölmarkt. Brent ist nach der erneuten Eskalation im Nahen Osten wieder über die Marke von 90 Dollar gestiegen. Am Morgen kostet ein Barrel Brent 91,19 Dollar. Deutschland ist stark von Energieimporten abhängig. Ein dauerhaft hoher Öl- und Gaspreis belastet die Kaufkraft und die Margen vieler Unternehmen.
Wichtige Konjunkturdaten
Genau deshalb kommt der Eurozonen-Inflation heute eine große Bedeutung zu. Um 11:00 Uhr werden die vorläufigen Verbraucherpreise für August veröffentlicht.
Die deutschen Daten vom Montag hatten ein gemischtes Bild geliefert. Die Inflation lag mit 2,9 Prozent zwar unter den Erwartungen. Gleichzeitig zog der Preisdruck bei Energie deutlich an. Am Nachmittag folgt der nächste große Test. Um 16:00 Uhr wird der ISM-Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie veröffentlicht.
Der Gesamtindex ist wichtig. Noch stärker dürfte der Markt aber auf die Preiskomponente schauen. Steigende Rohstoffpreise könnten sich bereits in den Unternehmensumfragen bemerkbar machen. Ein schwacher ISM bei gleichzeitig moderatem Preisdruck wäre dagegen eine gute Nachricht für die Aktienmärkte. Dann könnten die Zinssorgen etwas nachlassen.
Siemens Energy bleibt im Blick
Bei den DAX-Einzelwerten dürfte Siemens Energy erneut Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Die Aktie war am Montag mit einem Minus von rund fünf Prozent größter Verlierer im Leitindex. Auslöser war ein Medienbericht über mögliche Aktivitäten von SpaceX im Bereich Gasturbinenblätter. Hintergrund sind offenbar lange Lieferzeiten beim Aufbau eigener Rechenzentren.
Für Siemens Energy wäre ein Einstieg von SpaceX zunächst kein Angriff auf das gesamte Geschäftsmodell. Für Anleger kommt die Nachricht trotzdem zur Unzeit. Die Aktie hatte zuvor stark von der hohen Nachfrage nach Energieinfrastruktur profitiert.
Vonovia unter Druck
Auch die Immobilienbranche dürfte am Dienstag weiter im Fokus stehen. Vonovia verlor am Montag rund drei Prozent. Im MDAX standen mit Aroundtown, TAG Immobilien und LEG Immobilien gleich mehrere Branchenwerte unter Druck.
Der Grund ist die Renditeentwicklung. Steigende Zinsen verteuern die Finanzierung. Gleichzeitig werden Anleihen als Alternative zu Immobilienaktien attraktiver. Solange die Renditen steigen, dürfte die Branche deshalb kaum Ruhe finden.
Insiderkauf bei Deutz
Ein positives Signal kommt dagegen von Deutz. Aufsichtsrätin Patricia Geibel-Conrad hat Aktien des Motorenherstellers im Wert von 103.114 Euro gekauft. Der durchschnittliche Kaufpreis lag bei rund 12,89 Euro. Die Transaktion erfolgte bereits am 28. August. Veröffentlicht wurde die Directors’-Dealings-Meldung am Montagabend. DER AKTIONÄR bleibt für den RealDepot-Wert Deutz bullish gestimmt.
Zahlen von Dell und Palo Alto nach Börsenschluss
Nach Börsenschluss stehen die Quartalszahlen von Dell Technologies und Palo Alto Networks auf dem Programm. Bei Dell wird es vor allem um KI-Server und Rechenzentrumsinfrastruktur gehen. Palo Alto Networks dürfte Hinweise auf die Nachfrage nach Cybersecurity liefern.
Gold und Bitcoin im Aufwind
In den aktuell unsicheren Zeiten steuern Anleger wieder verstärkt sichere Häfen wie Gold und den Bitcoin an. Während der Goldpreis am Dienstagmorgen um 0,2 Prozent auf 4.491 Dollar vorrückt, zieht der Bitcoin um 0,7 Prozent auf 79.107 Dollar an.
DER AKTIONÄR wird im Laufe des Tages über sämtliche wichtigen Entwicklungen und Neuigkeiten an den nationalen und internationalen Märkten berichten.
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Hinweis auf Interessenkonflikte:
Deutz-Aktien befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
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