Die Raiffeisenbank International erlangte bei einem größeren Publikum in den letzten Jahren aufgrund des großen Engagements in Russland Bekanntheit. Der geplante Rückzug scheiterte bisher. Nun schaltet das Management wieder auf Expansion und greift nach der Konkurrentin Addiko Bank. Damit könnte man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Die in Wien ansässige Raiffeisenbank plant ein Übernahmeangebot für die österreichische Addiko Bank in Höhe von 449,5 Millionen Euro vorzulegen. Gestern wurde laut einer Mitteilung bekannt, dass 23,05 Euro in bar je Addiko-Aktie geboten werden. Damit würde sich ein Aufschlag von 20 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der letzten sechs Monate ergeben. Allerdings liegt er 13 Prozent unter dem letzten Schlusskurs der Papiere von 26,00 Euro.
Mit der Übernahme könnte die Raiffeisenbank International ihren Marktanteil in Kroatien weiter ausbauen und in den slowenischen Markt wieder eintreten. Potenzial hat das Management dort im Investmentbanking sowie bei kleinen und mittleren Unternehmen ausgemacht. Nach Abschluss der Transaktion ist geplant, die Töchter von Addiko in Bosnien-Herzegowina, Serbien und Montenegro an die serbische Alta Group, einen Addiko-Großaktionär, zu veräußern.
Der Vorstand der Raiffeisenbank setzt eine Einkaufstour fort, nachdem zuletzt die Übernahme der Garantia BBVA, der rumänischen Tochter der spanischen Großbank BBVA, für 591 Millionen Euro vereinbart wurde. Eine plausible Strategie für den Umgang mit der Russlandtochter und den mehr als fünf Milliarden Euro blockierten Gewinnen in der Einheit muss der neue CEO vorlegen. Versuche in den letzten Jahren scheiterten, nun wird es wohl an Michael Höllerer liegen, der die Führung im Juli übernimmt.
Strategisch machen die jüngsten Zukäufe der Raiffeisenbank International Sinn. Wie sehr das Russland-Debakel noch immer belastet, zeigt indes, dass die Bewertung der Aktie mit einem KGV von 6 weiterhin klar unter dem Branchenschnitt von 10 liegt. Die gestern verkündete Waffenruhe hat die Aktie nun zumindest an die 50-Tage-Linie bei 40,05 Euro herangeführt. Kann der Kurs dieser die Rücklichter zeigen, wäre das ein neues Kaufsignal. Investiert bleiben mit Stopp bei 33,00 Euro an Bord.
Heute, 09:49