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12.09.2021 Martin Mrowka

DAX-Ausblick: Kommt nun die lange befürchtete Kurswende?

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DAX

Die Wachstumsaussichten in den USA verdunkeln sich, gleichzeitig steigen die Preise – auch in Europa. In Deutschland fragen sich Experten nun: Bahnt sich nach monatelangem Aufwärtstrend an den Börsen nun womöglich die lange befürchtete Kurswende an? Es gibt Argumente dafür, aber auch dagegen. Der Wochenausblick.

Im DAX stand in der abgelaufenen Woche zwischenzeitlich mit 15.454 Punkten ein Tief seit Ende Juli auf der Kurstafel. Nach einer kleinen Erholung ging der DAX am Freitag-Abend im Einklang mit dem US-Leitindex Dow Jones Industrial mit einem Abschlag ins Wochenende. Zum Schlussgong stand das wichtigste deutsche Börsenbarometer bei 15.609 Zählern.

Nach schwierigen und von Konjunktursorgen geprägten fünf Handelstagen kommt der DAX damit auf einen Wochenverlust von etwas mehr als ein Prozent. Der Weekend-DAX des Brokers IG sah den DAX am Sonntag-Morgen nochmals gut 50 Punkte tiefer.

DAX (WKN: 846900)

Rein charttechnisch hat sich die Situation für den DAX mit dem erneuten Rutsch unter seine 50-Tage-Linie wieder eingetrübt. Am Mittwoch hat sich allerdings bei 15.844 Punkten ein Gap gebildet, das irgendwann geschlossen werden will.

Kurzfristig seien die Anleger zunehmend besorgt über die Wachstumsaussichten sowie über die Auswirkungen, die anhaltende Preissteigerungen und Unterbrechungen der Lieferketten auf das Ausgabeverhalten und die Löhne haben könnten, schrieb Michael Hewson von CMC Markets. "Auch die steigenden Energiepreise geben Anlass zur Sorge."

Vierblättriges 'Unglücks-Kleeblatt'

Für Aktienstratege Robert Halver von der Baader Bank ist der jüngste Kursrücksetzer an den Märkten vorerst nur eine "Denkpause", um die Lage genauer einzuschätzen. Allerdings könnte seiner Meinung nach "insbesondere im Übergangsmonat September das vierblättrige 'Unglücks-Kleeblatt' aus Tapering, Inflation, Delta-Variante und der unsichere Ausgang der Bundestagswahl durchaus für Kursrücksetzer sorgen." Gut zwei Wochen vor der Wahl bleibe es höchst unklar, wie nach der Ära Merkel eine neue Regierung aussehen könnte.

"An den Kapitalmärkten lässt sich allmählich eine Verschiebung der Risiken ausmachen", konstatieren daher die Experten der Helaba. "Die Anleger scheinen sich mehr um die Konjunktur als die Inflation zu sorgen."

Das Wechselspiel zwischen Inflations- und Konjunktursorgen dürfte die Börsianer nunmehr auch in der neuen Handelswoche beschäftigen, in der die Anleger zahlreiche Wirtschaftsdaten gegeneinander austarieren müssen. Darunter sind am Dienstag die US-Verbraucherpreise, an den Folgetagen diverse regionale Stimmungsindikatoren sowie die derzeit vielbeachteten wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA, die immer Donnerstags kommen.

Hinweise auf US-Konjunkturabschwung

In den USA mehren sich nach Einschätzung von Experten die Hinweise auf einen Konjunkturabschwung. Auch hierzulande verdüstert sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft immer weiter, wie zuletzt das ZEW-Stimmungsbarometer zeigte. "Nach einem starken Wachstum im ersten Halbjahr gibt es nun aufgrund von Lieferengpässen sowie der Ausbreitung der Delta-Variante leichte konjunkturelle Ermüdungserscheinungen. Eine Delle im dritten Quartal kann nicht mehr ausgeschlossen werden, was die Gewinnerwartungen der Unternehmen drückt", heißt es dazu von der Helaba.

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Damit kommen die Notenbanken ins Spiel, viele Experten rätseln über die nächsten Schritte der Währungshüter. Diese hatten sich zuletzt in Richtung einer Dämpfung ihrer bisher ultralockeren Geldpolitik geäußert, welche wiederum als wichtigster Nährboden der Aktienhausse gilt. Angesichts der jüngsten Konjunktursignale könnten die Notenbanken aber womöglich noch länger im Krisenmodus bleiben - und eine hohe Inflation als nur vorübergehend in Kauf nehmen, vermuten Beobachter.

Folgt die Fed der EZB?

Die Europäische Zentralbank (EZB) will nun im Schlussquartal ihre milliardenschweren Anleihenkäufe geringfügig verringern, spricht aber selbst noch nicht von "Tapering" und vertagte weitere Entscheidungen darüber auf die Dezember-Sitzung. Die US-Notenbank Fed könnte bald ähnliches verkünden, vielleicht bei ihrer nächsten Tagung in etwas mehr als einer Woche. Dort mehrten sich zuletzt die Stimmen für eine Rückführung der Anleihekäufe. Fed-Mitglied James Bullard etwa forderte, die US-Notenbank sollte im ersten Quartal 2022 damit beginnen.

Eindeutig sind die Erwartungen an die US-Währungshüter aber nicht. Auch Fed-Chef Jerome Powell könnte womöglich noch umdenken, glaubt Uwe Streich von der LBBW. "Falls die Corona-Infektionen in den USA weiter stark zulegen sollten und der lange Zeit kräftige Erholungstrend am US-Arbeitsmarkt hierdurch plötzlich abreißen würde, wäre ein nochmaliges Aufschieben des Tapering-Starts durchaus denkbar."

Kontinental-Europa als Top-Empfehlung

Was dem DAX zeitnah helfen könnte, ist die Tatsache, dass Experten sich nach der Rekordrallye einiger US-Indizes derzeit mehr und mehr von den New Yorker Börsen abwenden und ihr Glück anderswo suchen. Morgan Stanley hatte US-Aktien jüngst strategisch auf "Untergewichten" abgestuft. Die Experten der Credit Suisse raten für US-Aktien bereits vorsichtig zu dem gleichen Votum. Sie nannten am Mittwoch aber Papiere aus Kontinentaleuropa als "Top-Empfehlung" noch vor den ebenfalls favorisierten Schwellenländern.

Auch einige Unternehmens-Zahlen könnten in der neuen Woche Einfluss auf die Kurse nehmen. Am Montag meldet Fraport offizielle Verkehrszahlen für August, außerdem meldet Oracle nachbörslich Quartalszahlen. Am Mittwoch kommen detaillierte Halbjahreszahlen von Auto1 sowie Q3-Umsätze von Hennes & Mauritz. Und am Donnerstag meldet das baldige SDAX-Mitglied Suse seine Q3-Zahlen.  (Mit Material von dpa-AFX)


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