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Schlussglocke: Zinssorgen bremsen Tech‑Werte – Dow Jones, S&P 500 und Co im Minus

Schlussglocke: Zinssorgen bremsen Tech‑Werte – Dow Jones, S&P 500 und Co im Minus
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Timo Nützel Heute, 22:12 Timo Nützel
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Deutliche Zinssignale von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole haben die Wall Street zum Wochenschluss gebremst und vor allem Tech-Aktien unter Druck gesetzt. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung im September stieg sprunghaft an. Müssen sich Anleger nach der jüngsten Rally nun auf eine Korrektur einstellen?

Der schon zuvor schwächelnde Auswahlindex Nasdaq 100 schloss 0,70 Prozent tiefer mit 29.433,43 Punkten. Am Vortag hatten ihn der starke Ausblick des Chipriesen Nvidia und weitere positive Unternehmensnachrichten noch deutlich nach oben gezogen. Auf Wochensicht verzeichnete das Tech-Barometer ein Plus von 0,4 Prozent.

Für den marktbreiten S&P 500 ging es letztlich nur um 0,25 Prozent auf 7.711,76 Punkte bergab. Noch besser hielt sich der Leitindex Dow Jones Industrial mit einem Kursrückgang um 0,02 Prozent auf 53.559,99 Punkte, was einem Wochengewinn von 0,7 Prozent entspricht.

Mit deutlichen Worten zur hohen Inflation signalisierte US-Notenbankchef Kevin Warsh seine Bereitschaft für eine straffere Geldpolitik. "Wir müssen davon überzeugt sein, dass sich die Kerninflation eindeutig und mit ausreichender Geschwindigkeit unserem Ziel annähert. Andernfalls haben wir noch einiges zu tun", sagte er laut Redemanuskript beim internationalen Notenbank-Treffen in Jackson Hole. Zwar zeigten die jüngsten Konjunkturdaten eine leichte Abkühlung. Allerdings sehe er darin nicht, dass sich an der grundlegenden Entwicklung etwas geändert habe.

Höhere Zinsen würden festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen gegenüber als riskanter wahrgenommenen Anlagen wie Aktien tendenziell begünstigen. Das gilt vor allem für Technologieaktien wegen der massiven Investitionen der Branche in Künstliche Intelligenz (KI).

Warsh sei offenbar bemüht, den bisherigen Zweifeln an seiner Bereitschaft zu Zinserhöhungen entgegenzutreten, schrieb Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg. Er erhöhe damit die Spannung vor der nächsten Zinssitzung Mitte September. "Die US-Inflationsdaten für August, die wenige Tage vor diesem Termin veröffentlicht werden, bilden mutmaßlich das Zünglein an der Waage", glaubt der Experte.

Auch Eric Winograd, US-Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter AllianceBernstein, sieht diese als entscheidend für die weitere US-Geldpolitik an. Warshs Rede habe aber "weniger Orientierung als erhofft gebracht. Zwar habe der Fed-Chef bei der Inflation einen etwas restriktiveren Ton angeschlagen - "zum weiteren Zinspfad hielt er sich jedoch bedeckt", betonte Winograd. Er warnte zudem, dass eine zunehmend uneinige Notenbank selbst zum Marktrisiko werden könnte.

Das "FedWatch-Tool" der Terminbörse CME, welches die aktuellen Markterwartungen für kommende Zinsentscheidungen der Fed als Wahrscheinlichkeiten anzeigt, belegte den deutlichen Stimmungsumschwung. Inzwischen ist eine Leitzins-Anhebung um 0,25 Prozentpunkte demnach deutlich wahrscheinlicher als eine Beibehaltung des derzeitigen Niveaus. Unmittelbar vor Warshs Aussagen hatte es noch gut eine Zweidrittel-Mehrheit für einen weiter unveränderten Zinssatz gegeben.

Marvell nach Zahlen zweistellig im Minus

Unter den US-Einzelwerten sackten die stark gelaufenen Aktien von Marvell Technology am Freitag um 10,3 Prozent ab. Goldman-Sachs-Analyst James Schneider wertete die Quartalszahlen des Chipherstellers zwar grundsätzlich positiv. Die Markterwartungen seien jedoch immens hoch gewesen. Die Nvidia-Titel sanken nach der kräftigen Vortagserholung um 4,6 Prozent. Auch andere Halbleiterwerte standen unter Druck.

Paypals Übernahmepläne geplatzt

Paypal-Titel rutschten als Schlusslicht im Nasdaq 100 um 12,7 Prozent ab. Der Finanzinvestor Advent und der Zahlungsabwickler Stripe gaben ihre Pläne für eine Übernahme des Zahlungsdienstleisters auf, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen schrieb.

Krebsstudie von BioNTech missglückt

Die in New York gelisteten Anteilscheine von BioNTech setzten mit minus 8,4 Prozent ihren Abwärtstrend fort. Der Biotech-Konzern brach eine Phase-II-Studie zu einem mRNA-Impfstoff zur Behandlung von Darmkrebs ab. Mitte August hatte dagegen die US-Konkurrenz für Euphorie gesorgt: Die beiden Pharmakonzerne Moderna und Merck & Co erzielten mit dem gemeinsam entwickelten personalisiertem mRNA-Krebsimpfstoff Intismeran gegen schwarzen Hautkrebs einen wichtigen Erfolg.

Dow Jones (ISIN: AF000000DOWJ)

Enthält Material von dpa-AFX

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