Die Stimmung am Kryptomarkt ist frostig. Laut Matt Hougan, dem Chief Investment Officer des Vermögensverwalters Bitwise, befinden sich digitale Assets nicht in einer bloßen Korrektur, sondern in einem ausgewachsenen „Krypto-Winter“. In einem aktuellen Memo an Kunden vergleicht er die aktuelle Phase mit dem Überlebenskampf in dem Film „The Revenant“. Doch Hougan sendet auch ein Signal der Hoffnung: Die Talsohle dürfte bald erreicht sein.
Der Blick auf die nackten Zahlen verdeutlicht die Härte des Marktes. Seit dem Allzeithoch im Oktober 2025 ist Bitcoin um rund 39 Prozent eingebrochen. Ethereum traf es mit einem Minus von 53 Prozent noch härter. Viele kleinere Altcoins haben sogar noch massivere Verluste verbucht. Dass die Kurse nicht noch tiefer stehen, liegt laut Hougan primär an einer neuen Käufergruppe.
Der Grund: Institutionelle Zuflüsse über börsengehandelte Fonds (ETFs) und Treasury-Unternehmen haben den Absturz abgefedert. Diese Akteure kauften in diesem Zeitraum mehr als 744.000 Bitcoin im Wert von etwa 75 Milliarden Dollar. Ohne diesen massiven Puffer wäre Bitcoin laut der Bitwise-Analyse wohl um bis zu 60 Prozent eingebrochen. Während Assets mit ETF-Anbindung wie Bitcoin, Ether oder XRP Verluste zwischen 10 und 20 Prozent verzeichneten, stürzten Projekte ohne institutionellen Zugang oft um mehr als 60 Prozent ab.
Gute Nachrichten verpuffen wirkungslos
Ein typisches Merkmal für einen Krypto-Winter ist die Marktreaktion auf positive Impulse. Derzeit zeigt sich ein paradoxes Bild. Obwohl der neue Vorsitzende der US-Notenbank Fed als Bitcoin-Fan gilt und regulatorische Fortschritte wie der „Clarity Act“ für Rechtssicherheit sorgen, verharren die Kurse im Keller. Auch der „Crypto Fear and Greed Index“ signalisiert weiterhin extreme Angst.
Entsprechend nüchtern fällt Hougans Analyse aus: In einem echten Bärenmarkt werden inkrementelle Fortschritte von der schlechten Stimmung schlichtweg verschluckt. Die aktuelle Phase sei getrieben von zu hohen Hebeln am Markt und massiven Gewinnmitnahmen früherer Investoren. Historisch betrachtet dauern solche Zyklen vom Gipfel bis zum Boden etwa 13 Monate. Hougan geht davon aus, dass die Schwächephase bereits im Januar 2025 begann, damals jedoch noch durch den ETF-Hype verdeckt wurde.
Erschöpfung als Zeichen der Wende
Trotz der aktuellen Tristesse sieht der Bitwise-CIO das Ende der Durststrecke näher als den Anfang. Er beobachtet eine für Marktböden typische Kombination aus Verzweiflung und allgemeiner Lustlosigkeit. Märkte enden in solchen Zyklen meist nicht mit einem Knall, sondern mit der vollständigen Erschöpfung der Verkäufer.
Strukturell stehe die Branche sogar besser da als je zuvor. Hougan verweist auf die zunehmende Tokenisierung, den Erfolg von Stablecoins und die wachsende Akzeptanz von Bitcoin durch Nationalstaaten. Diese fundamentalen Fortschritte seien das Fundament für die nächste Erholung. Sobald der Verkaufsdruck der „Old Guards“ nachlässt, könnte der Markt schnell drehen.
Der Kryptomarkt durchlebt eine harte Bereinigung, die nur durch massive institutionelle Käufe vor einem totalen Kollaps bewahrt wurde. Für Anleger bedeutet das: Die Talsohle ist nah, aber die Erholung erfordert Geduld.
03.02.2026, 15:00