Deutliche Zinssignale von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole haben die Wall Street zum Wochenschluss gebremst und vor allem Tech-Aktien unter Druck gesetzt. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung im September stieg sprunghaft an. Müssen sich Anleger nach der jüngsten Rally nun auf eine Korrektur einstellen?
Der schon zuvor schwächelnde Auswahlindex Nasdaq 100
Für den marktbreiten S&P 500
Mit deutlichen Worten zur hohen Inflation signalisierte US-Notenbankchef Kevin Warsh seine Bereitschaft für eine straffere Geldpolitik. "Wir müssen davon überzeugt sein, dass sich die Kerninflation eindeutig und mit ausreichender Geschwindigkeit unserem Ziel annähert. Andernfalls haben wir noch einiges zu tun", sagte er laut Redemanuskript beim internationalen Notenbank-Treffen in Jackson Hole. Zwar zeigten die jüngsten Konjunkturdaten eine leichte Abkühlung. Allerdings sehe er darin nicht, dass sich an der grundlegenden Entwicklung etwas geändert habe.
Höhere Zinsen würden festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen gegenüber als riskanter wahrgenommenen Anlagen wie Aktien tendenziell begünstigen. Das gilt vor allem für Technologieaktien wegen der massiven Investitionen der Branche in Künstliche Intelligenz (KI).
Warsh sei offenbar bemüht, den bisherigen Zweifeln an seiner Bereitschaft zu Zinserhöhungen entgegenzutreten, schrieb Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg. Er erhöhe damit die Spannung vor der nächsten Zinssitzung Mitte September. "Die US-Inflationsdaten für August, die wenige Tage vor diesem Termin veröffentlicht werden, bilden mutmaßlich das Zünglein an der Waage", glaubt der Experte.
Auch Eric Winograd, US-Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter AllianceBernstein, sieht diese als entscheidend für die weitere US-Geldpolitik an. Warshs Rede habe aber "weniger Orientierung als erhofft gebracht. Zwar habe der Fed-Chef bei der Inflation einen etwas restriktiveren Ton angeschlagen - "zum weiteren Zinspfad hielt er sich jedoch bedeckt", betonte Winograd. Er warnte zudem, dass eine zunehmend uneinige Notenbank selbst zum Marktrisiko werden könnte.
Das "FedWatch-Tool" der Terminbörse CME, welches die aktuellen Markterwartungen für kommende Zinsentscheidungen der Fed als Wahrscheinlichkeiten anzeigt, belegte den deutlichen Stimmungsumschwung. Inzwischen ist eine Leitzins-Anhebung um 0,25 Prozentpunkte demnach deutlich wahrscheinlicher als eine Beibehaltung des derzeitigen Niveaus. Unmittelbar vor Warshs Aussagen hatte es noch gut eine Zweidrittel-Mehrheit für einen weiter unveränderten Zinssatz gegeben.
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