30.04.2020 Thomas Bergmann

EZB-Chefin Lagarde malt düsteres Bild – DAX-Rallye am Ende?

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DAX

Die Europäische Zentralbank hat wie erwartet die Leitzinsen unverändert gelassen. Wegen der Corona-Pandemie sieht deren Chefin Christine Lagarde große Probleme auf den Euroraum zukommen. Die Wirtschaft in der Staatengemeinschaft könnte im zweiten Quartal um 15 Prozent schrumpfen. Für die Banken im Euroraum gibt es daher zusätzliche Erleichterungen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, Lagarde sehe die Eurozone infolge der Corona-Krise "in einer wirtschaftlichen Kontraktion, die in Friedenszeiten in Ausmaß und Geschwindigkeit beispiellos" ist. Die Szenarien der EZB-Experten deuteten daraufhin, dass die Wirtschaftskraft des Euroraums in diesem Jahr um fünf bis zwölf Prozent schrumpfen könnte.

Im zweiten Quartal könne es sogar zu einem BIP-Einbruch um 15 Prozent kommen, sagte Christine Lagarde am Donnerstag bei der EZB-Pressekonferenz, denn "die Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus haben die Wirtschaftstätigkeit in allen Ländern der Eurozone weitgehend zum Stillstand gebracht". Lagarde warnte auch vor einer tiefgreifenden Verschlechterung des Arbeitsmarkts.

Die EZB hat die Leitzinsen wie erwartet beibehalten, die Bedingungen für ihre gezielten Langfristtender (TLTRO III) jedoch weiter gelockert und eine neue Reihe von nicht zielgerichteten längerfristigen Pandemie-Notfall-Refinanzierungsoperationen (PELTROs) angekündigt. Damit soll das Liquiditätsumfeld im Finanzsystem des Euroraums unterstützt und  ein wirksamer Liquiditäts-Backstop bereitgestellt werden. Ziel ist ein Beitrag zur Erhaltung des reibungslosen Funktionierens der Geldmärkte. 

Die Notenbank sei "uneingeschränkt bereit", den Umfang des PEPP– bislang 750 Milliarden Euro – zu erhöhen und seine Zusammensetzung anzupassen, und zwar "so viel wie nötig und so lange wie nötig". PEPP sei das beste Werkzeug im Instrumentarium der EZB .

DAX (WKN: 846900)

Der DAX ist nach der EZB-Entscheidung wieder unter die wichtige 11.000-Punkte-Marke, nachdem er sie am Vortag zeitweise deutlich überschritten hatte. Die Zahlen der großen Tech-Firmen wie Microsoft oder Facebook schürten die Hoffnung auf eine Fortsetzung der Rallye.

Doch mit den Äußerungen Lagardes scheint sich Ernüchterung im Markt breit zu machen. Die Prognosen für die Wirtschaft sind grottenschlecht. Offensichtlich mehren sich die Zweifel, dass die Rettungsprogramme den Konjunktureinbruch kompensieren können.

DER AKTIONÄR hat heute Morgen den DAX Turbo-Long der DZ Bank mit der WKN DFG3NQ zum Verkauf empfohlen. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 60 Prozent. Vor dem Wochenende wird es höchstwahrscheinlich keine neue Position geben. Wir informieren unsere Abonnenten rechtzeitig per E-Mail, wenn es Handlungsbedarf gibt.

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