Seit Freitag zahlen amerikanische Kunden für Apple TV 14,99 Dollar im Monat, zwei Dollar mehr als bisher. Das Jahresabo steigt von 99 auf 119 Dollar, der Einzelplan des Bündels Apple One von 19,95 auf 21,95 Dollar. Für Neukunden gilt der Preis sofort, Bestandskunden werden rund einen Monat vor der nächsten Abbuchung informiert. Es ist die vierte Anhebung in vier Jahren. Zum Start im Jahr 2019 kostete der Dienst 4,99 Dollar.
Die Meldung liest sich wie eine Randnotiz aus der Abteilung Abopreise. Sie ist etwas anderes: der Fingerzeig auf die einzige Stellschraube, an der Apple im Servicegeschäft derzeit noch drehen kann.
Die letzte Stellschraube im Servicegeschäft
Im dritten Geschäftsquartal, das am 27. Juni endete, setzte die Servicesparte 30,74 Milliarden Dollar um, ein Plus von zwölf Prozent und ein Junirekord – aber rund eine halbe Milliarde Dollar weniger, als Analysten erwartet hatten. Die Bruttomarge der Sparte lag bei 75,6 Prozent und damit rund 100 Basispunkte unter dem Vorquartal; Apple nannte Produktmix und Währungseffekte als Grund. Ein Aufschlag von zwei Dollar kostet Apple nichts an zusätzlichem Inhalt und schlägt fast vollständig auf die Marge durch. Genau deshalb kommt er jetzt und nicht im Frühjahr.
Der Aufschlag trifft ausgerechnet den Einzelplan von Apple One, den Apple im Juli bei der Anhebung von Apple Music noch ausgespart hatte. Familien- und Premier-Bündel waren damals schon um jeweils zwei Dollar teurer geworden. Damit haben alle drei Stufen des Bündels binnen sechs Wochen denselben Aufschlag bekommen. Preislich rückt Apple TV mit 14,99 Dollar näher an das werbefreie Standardangebot von Netflix und an Disney+ mit Hulu heran, die in den USA bei 19,99 Dollar liegen. Apple bleibt darunter, aber der Abstand, mit dem der Dienst im Jahr 2019 als Billigeinsteiger startete, ist weg.
Formel 1: Die Rechnung hinter den Rechten
Eine Rechnung macht die Größenordnung greifbar. Für die exklusiven US-Rechte an der Formel 1 zahlt Apple nach Branchenberichten zwischen 140 und 160 Millionen Dollar pro Jahr; Apple selbst nennt keine Zahl. Schon am unteren Ende dieser Spanne entspricht das beim neuen Monatspreis dem Jahresumsatz von rund 780.000 Vollzahlern, beim alten Preis waren es noch etwa 900.000. Der Aufschlag verschiebt also nicht die Strategie, er verbilligt das teuerste Experiment der Sparte um gut ein Achtel.
Die Preiserhöhungen kommen in einer Zeit, in der die Reichweite des wichtigsten Neuzugangs schwächelt. Der Messdienstleister Samba TV kommt für neun US-Rennübertragungen der laufenden Formel-1-Saison bei acht Rennen auf eine geringere Haushaltsreichweite als im Vorjahr, sechs davon zweistellig – gemessen an eingeschalteten Haushalten, nicht an der Durchschnittsquote, mit der der Vorgänger ESPN gezählt wurde. Apple veröffentlicht keine Abonnentenzahl für Apple TV. Wie viele Kunden nach der vierten Anhebung in vier Jahren tatsächlich kündigen, lässt sich von außen nicht messen, sondern erst im Nachhinein an der Umsatzlinie ablesen.
Apple-Aktie: Die Termine bis Weihnachten
Am 1. September übernimmt John Ternus den Chefposten von Tim Cook, der Verwaltungsratsvorsitzender wird. Am 9. September zeigt Apple die neue iPhone-Generation. Weil Bestandskunden Vorlauf bekommen, wirkt der höhere Preis erst im Dezemberquartal voll. Für das laufende Septemberquartal hat der Konzern neun bis elf Prozent Umsatzwachstum und eine Bruttomarge von 47 bis 48 Prozent in Aussicht gestellt – gedrückt von Speicherpreisen, die Cook als Jahrhundertflut bezeichnet hat. Die Zahlen dazu kommen voraussichtlich am 28. Oktober; der Preiseffekt wird darin noch kaum zu sehen sein.
Apple verkauft hier keine bessere Mediathek, sondern kauft Marge. Das funktioniert, solange die installierte Basis von mehr als 2,5 Milliarden aktiven Geräten und 1,5 Milliarden bezahlten Abos die Preise trägt. Die Aktie schloss am Freitag bei 319,70 Dollar und damit beim 37-Fachen des Gewinns der vergangenen zwölf Monate; auf Basis der Schätzungen für die kommenden zwölf Monate sind es 35 – eine Bewertung, die unterstellt, dass Services zweistellig weiterwächst. Der Zwei-Dollar-Schritt zeigt, wie viel Arbeit dafür nötig ist.
DER AKTIONÄR hat eine laufende Empfehlung für Apple mit Kursziel 320 Euro und einen Stopp bei 215 Euro.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Apple.
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