Nach dem verhaltenen Wochenauftakt übernahmen die Bullen am Dienstag wieder das Kommando. Der DAX legte am Nachmittag deutlich zu und schloss auf Tageshoch bei 25.011 Punkten. Wie an der Wall Street kommen heute auch an der Frankfurter Börse die stärksten Impulse aus dem Halbleitersektor. Nach dem globalen Ausverkauf der letzten Wochen greifen Schnäppchenjäger bei deutschen Chip-Aktien wieder beherzt zu.
Dem deutschen Leitindex gelingt mit einem Kursplus von 0,7 Prozent die Rückkehr über die psychologisch wichtige 25.000er-Marke. Für einen Angriff auf die bisherige Bestmarke bei 25.900 Punkten fehlt allerdings noch ein gutes Stück. Auch in der zweiten Reihe überwogen die grünen Vorzeichen, allerdings hinkten die Nebenwerte dem DAX etwas hinterher. Der MDAX gewann 0,4 Prozent auf 31.813 Zähler, der SDAX rückte um 0,2 Prozent auf 7.572 Zähler vor.
Hoffnungsschimmer für Deutschlands Wirtschaft
Rückenwind lieferten überraschend starke Konjunkturerwartungen sowie freundliche Vorgaben von der Wall Street. Die anhaltenden Kämpfe zwischen den USA und dem Iran sowie die hohen Ölpreise rückten dagegen vorübergehend in den Hintergrund. "Die Finanzmarktanalysten sind trotz der neuerlichen Zuspitzung am Persischen Golf und gestiegener Ölpreise deutlich optimistischer", schrieb Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Mit Blick auf die ZEW-Daten ergänzte er: "Und tatsächlich, die deutsche Wirtschaft zeigte zuletzt eine gewisse Resilienz."
Die ZEW-Konjunkturerwartungen überraschen positiv und haben sich im Juli stärker verbessert als erwartet. Das Stimmungsbarometer stieg gegenüber dem Vormonat um 15,8 Punkte auf plus 26,3 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung am Dienstag in Mannheim mitteilte. "Das Reformpaket scheint Wirkung zu zeigen", kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach das Ergebnis. "Insbesondere die exportorientierten Sektoren sowie die Binnennachfrage verzeichnen stabile Zuwächse."
Chip-Rally: TSMC schürt neue Fantasie
Angeführt wurde das Feld vom Halbleiterausrüster SUSS Microtec mit Kursgewinnen von 9,3 Prozent. Aixtron legte 8,3 Prozent zu, die Chiphersteller Infineon und Elmos jeweils 5,5 Prozent, Hightech-Anlagenbauer PVA TePla ging mit einem Plus von 4,8 Prozent aus dem Handel. Die heute gefragten Halbleiterwerte gehörten bereits in der ersten Jahreshälfte zu den Top-Performern am deutschen Aktienmarkt und Tech-Analysten sind sich einig: Die langfristigen Wachstumstreiber bleiben dank des Data-Center-Booms intakt.
Auftrieb kam überdies von einem Bericht der japanischen Finanzzeitung Nikkei. Unter Verweis auf informierte Personen berichtete diese, dass der taiwanesische Chip-Riese TSMC mit Kunden darüber verhandele, die Preise für Halbleiter im kommenden Jahr wegen steigender Kosten für Fertigungsmaterialien um bis zu zehn Prozent zu erhöhen. Wenn der weltweit führende Auftragsfertiger diese Preissteigerung tatsächlich durchsetzen kann, deutet das auf ein robustes Preis- und Nachfrageumfeld für die gesamte Branche hin.
Medizintechnik und Versicherer unter Druck
Auf der Verliererseite standen heute mehrere Titel aus der Medizintechnik- und Pharma-Branche. Carl Zeiss Meditech verlor 3,4 Prozent, Ottobock büßte 3,6 Prozent ein. Für die Aktien von Sartorius ging es sogar um 7,6 Prozent abwärts. Belastend wirkten schwache Zahlen des US-Unternehmens Danaher: Der Ausblick auf das dritte Quartal enttäuschte und zog zahlreiche Branchenwerte mit nach unten (DER AKTIONÄR berichtete). Erschreckt wurden die Anleger vor allem von der operativen Entwicklung im Bioprocessing-Geschäft, in dem auch Sartorius stark engagiert ist. Delphine Le Louet vom Analysehaus Bernstein schrieb in einer anschließenden Studie: "Kein Grund zur Panik." Die Analystin bleibt für Sartorius optimistisch und hält an ihrer "Outperform"-Einstufung mit dem Kursziel von 284 Euro fest. DER AKTIONÄR hat die Aktie ebenfalls weiterhin auf der Empfehlungsliste.
Auch bei den Versicherern nahmen Anleger Gewinne mit. Die Aktien der Munich Re verloren 2,8 Prozent, Hannover Rück gab 2,6 Prozent nach. Für Verunsicherung sorgten Aussagen des Munich-Re-Finanzchefs Andrew Buchanan in einem Gespräch mit der Börsen-Zeitung, wonach der Konzern die Geschäftspipeline für die zweite Jahreshälfte genau prüfen will. Der Konzern scheint seine Prognosen für die Schaden- und Unfallrückversicherung zu hinterfragen (DER AKTIONÄR berichtete). Schon im Mai hieß es von Unternehmensseite, dass das Umsatzziel von 40 Milliarden Euro für die Rückversicherung in diesem Jahr schwierig zu erreichen sein werde.
Airbus: mehr Gewinn, mehr Geld für Aktionäre
Nach Handelsschluss an Europas Börsen sorgte der weltgrößte Flugzeugbauer mit seinem Business Update für frische Impulse. Airbus peilt für 2029 einen bereinigten operativen Gewinn von 12 bis 13 Milliarden Euro an. Damit soll das operative Ergebnis über die kommenden drei Jahre hinweg um zwei Drittel zulegen. Rund zehn Milliarden Euro sollen dann allein aus dem Geschäft mit Verkehrsflugzeugen stammen. Rückenwind liefert der prall gefüllte Auftragsbestand, weshalb Airbus die Produktion über alle Baureihen hinweg weiter hochfahren will. Für 2026 bestätigte der Konzern sein Ziel von rund 870 Auslieferungen und damit einen neuen Rekord.
Zusätzlich kündigte das Management ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von fünf Milliarden Euro über drei Jahre. Die AKTIONÄR-Empfehlung schloss heute mit einem Gewinn von 1,5 Prozent und legte nachbörslich weiter zu.
21.07.2026, 18:44
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