Die erneute Zuspitzung der Lage im Nahen Osten hat den deutschen Aktienmarkt am Montag belastet. Der DAX beendete den Handel letztlich mit einem Minus von 1,1 Prozent bei 26.258,11 Punkten. Auch in der zweiten deutschen Börsenreihe waren die Vorzeichen überwiegend rot. Der MDAX gab um 0,9 Prozent auf 32.724,55 Punkte nach.
Vor dem Wochenende hatte der DAX den Signalen von US-Notenbankchef Kevin Warsh für eine Zinserhöhung noch mit einem Rekordhoch getrotzt. Zum Wochenstart konnte er das Rekordniveau nicht ganz halten. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte hingegen den höchsten Stand seit mehr als 15 Jahren.
Neben dem Ölpreis spielten auch die vorläufigen Verbraucherpreisdaten aus Deutschland eine Rolle. Für August wiesen sie einen Anstieg der Inflationsrate auf 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Damit lag der Wert deutlich über dem EZB-Ziel von 2,0 Prozent. Die Währungshüter dürften sich daher in ihrem Vorhaben bestärkt sehen, den Leitzins in der kommenden Woche anzuheben. Am Markt dürfte dieser Schritt allerdings bereits nahezu vollständig eingepreist sein.
Zinssensible Werte aus der Immobilien- und Technologiebranche gerieten dennoch unter Druck. Die Aktien von Aroundtown, TAG Immobilien und Vonovia verloren zeitweise über drei Prozent. Aroundtown stand zusätzlich unter Druck, nachdem Goldman Sachs das Kursziel für die Aktie deutlich gesenkt hatte. Marktführer Vonovia ging letztlich mit einem Minus von 3,0 Prozent aus dem Handel.
Ebenfalls im Blickpunkt stand einmal mehr Bayer. Bei dem Konzern gibt es im langwierigen Glyphosat-Rechtsstreit einen weiteren Etappensieg. Ein US-Bundesberufungsgericht lehnte den Antrag einiger Kläger ab, das Verfahren zum geplanten Sammelvergleich von Missouri nach Kalifornien zu verlegen. Damit bleibt die Zuständigkeit beim ursprünglichen Gericht.
Am 14. September ist eine Anhörung angesetzt; Bayer beziehungsweise die Tochter Monsanto rechnet mit einer finalen Genehmigung des Vergleichs in Missouri. Die Aktie bleibt trotz der Fortschritte wegen der weiterhin hohen Verschuldung kein Kauf.
Im Fokus steht in dieser Woche im DAX auch Infineon. Hier richtet sich der Blick vor allem auf den US-Newsflow. Dell berichtet am Dienstag nach Börsenschluss über die Nachfrage nach KI-Servern, Broadcom folgt am Mittwoch mit Hinweisen zum Chipbedarf.
Die Allianz könnte ihr Geschäft derweil mit einem milliardenschweren Zukauf ausbauen. Nach einem Bericht des britischen Nachrichtensenders Sky News prüft der Versicherer eine Übernahme des britischen Pannenhilfeanbieters AA Ltd. Der mögliche Kaufpreis soll bei rund 5,8 Milliarden Euro liegen.
Die Aktie von Siemens Energy war am Montag der größte Verlierer im DAX und verlor zum Handelsschluss 5,0 Prozent. Belastet wurde der Energietechnikkonzern von der Sorge, dass Elon Musk mit SpaceX ins Energiegeschäft einsteigen könnte. Entsprechende Äußerungen Musks schüren zwar kurzfristig Befürchtungen, könnten bei konkreteren Plänen aber auch neue Fantasie für den Markt für Energieinfrastruktur entfachen.
Stark kursbewegende Unternehmensnachrichten gab es aber vor allem aus dem SDAX. Die Aktien von OHB stiegen dank eines Großauftrags um 6,3 Prozent. Zeitweise war das Plus sogar zweistellig und OHB der klare Anführer der Gewinnerliste im Nebenwerteindex. Hintergrund: Der Raumfahrtkonzern soll für knapp eine Milliarde Euro 18 Satellitenplattformen für das europäische Satellitenkommunikationsprogramm Iris² Secure Connectivity entwickeln und bauen.
Noch vor OHB sicherte sich letztlich Sto mit einem Kursanstieg von 8,8 Prozent die Spitzenposition im SDAX. Der Farben- und Dämmstoffspezialist steigerte im ersten Halbjahr trotz des starken Wettbewerbs und gestiegener Kosten den Umsatz und vor allem das operative Ergebnis.
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